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Wirtschaft

Maschinenbau setzt auf den Megatrend Energieeffizienz

Der Sturm der Krise zieht derzeit auch über die deutschen Maschinenbauer hinweg. Gerade in dieser Situation wollen sie sich fit machen für bessere Zeiten.

Arbeiter an einer Turbine.

Mit modernen Turbinen lässt sich eine Menge Energie sparen.

Elektromotoren schnurren zu Hunderttausenden in den Fabriken der Welt. Würden die auf den neuesten Stand gebracht, könnten pro Jahr 360 Millionen Tonnen CO2 gespart werden. Das ist immerhin so viel wie der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß von Belgien und den Niederlanden zusammen. Beispiele, wie sich die Produktionsabläufe insgesamt energiesparender und somit klimaschonender gestalten liessen, gibt es viele: Aufzüge, Brauereien, Kraftwerke, Pumpen, Schiffe, Traktoren, Ventilatoren – all dies lässt sich mit Technik ausrüsten, die beim Sparen hilft. Ein Traktor mit einem stufenlosen Getriebe braucht 10 Prozent weniger Kraftstoff. Werden die Pumpen in einem Fernwärmenetz optimiert, lassen sich bis zu 40 Prozent des Stroms sparen. Jährlich 1,3, Milliarden Euro an Betriebskosten ließen sich sparen, wenn die Versorgung von Gebäuden mit Wärme, Luft und Licht optimaler gesteuert würde.

Die Entdeckung der Sparsamkeit

Blick auf die Baustelle des sogenannten Klimahauses in Bremerhaven.

Blick auf die Baustelle des sogenannten Klimahauses in Bremerhaven.

Wilhelm von Haller von der Deutschen Bank nennt es "die Entdeckung der Sparsamkeit". Sparen und den Vorwärtsgang einlegen, "das ist das Motto des deutschen Maschinenbaus und das wird uns in den nächsten 20 Jahren beschäftigen." Der Umbau der Welt in anderes energetisches Systems werde uns 50, 100 Jahre beschäftigen. 200 Jahre habe es gebraucht, um das energetische System von heute auf die Beine zu stellen. "Der Umbau der wird spannend und hat begonnen und treibt überall Blüten.

Eine aktuelle Studie der Deutschen Bank verweist zum Beispiel auf den gigantischen Modernisierungsbedarf bei Kraftwerken rund um den Globus. In den kommenden 20 Jahren sei hier ein Investitionsbedarf von 12 Billionen US-Dollar zu erwarten. Von diesem Kuchen könnten die deutschen Maschinenbauer ein großes Stück abbekommen. Und daher erwartet die Sparte auch im kommenden Jahr einen Zuwachs von 15 Prozent – trotz weltweiter Rezession.

"Jetzt nicht die Schotten dichtmachen!"

Es kommt jetzt vor allem darauf an, die Krise als Chance zu begreifen – so sieht es Manfred Wittenstein, selbst Chef eines mittelständischen Weltmarktführers und zugleich Präsident des Verbandes der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Man würde ja nicht aufhören, Produkte zu entwickeln. Man müsse jetzt nur eben stärker fokussieren. "Was ist wichtig, was ist weniger wichtig. Wir müssen nicht alles machen." Kluge Unternehmen nähmen sich jetzt in der Krise die Zeit, darüber nachzudenken, wie es weiter geht. "Sie machen jetzt nicht überall die Schotten dicht, weil das natürlich katastrophal wäre."

Rauchende Kühltürme eines Kraftwerkes.

Bei Kraftwerken gibt es einen gigantischen Investitionsbedarf.

Auf "Greentech" verstehen sich die deutschen Anbieter – seit Jahren schon bieten sie Lösungen an, die hohen Anforderungen in Sachen Umweltschutz gerecht werden. Gebäudetechnik, energiesparende Geräte und Produktionsprozesse – die Deutschen haben damit einen Weltmarktanteil von 10 Prozent. Wittenstein sieht hier einen gigantischen Wachstumsmarkt – nach Zahlen der Unternehmensberatung Roland Berger liegt er bis 2020 bei rund 900 Milliarden Euro. Deutsche-Bank-Experte Wilhelm von Haller sieht für die deutschen Anbieter große Chancen. "Ohne die deutschen Maschinenanlagenbauer wird dieser Umbau, und zwar weltweit, nicht in dem Maße gelingen, wie wir es notwendig haben."

Vernetzung als Standortvorteil

Notwendig, weil Energie immer teurer und Ressourcen immer knapper werden. Aus weniger mehr machen – und dadurch den alten Widerspruch von Ökonomie und Ökologie auflösen. So sehen sich die Maschinenbauer auf dem Weg zur Umweltbranche. Was aber macht den Verbandschef Wittenstein so sicher, dass die deutschen Anbieter bei diesem weltweiten Wettbewerb an der Spitze stehen werden?

Die Antwort kommt prompt: Man habe eben ein sehr dichtes und komplexes Netzwerk an unterschiedlichsten Technologien. "Diese Netzwerkfähigkeit und Komplexität finden Sie hier nur am deutschen Standort." Wer sich schneller wandele, der habe die besten Chancen. "Und ich glaube, dass wir auf Grund dieser Situation die Chance haben uns schneller zu wandeln als andere Nationen, die eben nicht diese Netzwerke haben, die nicht so tief vernetzt sind in Wissenschaft und Wirtschaft."

So könnte der deutsche Maschinenbau zu einer Art Hoffnungsträger werden für die Zeit nach dem Öl. Freilich muss er sich in sehr stürmischen Zeiten fit machen für diese Herausforderung. Die Aufgaben indes sind gewaltig. Gerade mal 12 Prozent aller Elektromotoren in den Fabriken Europas sind elektronisch gesteuert. Oder andersrum: 88 Prozent der Antriebe verschleudern Energie.

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