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Aktuell Asien

Massaker am Nanga Parbat

Islamisten haben im Norden Pakistans neun ausländische Touristen und ihren einheimischen Führer erschossen. Der Überfall ereignete sich in der Nähe des Nanga Parbat. Bislang galt die Region als sicher

Die ausländischen Bergsteiger hatten das Basislager am Nanga Parbat im Norden Pakistans erst am Samstagabend erreicht. Monatelang müssen sich die Männer auf den extrem schwierigen Aufstieg auf den neunthöchsten Berg vorbereitet haben, der schon viele Alpinisten das Leben kostete. Womit die Expeditionsteilnehmer nicht rechnen konnten: Nicht vom Berg ging tödliche Gefahr aus, sondern von den pakistanischen Taliban.

Getarnt als Grenztruppe

Kurz nach Mitternacht am Sonntag drangen Taliban-Kämpfer in das Basislager ein. Zur Tarnung trugen die Angreifer Uniformen der Grenztruppen. Möglicherweise schliefen die ahnungslosen Touristen, als sie in ihren Zelten ermordet wurden. Vier Ukrainer, drei
Chinesen, ein Russe, ein Litauer und ein nepalesischer Sherpa starben, wie die Polizei mitteilte. Außerdem wurde ein pakistanischer Koch getötet. Einem chinesischen Bergsteiger gelang die Flucht.

Helikopter der pakistanischen Armee am Gilgit Airport, Foto: EPA

Militärpräsenz erst nach der Bluttat - ein Armeehubschrauber in Gilgit-Baltistan

Wenige Stunden später bekannte sich die Dachorganisation der pakistanischen Taliban (TTP) zu dem Massaker im Hochgebirge. Die bizarre Begründung: Mit dem Angriff nehme man Rache für einen Drohnenangriff der USA.

Bislang galt Gilgit-Baltistan als sicher

Pakistan, wo in einigen Regionen spektakulär schöne Landschaften zu bestaunen sind, ist noch nie ein prominentes Urlaubsziel gewesen. Seit die Taliban das Land mit Terror überziehen, kommt allerdings fast überhaupt niemand mehr. Das Auswärtige Amt hat eine "Teilreisewarnung" erlassen, in der vor Reisen in bestimmte Gegenden des Landes gewarnt wird. Die Region Gilgit-Baltistan - in der die Taliban nun das Blutbad anrichteten - gehörte bislang nicht dazu. Dort kam es zwar zu Konflikten zwischen Sunniten und Schiiten, aber nicht zu Angriffen auf Ausländer.

Gilgit-Baltistan war die letzte Gegend in Pakistan, in die überhaupt noch ausländische Touristen reisten. Nach Angaben des pakistanischen Alpinclubs fanden dort im vergangenen Jahr knapp 90 internationale Expeditionen mit durchschnittlich sieben bis acht Teilnehmern statt, die meisten davon aus Europa.

Ist Premier Sharif machtlos?

Das Massaker ist auch ein Schlag ins Gesicht des neuen Premierministers Nawaz Sharif, der sich im Wahlkampf für Verhandlungen mit den Taliban und gegen US-Drohnenangriffe ausgesprochen hatte. Sharifs Reaktion auf das Blutbad wirkt hilflos: "Wir unternehmen alles, um Pakistan für Touristen sicher zu machen", heißt es in seiner Stellungnahme.

Dessen Regierung kann jedoch selbst die Sicherheit der eigenen Bevölkerung nicht garantieren. Seit Sharifs Amtsübernahme zu Monatsbeginn haben die Taliban eine ganze Reihe von Anschlägen und Angriffen verübt, bei denen zahlreiche Pakistaner getötet wurden.

haz/sti (afp,rtr)