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Politik

Massaker auf dem Markt in Bagdad

Bei den schwersten Selbstmordanschlägen seit Wochen starben im Irak 100 Menschen. Zuvor war die Gewalt etwas abgeflaut. Die USA hoffen auf eine Verlängerung des Waffenstillstandes durch Milizenchef al-Sadr.

Feuerwehrleute im Einsatz auf einem mit Trümmern übersääten Platz (Quelle: AP)

Nach der Gewalt: Sicherheitskräfte im Einsatz

Bei den zwei verheerenden Sprengstoffanschlägen auf Tiermärkte in Bagdad sind wesentlich mehr Menschen getötet und verletzt worden, als bisher angenommen. Nach Angaben des Innen- und Verteidigungsministeriums vom Samstag (2.2.2008) wurden mindestens 98 Menschen getötet und weitere 208 verletzt. Andere Agenturen sprechen bereits von 100 Toten. Zuvor war die Armee von 64 Toten und 107 Verletzten ausgegangen.

Geistig behinderte Attentäterinnen

Die Selbstmordattentäterinnen waren beide geistig behindert. Beide Frauen trugen nach Armeeangaben Westen, die mit jeweils 15 Kilogramm Sprengstoff sowie mit Bolzen und Metallkugeln gefüllt waren. Die vom Down-Syndrom betroffenen Frauen waren sich höchstwahrscheinlich nicht darüber im Klaren, dass sie als Selbstmordattentäterinnen eingesetzt wurden. Die Sprengsätze sollen aus der Ferne mit Mobiltelefonen gezündet worden sein. Die US-Armee macht El Kaida für den Anschlag verantwortlich.

Der erste Anschlag ereignete sich auf dem Al-Ghasi-Markt im Zentrum der irakischen Hauptstadt. Nur 20 Minuten später explodierte auf einem Geflügelmarkt im Südosten von Bagdad die zweite Bombe. Die Anschläge ereigneten sich kurz vor Beginn der islamischen Freitagsgebete.

Beliebter Treffpunkt wird zum Ziel

Mann in dunklem Anzug hält Rede hinter Podium eines Plenums. Im Hintergrund rechts von ihm eine Frau, links von ihm ein Mann ebenfalls in Anzügen (Quelle: AP)

Erst am Montag lobte Präsident Bush in seiner State of the Union-Rede ein Abklingen der Gewalt im Irak

Die neuen Anschläge sind die schwersten seit Monaten in der irakischen Hauptstadt. Zuletzt war dort ein Rückgang der Gewalt verzeichnet worden. Zum Teil wurde dies auf eine Aufstockung der US-Truppen zurückgeführt, zum Teil darauf, dass einige sunnitische Gruppen die Zusammenarbeit mit extremistischen Aufständischen aufgekündigt hatten.

Der Ghasil-Markt gehört zu den beliebtesten Treffpunkten Bagdads. Jeden Freitag strömen Hunderte Menschen an die Stände, an denen Hunde, Affen und Papageien, Tauben und Tropenfische angeboten werden. Im vergangenen Jahr hat es mindestens drei Anschläge auf den Markt gegeben – jedoch bisher mit weniger Todesopfern: Ende November starben 13 Menschen bei der Detonation einer Bombe, die ebenfalls in einer Vogelkiste versteckt war.

USA hoffen auf verlängerte Waffenruhe

Soldaten laufen in einer Reihe am Rand einer Wasserlache in der sich das Gegenlicht spiegelt (Quelle: AP)

Eine Aufstockung der US-Truppenzahl im vergangenen Jahr sollte die Gewalt eindämmen helfen

Unterdessen setzen die USA darauf, dass die Miliz des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr ihre Waffenruhe verlängert. "Ich denke, er wird dies wohl tun", sagte der US-Generalstabschef der internationalen Truppen im Irak, Joseph Anderson, am Freitag. Dass Sadr seiner Miliz im August angewiesen habe, die Waffen sechs Monate lang ruhen zu lassen, habe die Sicherheitslage deutlich verbessert. "Wir hoffen, dass die Waffenruhe in Kraft bleibt." (rri)

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