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Aktuell Asien

Massenproteste in Kabul nach Ermordung von Entführungsopfern

Nach der Enthauptung von sieben entführten Afghanen haben Tausende Menschen in Kabul für mehr Schutz demonstriert. Dabei kam es zu Ausschreitungen.

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Kabul: Protest gegen Regierung

Die Demonstranten trugen die Särge mit den Opfern durch die Stadt. Den Organisatoren zufolge wollten sie die Leichen zum Präsidentenpalast bringen. Offenbar versuchten einige der Protestler die Mauern eines Gebäudes in der Nähe des Palastes einzureißen. Die Polizei feuerte Warnschüsse ab.

Die Demonstranten skandierten Sprechchöre gegen die radikalislamischen Taliban und das Terrornetzwerk "Islamischer Staat" (IS). "Dies ist ein Protest für Gerechtigkeit für die Opfer, die so gnadenlos ermordet wurden", sagte der Demonstrant Mohammed Hadi der Nachrichtenagentur AFP. "Wir fordern Gerechtigkeit für die Menschen, die jeden Tag von Terroristen brutal ermordet werden."

Bei ihrem Protest zeigten die Demonstranten Bilder der Opfer. (Foto: rtr)

Bei ihrem Protest zeigten die Demonstranten Bilder der Opfer

Opfer waren Hasaras

Die Gruppe - vier Männer, zwei Frauen und ein neunjähriges Kind - war vor einigen Monaten in der Ost-Provinz Ghasni verschleppt worden. Die sieben Leichen waren am Samstag in der Provinz Sabul entdeckt worden.

Bei den Ermordeten handelt es sich um ethnische Hasaras, von denen etwa drei Millionen in Afghanistan leben. Diese sind zum überwiegenden Teil Schiiten und wurden in der Vergangenheit besonders häufig angegriffen. In den späten 90er Jahren wurden tausende Hasara von den überwiegend paschtunischen sunnitischen Taliban ermordet. Im Nachbarland Pakistan sind Hasaras immer wieder Ziel gewaltsamer Übergriffe durch sunnitische Extremisten geworden. In Afghanistan gab es in diesem Jahr ebenfalls mehrere Vorfälle.

Tausende forderten Gerechtigkeit und mehr Schutz (Foto: rtr)

Tausende forderten Gerechtigkeit und mehr Schutz

Bislang kein Bekenntnis zu Morden

Die aufständischen Taliban bestritten nun allerdings, die Morde begangen zu haben, und machen den "Islamischen Staat" für die Bluttat verantwortlich. Der afghanische Geheimdienst hingegen schreibt das Verbrechen den Taliban zu. In den vergangenen Monaten kam es zu zahlreichen

Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen islamistischen Fraktionen

. Auch in der Gegend, in der die sieben Opfer gefunden wurden, hatte es Kämpfe zwischen den Aufständischen gegeben.

Der UN-Gesandte für Afghanistan, Nicholas Haysom, erklärte, die Enthauptungen in Sabul könnten als Kriegsverbrechen eingestuft werden.

chr/sti (afp, epd, rtr)

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