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Ostmitteleuropa

Massenaufkauf bleibt aus

- Interesse von Ausländern an Grund und Boden in Polen hält sich in Grenzen

Warschau, 12.7.2004, RZECZPOSPOLITA, poln.

Nach dem Beitritt Polens zur EU wurden lediglich 258 Hektar Boden sowie einige Häuser und Wohnungen, deren Gesamtfläche 100qm nicht übersteigt, von Ausländern gekauft. Der Massenaufkauf durch Ausländer, der von vielen Politikern befürchtet worden war, blieb aus.

Seit dem 1. Mai dürfen Ausländer aus den EU-Staaten bei uns ohne Hindernisse Boden für Investitionszwecke kaufen sowie Häuser und Wohnungen, aber nur wenn sie sich dafür entscheiden, den ständigen Wohnsitz bei uns zu haben. Sie brauchen keine Genehmigung des Ministeriums für Inneres und Arbeit mehr, wenn sie sich entscheiden, auf landwirtschaftlichen Gebieten einen Golf- oder einen Campingplatz zu errichten. Ausländer dürfen aber auch ein Mietshaus in Opole (Oppeln) oder Szczecin (Stettin) kaufen, aber nur dann, wenn sie daraus ein Hotel oder Bürogebäude machen.

Die Definition der Investitionsflächen in der Europäischen Union ist so breit, dass die polnische Regierung befürchtete, dass dadurch ein Massenaufkauf des in Polen viel billigeren Grunds und Bodens durch Ausländer aus der EU und vor allem aus Deutschland ermöglicht würde. Erst 2002 kurz vor dem EU-Gipfel in Kopenhagen mussten die polnischen Unterhändler dem Druck der EU nachgeben und die Pläne, eine fünfjährige Übergangszeit für Ausländer einzuführen, aufgeben.

Die Befürchtungen haben sich jedoch als unbegründet erwiesen. Keine der staatlichen Institutionen, die den Immobilienmarkt in Polen beobachten, hat innerhalb der letzten zwei Monate einen Zuwachs beim Ankauf von Immobilien registriert. Dies wird auch von privaten Immobilienmaklern in Warschau und anderen Großstädten in Polen bestätigt. Nach dem Preisanstieg vor dem 1. Mai begannen die Preise sogar zu sinken.

Die Ausländer suchen nach Investitionsmöglichkeiten vor allem entlang der Autobahn Berlin - Krakau, d. h. in der Woiwodschaft Dolny Slask (Niederschlesien), Opole (Oppeln), Slask (Oberschlesien), Malopolska (Region Krakau). Immer populärer wird auch die Stadt Lodz", sagt Sebastian Mikosz, stellvertretender Vorsitzender der Staatlichen Agentur für Ausländische Investitionen (PAIiIZ). "Dies ist jedoch weder durch historische Gründe (ein Teil dieser Gebiete gehörte zu Deutschland) noch durch den günstigen Preis für den Boden bedingt. Es handelt sich dabei vor allem um gute Voraussetzungen, um in den Westen zu importieren, wie auch um die Tatsache, dass hier eine große Zahl gut ausgebildeter Personen vorhanden ist, die bereit sind, für verhältnismäßig wenig Geld zu arbeiten", erklärt Sebastian Mikosz.

Nach Ansicht der Staatlichen Agentur für Ausländische Investitionen werden die ausländischen Investitionen in diesem Jahr viel höher sein als im Jahr 2003. Man rechnet mit Beträgen in Höhe von über sieben Milliarden Dollar. Zu den größten Investoren sollen jedoch nicht die Deutschen, sondern die Franzosen und die Holländer gehören sowie Amerikaner und Japaner, die in Polen eine Basis für die Eroberung des EU-Marktes errichten.

Die Angestellten der PAIiIZ betonen, dass es nach dem 1. Mai zu keinem Fall gekommen sei, in dem jemand nur vorgab, Grund und Boden für Produktionszwecke zu kaufen und dann das nicht verwirklichte. "Das wachsende Interesse an Investitionen in Polen ist mit der Möglichkeit des freien Exportes in die EU sowie mit der Abschaffung der Einkommensteuer für Firmen verbunden. Wir werden aber die bestehenden Einschränkungen beim Kauf von Immobilien durch Ausländer nicht abschaffen", sagt Sebastian Mikosz. (sta)

  • Datum 14.07.2004
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