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Kultur

Massenkrankheit in Tschetschenien noch immer ungeklärt

In Tschetschenien geht die mysteriöse Krankheitswelle weiter: 85 Menschen zeigen Symptome, die auf eine Vergiftung hindeuten. Doch die Behörden sprechen von einer Massenpsychose. Selbst die Ärzte streiten sich.

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Gift oder Psychose? In Grosny werden 85 Menschen behandelt

Mittlerweile wurden 85 Menschen, die meisten davon Kinder, mit Vergiftungssymptomen wie Schwäche, Kopfschmerzen, Zittern und Atembeschwerden in Krankenhäusern in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny behandelt. Vor allem Mädchen und Frauen aus dem Landkreis Scholkowskaja im Norden Tschetscheniens sind betroffen.

Reinigungsmittel im Blut?

Über die Ursache der Symptome streiten die Experten. Gerichtsmediziner in der Nachbarbarrepublik Dagestan hatten nach Angaben der Agentur Interfax im Blut von fünf Mädchen Ethylenglykol nachgewiesen. Die Leiterin des Labors Muminat Radzhabova erklärte in der Zeitung "Gazeta", die Kinder hätten Ausdünstungen der Flüssigkeit eingeatmet. Es gebe aber noch keine Hinweise, woher das Ethylenglykol stamme. Die süßlich schmeckende Chemikalie wird in Kühlmitteln eingesetzt, gelegentlich auch zur Reinigung von Gebäuden.

Die russischen Behörden hatten zuvor eine Vergiftung mit einem Nervengas als Grund für die Erkrankungen ins Spiel gebracht und Ermittlungen wegen der Verletzung von Gesundheitsvorschriften eingeleitet.

Analyse angezweifelt

Dagegen vermuteten Mediziner in Tschetschenien weiter eine Massenpsychose und übertrugen die Untersuchungen dem Serbski-Institut für Psychiatrie in Moskau. "Es wurde beschlossen, dass die Ergebnisse der Blutanalysen, die in Dagestan durchgeführt wurden, falsch sind", erklärte ein Ärztekonzilium in Grosny. Untersuchungen hätten ergeben, dass keine Vergiftung mit Chemikalien vorliege, sagte auch Gennadi Prostokischin vom russischen Katastrophenschutzministerium, der aus Moskau angereist war. Die Betroffenen litten unter einem relativ häufig anzutreffenden Phänomen infolge von Nervenproblemen, sagte Mussa Delsajew vom tschetschenischen toxikologischen Dienst. In Russland sorgten die geheimnisvollen Erkrankungen für großes Aufsehen in den Medien. Präsident Wladimir Putin hat im Fernsehen "zusätzliche Hilfe aus Moskau" angekündigt. (reh)

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