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Nahost

Massenentführung im Irak

In Bagdad sind rund zwei Dutzend Männer aus einem Büro der Hilfsorganisation Roter Halbmond entführt worden. Die bewaffneten Angreifer seien gewaltsam in das Büro eingedrungen, wo sie Besucher und Mitarbeiter kidnappten.

Irakerin in Sorge um den entführten Sohn. Quelle: AP.

Sorge um den entführten Sohn

Nach dem Überfall auf das Büro des Roten Halbmondes, Quelle: AP.

Nach dem Überfall auf das Büro des Roten Halbmondes

Die Kidnapper fuhren laut Augenzeugen am Sonntag (17.12.2006) mit mehreren Fahrzeugen mit zivilen Nummernschildern vor dem Büro des Roten Halbmondes am Al-Andalus-Platz vor. Unter dem Vorwand, sie müssten das Büro inspizieren, hätten sie sich Zutritt verschafft, bevor sie die Männer verschleppten.Später wurden sechs der Verschleppten freigelassen, wie ein Sprecher des Roten Halbmondes mitteilte. Die Identität der Täter sei unklar. Der Rote Halbmond ist die einzige Hilfsorganisation, die nach eigenen Angaben - mit rund 1000 Mitarbeitern und 200.000 Freiwilligen - in allen 18 Provinzen des Iraks tätig ist.

Serie von Massenentführungen

In den vergangenen Wochen hat die Zahl der Massenentführungen in Bagdad zugenommen. Mitte November waren 150 Beamte aus einem Institut des Hochschulministeriums verschleppt worden, wenige Tage später Dutzende Insassen mehrerer Kleinbusse und erst am vergangenen Donnerstag mindestens 30 Passanten und Ladenbesitzer aus einem Einkaufsviertel. Unklar ist, ob jeweils Kriminelle, sunnitische oder schiitsche Milizionäre hinter den Taten stecken. Das Schicksal vieler der Entführten ist bis heute ungeklärt.

Unklare Zahlen

Ein Augenzeuge sagte, die Entführer hätten 25 Menschen verschleppt. In irakischen Sicherheitskreisen war von knapp dreißig Entführten die Rede. Die Angreifer trugen demnach Militäruniform und verschleppten nur Männer; Frauen nahmen sie nicht mit. Der Rote Halbmond bestätigte die Angaben zunächst nicht. Die irakische Polizei und das US-Militär riegelten das Gebiet ab.

Rückkehr für Saddams Soldaten

Regierungschef Maliki hatte am Samstag eine zweitägige Versöhnungskonferenz eröffnet, bei der es vor allem um die Gewalt im Irak gehen sollte. "Die irakische Armee öffnet ihre Türen für Offiziere und Soldaten der Ex-Armee, die ihrer Heimat dienen wollen", sagte Maliki eingangs. Wer nicht eingegliedert werden könne, bekomme vom Staat eine Pension gezahlt. Maliki sagte, die irakische Regierung unterscheide zwischen Mitgliedern der aufgelösten Baath-Partei, "deren Hände nicht mit Blut beschmiert sind", und solchen, die abscheuliche Verbrechen gegen ihre Landsleute begangen hätten.

Nach dem US-geführten Einmarsch im Irak im Frühjahr 2003 hatte die Besatzungsmacht die damalige irakische Armee aufgelöst und zehntausende Baath-Mitglieder aus öffentlichen Ämtern entlassen. Viele der geschassten Sunniten griffen daraufhin zu den Waffen und lehnten sich gegen die neue, überwiegend schiitische Regierung auf.

Zustimmung von USA

Die USA begrüßten Malikis Vorstoß. Die US-Regierung sei ermutigt von seiner Rede, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Gordon Johndroe. Maliki habe sich klar dafür ausgesprochen, einen Irak aufzubauen, "der auf nationaler Einheit und nicht auf individuellen Sekten beruht". Die US-Regierung rufe alle Seiten dazu auf, "einen Kurs der Stabilität und Sicherheit einzuschlagen."

Blair (links) mit Maliki, Quelle: AP.

Blair (links) mit Maliki

Blair traf am Sonntag zu einem überraschenden Besuch im Irak ein. Großbritannien werde der Regierung und der Bevölkerung beistehen und wolle dazu beitragen, dass die Demokratie nicht durch den Terrorismus und durch Sektierertum zerstört werde, sagte Blair. Wenn im Irak das Blut Unschuldiger vergossen werde, so geschehe dies nicht durch die demokratisch gewählte Regierung, betonte der Premier. Vielmehr steckten die gleichen Kräfte dahinter, die auf der ganzen Welt Mäßigung, Modernisierung und Meinungsfreiheit mit Gewalt verhindern wollten.

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