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Wirtschaft

Maschinenbauer setzen auf Medizin und Asien

Die Metallverarbeitungsmesse METAV ist ein Gradmesser für die Stimmung in der Branche. Die Hersteller tun alles, um die noch nicht ausgestandene Krise zu überwinden und für die Zeit danach gut ausgerüstet zu sein.

Ein riesiges Zahnrad mit einer lächelnden Frau (Foto: Messe Düsseldorf)

Solche riesigen Zahnräder sind auf der METAV zu sehen und zu kaufen

Mit einem dumpfen Ton sägen die scharfen, kreisrunden Messer an dem Metallstück, Späne fliegen nach rechts und links. Hier läuft alles automatisch, auch die Werkzeuge wechselt die Maschine selbständig. Klaus Winkler, Chef des Maschinenbauers Heller, steht daneben. Während seine Maschine reibungslos funktioniert, lief es für sein Unternehmen im vergangenen Jahr längst nicht so problemlos.

Aufträge sind stark zurückgegangen

Die Wirtschaftskrise schlägt erst jetzt richtig auf Heller durch. "Von der Auftragserteilung bis zur Lieferung an den Kunden brauchen wir etwa neun Monate. Deshalb haben wir 2009 noch sehr von Aufträgen der guten Jahre davor gelebt", sagt Klaus Winkler. Dann sind die Aufträge stark zurückgegangen. "Wir haben uns schon manchmal gefragt, wie wir denn weiter machen wollen und wie wir uns auf ein beschäftigungsschwaches Jahr 2010 einstellen sollen."

Ein von Studenten gebauter Rennwagen (Foto: Messe Düsseldorf)

Studenten haben diesen Rennwagen gebaut - die Messe soll auch junge Menschen für technische Berufe begeistern

Auf diese Fragen musste Klaus Winkler Antworten finden. Seine Beschäftigten arbeiten kürzer, die Firma stellt nach wie vor niemanden ein. In der Krise setzt Klaus Winkler mehr denn je auf Asien. "Wir haben im vergangenen Jahr etwa 40 Prozent unserer Aufträge in China geholt. Das Jahr zuvor waren es noch weniger als 20 Prozent. Das hat dazu beigetragen, die Rückgänge in anderen angestammten Märkten auszugleichen."

Der Blick geht nach Fernost

Traditionelle Zielländer wie Deutschland und die USA werden nicht mehr so gewinnbringend sein, in Asien wachsen die Märkte dagegen rasant. Darauf stellt Klaus Winkler das Unternehmen ein. Heller hat bereits zwei Standorte in China und einen in Indien. So ist man näher an den dortigen Kunden. Auch aus Asien kommen die Aufträge an die deutschen Maschinenhersteller, allerdings nur, wenn neue, moderne Produkte im Angebot sind.

Die Krise hat den Unternehmern so gesehen Zeit gegeben, sich um Innovationen Gedanken zu machen. Und die bringen jetzt große Vorteile, sagt Rüdiger Kapitza, Chef des größten deutschen Metallverarbeiters Gildemeister. "Nach dem Abschwung haben wir die Talsohle erreicht. Jetzt geht’s langsam wieder bergauf, und was kauft man da? Natürlich innovative, moderne Maschinen und keine alten Hüte." Dank der Innovationen ist das Unternehmen startklar, sobald es den Kunden wieder etwas besser geht.

In der Medizintechnik neue Kunden gefunden

Bevor ein medizintechnisches Produkt entsteht, lässt sich der komplette Produktionsprozess virtuell durchlaufen (Foto: Siemens AG)

Bevor ein medizintechnisches Produkt entsteht, lässt sich der komplette Produktionsprozess virtuell durchlaufen

Wie noch mehr von der Fertigungsindustrie in Zukunft aussehen könnte, zeigt die Sonderschau "Metal meets Medical". Hier präsentieren die Hersteller, was sie für Kunden aus der Medizintechnik zu bieten haben. Zum Beispiel die Schleifmaschine von der Firma Schütte.

Sie stellt ein künstliches Kniegelenk her, erklärt Ingenieur Bernd Heuchemer. "Das hier ist eine komplette Verfahrenskette. Die Maschine erfasst die Geometriedaten des Menschen. Die gibt man dann in die Werkzeugmaschine; das Kniegelenk kommt komplett fertig da raus und wird direkt zur OP geliefert." Vorher brauchte man verschiedene Geräte von unterschiedlichen Herstellern, heute kann eine Maschine alles. Hier auf der Messe zeigt der Hersteller diese Werkzeugmaschine zum ersten Mal.

Unbeeindruckt von der Konjunktur

Fertigung von medizintechnischen Werkstücken (Foto: Messe Düsseldorf)

"Metal meets Medical" - Medizinbereich wird für Metallverarbeitungsbranche immer wichtiger

Die Medizintechnik ist attraktiv für die Branche, dort gibt es neue Kunden zu gewinnen. Und sie hat noch einen anderen, entscheidenden Vorteil. "Die Medizintechnik ist relativ krisenunabhängig", sagt Bernd Heuchemer. "Wir sehen hier einen stetigen Zuwachs, gerade in den westlichen Ländern. Denn die Menschen werden immer älter und wollen auch im Alter beweglich sein."

So könnten sich die Werkzeugmaschinenbauer auch von der stark gebeutelten Autoindustrie lösen, die einen großen Teil ihrer Kundschaft ausmacht. Rund 30 Prozent ihrer Umsätze hängen mit dem Fahrzeugbau zusammen.

Die Branche ist vorsichtig optimistisch

D�sseldorf Messe METAV (Foto: Messe Düsseldorf)

Große Nachfrage nach Werkzeugmaschinen lässt noch auf sich warten

Die Metallverarbeiter haben also viele Möglichkeiten, die Krise zu überstehen. Und sie wollen ihre Chancen nutzen, um mit nur einem blauen Auge davonzukommen. Beim Ausblick auf das Jahr 2010 ist Heller-Chef Claus Winkler vorsichtig. "Die Beschäftigung kommt nur langsam wieder in Gang. Wenn wir auf den Markt schauen, gibt das schon ein wenig mehr Grund für Optimismus. Wir wollen alles daran setzen, daraus auch neues Wachstum zu machen."

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, die Krise ist für die Branche keineswegs überstanden. "Die ist erst vorüber, wenn eine große Nachfrage an Werkzeugmaschinen da ist, und das wird’s dieses Jahr nicht geben", sagt Dieter Kollmar von der EMAG, einem Zusammenschluss mittelständischer Werkzeugmaschinenbauer: "Dieses Jahr wird noch verhalten investiert werden." 2010 heißt es also für die Werkzeugmaschinenbauern noch, Geduld zu üben. Erst 2011, sagt Dieter Kollmar, geht die Sonne wieder auf.

Autorin: Brigitta Moll
Redaktion: Zhang Danhong

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