Massen demonstrieren in Barcelona | Aktuell Europa | DW | 15.04.2018
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Spanien

Massen demonstrieren in Barcelona

Mehr als 300.000 Menschen haben in der katalanischen Hauptstadt die Freilassung der Separatisten-Führer gefordert. Auch die Politiker im Exil müssten unbehelligt zurückkehren dürfen, so die Forderung.

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Justiz prüft Puigdemonts Auslieferung nach Spanien: Alexander Drechsel aus Neumünster

In Barcelona sind erneut die Anhänger einer Unabhängigkeit von Spanien auf die Straßen gegangen. Die katalanische Hauptstadt verwandelte sich in ein gelb-rot-gestreiftes Fahnenmeer. Menschenmassen schwenkten die Flagge der Region, trugen gelbe Schleifen an ihrer Kleidung oder gelbe Schals und Jacken. Hunderte Busse brachten die Demonstranten aus ganz Katalonien nach Barcelona. Die Guàrdia Urbana (Stadtpolizei) schätzte die Zahl der Teilnehmer auf rund 315.000.

Neun Separatisten in Untersuchungshaft

Sie alle fordern von der Zentralregierung in Madrid die Freilassung der inhaftierten katalanischen Separatisten-Führer und eine Rückkehrmöglichkeit für die ins Exil geflüchteten Regionalpolitiker. Ihre Forderung an die spanische Justiz haben viele auf Plakate geschrieben: "Freiheit für die politischen Gefangenen" steht da, oder "Keine Geiseln mehr!".

Spanien Demonstration für Unabhängigkeit Katalonien & Freilassung von Gefangenen in Barcelona (Getty Images/AFP/L. Gene)

Fahnenmeer für die Unabhängigkeit

Der Tag für die Demonstration ist gut gewählt: knapp sechs Monate nach der Inhaftierung der Separatisten-Führer Jordi Sànchez und Jordi Cuixart. Sie waren die beiden ersten, die hinter Gitter gebracht wurden. Inzwischen sitzen insgesamt neun Separatisten in Untersuchungshaft. Sieben weitere ranghohe katalanische Politiker, die entweder angeklagt oder beschuldigt wurden, sind ins Exil nach Belgien, Schottland oder in die Schweiz geflohen. Ihnen wird unter anderem Rebellion, Untreue und umstürzlerisches Verhalten vorgeworfen.

Streit um Auslieferung von Ex-Regionalpräsident Puigdemont

Unter den Geflohenen ist auch der katalanische Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont. Er war war nach der einseitigen Verkündung der Unabhängigkeit seines Amtes enthoben worden. Daraufhin reiste er im Oktober nach Belgien aus. Puigdemont wurde Ende März auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls in Schleswig-Holstein festgenommen, dann aber unter Auflagen wieder freigelassen

Spanien Demonstration für Unabhängigkeit Katalonien & Freilassung von Gefangenen in Barcelona (picture-alliance/AP Photo/M. Fernandez)

Geschmückt in den Farben Kataloniens: ein klares Bekenntnis für die Abspaltung von Spanien

Derzeit wird in Deutschland geprüft, ob Kataloniens Ex-Regionalpräsident wegen des Vorwurfs der Untreue ausgeliefert wird. Eine Überstellung an Spanien wegen des weit gravierenderen Vorwurfs der "Rebellion" hatte das Oberlandesgericht Schleswig abgelehnt. Es argumentierte, der vergleichbare deutsche Straftatbestand des Hochverrats sei "nicht erfüllt", weil es an dem Merkmal der Gewalt fehle. Die spanische Regierung sieht das anders.

"Keine Gewalt - außer von der Polizei"

Die Demonstranten in Barcelona betonten, alle Proteste für eine Unabhängigkeit Kataloniens seien stets friedlich gewesen. "Ich habe an jeder Demonstration teilgenommen, und ich habe nie Gewalt gesehen - außer die Gewalt der Polizei, als sie gegen das Referendum vorgegangen ist", sagte etwa der Demonstrant Juan José Cabrero.

Spanien Barcelona Demonstration für inhaftierte katalanische Politiker (Getty Images/AFP/J. Lago)

Sieben katalanische Politiker sind ins Exil gegangen, neun sitzen in Untersuchungshaft

Zu dem Protest in Barcelona hatte der separatistische Dachverband Espai Democracia i Convivencia (Raum für Demokratie und Zusammenleben) aufgerufen. Der Plattform gehören neben den beiden bis vor kurzem von Sànchez und Cuixart angeführten Organisationen ANC und Omnium Cultural unter anderem auch Gewerkschaften sowie Sport-, Schauspieler-, Eltern- und Bauernverbänden an. Unterstützt wurden die Proteste außerdem von einer im März gegründeten Plattform zum "Schutz der katalanischen Institutionen".

cw/qu (afp, dpa)

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