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Ostmitteleuropa

Massenmarkt Flugverkehr

– Wie steht die ungarische Fluggesellschaft Malev da?

Budapest, 13.2.2004, PESTER LLOYD, deutsch

Sie ist schon wiederholt von den Toten auferstanden, und vielleicht haben andere Gesellschaften mit weniger Managementfehlern leichter das Zeitliche gesegnet, doch Tatsache ist, dass Malév bis heute lebt (auch wenn das weniger etwas mit "Erleben" als mit "Dahinvegetieren" gemein hat) und unverändert Zukunftspläne spinnt. Die dann sowieso nicht verwirklicht werden, wie das langsam seit einem Jahrzehnt zur Gewohnheit wurde.

Angefangen hat der Abstieg im Grunde genommen mit dem Scheitern der Privatisierung der ungarischen nationalen Fluggesellschaft durch Alitalia. Als die Ungarn plötzlich wieder ohne Partner dastanden, brachten sie viel Phantasie für das Skizzieren alternativer Überlebenswege auf. Doch leider zeigte sich bei jedem Konzept ein, zwei Jahre nach seiner Inangriffnahme, dass die Sache hakt.

Mal wurde auf Kurzstrecken und Geschäftsreisende gesetzt, mal das Langstreckenfliegen nach Nordamerika und Asien zur Erfolgsnische erkoren, mal wurden kleine Maschinen teuer geleast, mal die modernsten Typen mittels Krediten eingekauft. (...)

Malév verpasste den Anschluss, obgleich mit Lufthansa im technischen Bereich so gute Beziehungen aufgebaut werden konnten, dass sie zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens führten, welches heute in Budapester Hangars Airbusse von Lufthansa und Austrian generalüberholt. Dank KLM gelang Malév schließlich eine Annäherung an das von Air France geführte SkyTeam, doch blockierte die tschechische CSA eine Partnerschaft der Ungarn. In ihrer ausweglosen Situation akzeptierten die Magyaren schließlich ein "Sponsoring" der Tschechen, was eine beschränkte Zusammenarbeit (z.B. gemeinsame Flüge, gegenseitige Ticketverkäufe und Marketingaktionen) mit Malév in der untergeordneten Rolle bedeutet.

Aber auch die Tschechen denken nicht im Traum daran, einen müden Euro für die zur Privatisierung anstehende Malév zu verschwenden. Letztmalig vor dem EU-Beitritt pumpt der ungarische Staat 10 Mrd. Ft (ca. 38 Mio. EUR) in die nationale Fluggesellschaft, deren Marktwert mit der Überschwemmung des heimischen Terrains durch die Konkurrenz doch nur sinkt. (...)

Nicht so bei Malév, wo heute Tickets für 29.000 Ft (ca. 110 EUR) als besondere Angebote gelten. Zwar kommt man dafür im Gegensatz zu Germanwings auch wieder heim, doch erschrak das Management bei der Nachkalkulation offenbar dermaßen, dass kurz danach eine üppige Gebühr für das Ausstellen der Tickets erfunden wurde. Und damit ist Malév nunmehr teurer als British Airways, sofern es Sie zufällig nach London ziehen sollte. Bei den Briten handelt es sich wohlgemerkt um keinen Billiganbieter. (fp)

  • Datum 13.02.2004
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  • Permalink http://p.dw.com/p/4fmh
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