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Nahost

Massenentführung in Bagdad gibt Rätsel auf

Im Irak haben Männer in Polizeiuniformen bei der möglicherweise größten Massenentführung bis zu 150 Menschen in ihre Gewalt gebracht. Das Innenministerium leitete eine Großfahndung ein.

Schild vom irakischen Bildunsministerium

Trotz Stacheldraht und Bewachung drangen Kidnapper in das Ministerium ein

Etwa 80 Täter drangen nach Angaben einer Sprecherin des Ministeriums am Dienstag (14.1.06) in das Institut für Hochschulbildung ein und verschleppten die männlichen Mitarbeiter und Besucher. Es seien zwischen 100 und 150 Menschen entführt worden. Das wiederholt selbst mit Entführungen in Verbindung gebrachte Innenministerium wurde in Alarmbereitschaft versetzt und leitete eine Großfahndung ein. Es sei unbekannt, ob es sich bei den Entführern um Terroristen, Milizionäre oder Sicherheitskräfte handele, sagte ein Ministeriumssprecher. Bildungsminister Abed Thejab ordnete die vorübergehende Schließung aller Hochschulen an.

Nur wenige Stunden nach der Entführung in Bagdad sind mehrere der Opfer wieder freigekommen. Ein Sprecher des irakischen Ministeriums für Hochschulbildung bestätigte zunächst die Freilassung von drei Angestellten des Instituts für Kulturforschung. Das Schicksal der übrigen Entführungsopfer sei noch unklar. Unterdessen gerieten irakische Polizisten unter Tatverdacht. Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete, fünf Beamte seien festgenommen worden, weil sie möglicherweise in die Entführung verwickelt seien.

Bildungsminister Abu Dhiab informiert die Presse

Bildungsminister Abu Dhiab informiert die Presse

Sunniten und Schiiten verschleppt

Ein Polizeisprecher sagte, der Überfall auf das Gebäude in der Bagdader Innenstadt habe rund 20 Minuten gedauert. Die bewaffneten Täter hätten gegen 9.30 Uhr (Ortszeit) die umliegenden Straßen abgesperrt. Eine Augenzeugin sagte, die Täter hätten Männer und Frauen in verschiedene Räume gesperrt, die Männer gefesselt und sie dann mit Kleinlastwagen weggefahren. Einige der Entführer seien maskiert gewesen. Sie hätten blaue Tarnuniformen getragen - normalerweise typisch für Einsatzkräfte der Polizei.

Terroristen benutzen im Irak häufig gestohlene oder nachgemachte Uniformen. Bildungsminister Abu Dhiab sagte im Fernsehen, er habe das Innen- und das Verteidigungsministerium um stärkeren Schutz gebeten, weil seine Mitarbeiter ins Visier von Angreifern geraten seien. Rund um das Ministerium gebe es viele Kontrollpunkte der Polizei und des Militärs. "Wir wissen, dass Polizeiautos den Entführern bis zu einem bestimmten Punkt folgten. Danach verliert sich ihre Spur", sagte Dhiab.

Vorwürfe gegen das Innenministerium

Entführungen sind im Irak an der Tagesordnung. Zahlreiche Geiselnahmen gehen auf das Konto religiöser Milizen, die entweder innerhalb der Sicherheitskräfte operieren oder von ihnen mit Ausrüstung unterstützt werden. Das von Schiiten dominierte Innenministerium hat wiederholt Vorwürfe von Sunniten und der US-Regierung bestritten, mit Entführerbanden und Todesschwadronen unter einer Decke zu stecken.

Im Juli hatten Uniformierte in der Nähe des Bildungsministeriums 30 Sportler und Sportfunktionäre entführt, von denen einige später freigelassen wurden. Im Oktober wurden 26 Mitarbeiter eines Fleischerei-Betriebes verschleppt. Einige Entführungsopfer kommen gegen Lösegeld frei. Viele werden jedoch gefoltert und ermordet. In Bagdad werden täglich etwa 50 unbekannte Tote in Leichenhäusern abgeliefert. (al)

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