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Fokus Südosteuropa

Massengrab in Serbien entdeckt

In Serbien ist unweit der Grenze zu Kosovo ein Massengrab entdeckt worden. Dort liegen vermutlich die Leichen von Albanern, die im Kosovo-Konlikt ermordet und zur Vertuschung der Tat nach Serbien geschafft wurden.

Karte von Serbien mit dem Ort Raska unweit von Kosovo (Graphik: DW)

Fundort Raska in Südserbien

Der serbische Chefankläger für Kriegsverbrechen Vladimir Vukcevic hat vor der Presse bestätigt, dass in Südserbien, zehn Kilometer von der Grenze zu Kosovo, ein Massengrab entdeckt worden sei. In dem Grab bei Raska seien die sterblichen Überreste von schätzungsweise 250 Kosovo-Albanern gefunden worden, die vermutlich im Kosovo-Konflikt 1998 bis 1999 von serbischen Sicherheitskräften und paramilitärischen Einheiten getötet worden waren.

Die Zahl der Opfer sei mit Hilfe von Zeugenaussagen und durch Luftaufnahmen ermittelt worden. Die serbischen Ermittler für Kriegsverbrechen hätten mit der EU Rechtsstaatsmission im Kosovo EULEX zusammengearbeitet und gemeinsam das Massengrab gefunden. Vukcevic kündigte an, dass die Exhumierung der Leichen in Kürze beginnen werde.

Information bestätigt

In Pristina wurde diese Nachricht positiv aufgenommen. Der stellvertretende Premier des Kosovo Ram Manaj sagte, Kosovo habe über unbestätigte Informationen verfügt, dass es bei Raska ein Massengrab mit den sterblichen Überresten von 250 bis 400 Albanern geben solle. Durch den Fund sei diese Information bestätigt worden.

Die Leichen seien vermutlich von Tatorten im Kosovo weggeschafft und in Serbien vergraben worden. Manaj sagte, Serbien habe damit eingeräumt, dass Verbrechen nicht nur begangen, sondern auch bewusst verschleiert worden seien. Dies sei jetzt eine gute Gelegenheit für Serbien, sich zu einer engeren Zusammenarbeit mit dem Kosovo bereit zu erklären.

Trost für Hinterbliebene

Rosen auf weißbedeckten Särgen mit den sterblichen Überresten von 1998 bis 1999 getöteten Kosovo-Albanern (Foto: AP)

Die Gewissheit ist für die Hinterbliebenen wichtig

Laut Manaj müssen weitere Massengräber existieren, weil schätzungsweise noch 1860 Personen als vermisst gelten. Arsim Gerxhaliu, Mitglied der kosovarischen Kommission für Vermisste, betont, dass es bereits 2006 Information über das Massengrab bei Raska gegeben habe.

Die kosovarische Kommission für Vermisste habe bei den regelmäßigen Treffen mit den serbischen Kollegen diese Information bereits vergangenes Jahr weiter gegeben. "Der Fund jedes einzelnen Grabes ist unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit nach so vielen Jahren ein kleiner Trost für die Hinterbliebenen", meint Gerxhaliu.

Es sei kaum vorstellbar, erklärte Manaj, dass sich die Beziehungen zwischen Kosovo und Serbien verbesserten, ohne dass der Verbleib der vermissten Personen aufgeklärt würde. Auf eine Vertiefung der Zusammenarbeit in diesem Bereich hofft auch Jelena Milic, Leiterin des Zentrums für euroatlantische Studien, eines unabhängigen Belgrader Think-Tanks. "Ein Dialog und eine Zusammenarbeit bei einem so komplizierten Thema wäre der beste Beweis für die Reife sowohl der Gesellschaft als auch der Politiker in Serbien und Kosovo", meint Milic.

Verschleppte Beweise

Dieses Massengrab ist das sechste, das seit 2001 in Serbien gefunden wurde. Wenn die Schätzungen der Opferzahl richtig sind, ist es das zweitgrößte nach Batajnica. An dem damaligen Stützpunkt für Sondereinheiten bei Belgrad waren 700 Leichen gefunden worden. Die Suche nach den in Serbien vergrabenen Opfern des Kosovo-Konflikts hatte im Jahr 2000 nach dem Sturz des Milosevic-Regimes begonnen.

Die Leichen sollen auf serbischen Befehl aus dem Kosovo geschafft worden sein, um die während des Kosovo-Konflikts begangenen Morde zu vertuschen. Ein Jahr darauf waren die Ermittler des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag im Zuge der Beweisaufnahme gegen die Gräueltaten von Milosevic auf das Massengrab in Batajnica gestoßen.

Autoren: Zulfija Jakupi / Ivica Petrovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt

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