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Welt

Massenansturm bei US-Präsidentenwahl

Der Präsidentschaftswahlkampf hat die Amerikaner elektrisiert: Vor den Wahllokalen bildeten sich vielerorts lange Schlangen. Die Behörden rechneten mit einer Rekordwahlbeteiligung.

Wähler in Washington, D.C., Quelle: AP

Wähler in Washington, D.C.

Barack und Michelle Obama bei der Abstimmung, Quelle: AP

Barack und Michelle Obama bei der Abstimmung

Weltweite Hochspannung und Rekordbeteiligung an einer historischen Wahl: Nach dem längsten und teuersten Wahlkampf aller Zeiten verzeichneten die Wahllokale am Dienstag (04.11.2008) einen Massenansturm. Der Demokrat Barack Obama, der nach allen Umfragen als Favorit ins Rennen ging, gehörte in seinem Stimmbezirk in Chicago mit zu den ersten Wählern. Zusammen mit seiner Ehefrau Michelle und den zehn- und siebenjährigen Töchtern Malia und Sasha erschien er bereits kurz nach 07.30 Uhr (Ortszeit) im Wahllokal in einer Grundschule. "Die Reise ist zu Ende", sagte er anschließend mit Blick auf den langen und mit harten Bandagen geführten Wahlkampf.

Sein republikanischer Rivale John McCain gab seine Stimme in einer Kirche in Phoenix in seinem Heimatstaat Arizona ab. Begleitet wurde der 72-Jährige von seiner Ehefrau Cindy. "Ich bin glücklich damit, wo wir jetzt stehen", sagte er zuvor dem Fernsehsender ABC. Er fühle sich in der Rolle des Außenseiters am wohlsten.

Kampf bis zuletzt

Schlange in Grand Forks, North Dakota, Quelle: AP

Schlange in Grand Forks, North Dakota

Mit ersten Wahlergebnissen wurde nach Mitternacht (MEZ) gerechnet. Bereits um vier Uhr morgens - Stunden vor Öffnung der Wahllokale - hatten sich in manchen Städten lange Warteschlangen gebildet. In mehreren Fällen kam es zu erheblichen Verzögerungen bei der Abstimmung, weil beispielsweise falsche Wahlzettel oder Wählerlisten vorlagen. Wähler beklagten sich vielerorts auch darüber, dass es bei weitem nicht genügend Wahlautomaten gegeben habe. Erwartet wurde eine Rekordbeteiligung von bis zu 130 Millionen Wählern: Knapp drei Viertel aller Wahlberechtigten waren zur Abstimmung registriert.

Schon in den vergangenen Wochen hatten fast 30 Millionen Wähler von der Möglichkeit einer frühzeitigen Stimmabgabe Gebrauch gemacht. Die Parteien hatten angesichts befürchteter Unregelmäßigkeiten und Pannen Tausende Rechtsanwälte zur Beobachtung in die Wahllokale vor allem in Staaten mit erwartetem knappen Wahlausgang entsandt.

Sarah Palin wählte in Alaska, Quelle: AP

Sarah Palin wählte in Alaska

Bis zuletzt kämpften Obama und McCain noch um jede Stimme. Dabei konzentrierte sich Obama auf Kundgebungen in Florida, North Carolina und Virginia - drei US-Staaten, in denen vor vier Jahren die Republikaner des scheidenden Präsidenten Bush gewannen. Deren Kandidat McCain eilte am letzten Tag vor der Wahl durch sieben bis zuletzt besonders umkämpfte Staaten. Das Ergebnis wollte McCain am Abend daheim in Arizona abwarten. Vor fast 100.000 Menschen in Charlotte, North Carolina, gedachte Obama seiner tags zuvor verstorbenen Großmutter. McCain kondolierte dem politischen Gegner.

Beten für den Sieg

Die republikanische Vizekandidatin Sarah Palin wählte in Wasilla (Alaska). "Ich hoffe, bete und glaube, dass ich morgen früh als gewählte Vizepräsidentin aufwache", sagte sie nach der Stimmabgabe. Obamas Rivalin im Vorwahlkampf, Hillary Clinton, gab in Chappaqua (New York) ihre Stimme ab. Sie freue sich auf eine Zusammenarbeit mit dem künftigen Präsidenten Obama, sagte die New Yorker Senatorin.

McCain nach seiner letzten Kundgebung, Quelle: AP

McCain nach seiner letzten Kundgebung

Nach einer letzten landesweiten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Gallup für die Zeitung "USA Today" wollten 53 Prozent der Befragten Obama als neuen Präsidenten, 42 Prozent sprachen sich für McCain aus. Nach einem von der Webseite realclearpolitics.com ermittelten Durchschnittswert von einem Dutzend Umfragen trennte Obama von McCain ein Vorsprung von mehr als sieben Prozentpunkten. Obama führte jüngsten Umfragen der Universität Quinnipiac zufolge auch in den beiden als möglicherweise entscheidend betrachteten Staaten Ohio und Pennsylvania, während sich in Florida ein Kopf-an-Kopf-Rennen abzeichnete.

Die Wahl des US-Präsidenten erfolgt indirekt. Gewählt wurden am Dienstag 538 Wahlmänner in den 50 einzelnen Staaten sowie im Hauptstadtbezirk Washington D.C. Der Kandidat, der in einem Staat die meisten Stimmen bekommt, erhält alle Wahlmännerstimmen dieses Staates. Sobald ein Kandidat mindestens 270 Wahlmännerstimmen gesammelt hat, ist die Wahl entschieden.

Kleiner Erdrutschsieg

Am Dienstag stand auch die Wahl der 435 Mitglieder des Abgeordnetenhauses und von 35 der 100 Senatoren an. Es wurde erwartet, dass die Demokraten ihre Mehrheit in beiden Kongresskammern deutlich ausbauen können. Außerdem ging es um die Besetzung von elf Gouverneursposten. In zahlreichen Staaten gab es auch Volksentscheide zu verschiedenen Themen. In Kalifornien etwa stimmten die Wähler über die Zulässigkeit von Homosexuellen-Ehen ab. Der Wahlkampf war zuletzt von den Auswirkungen der Finanzkrise beherrscht. Die noch vor vier Jahren dominanten Themen Terrorismusbekämpfung und Irak wurden von den Wirtschaftsproblemen weitgehend in den Hintergrund gedrängt.

Einen kleinen "Erdrutschsieg", so der US-Nachrichtensender CNN, konnte Obama bereits frühzeitig am Wahltag verbuchen. Im Dorf Dixville Notch (Bundesstaat New Hampshire), wo die Bürger traditionell schon gleich nach Mitternacht wählen gehen, erhielt er 15 Stimmen, McCain nur sechs. In der kleinen Ortschaft unweit der kanadischen Grenze brach Obama somit eine 40-jährige Vorherrschaft der Republikaner. Nur einmal, 1968, war es den Demokraten mit ihrem Bewerber Hubert Humphrey gelungen, hier zu siegen. (stu)

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