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Marzipan – einfach unwiderstehlich!

Wenn etwas zur Hälfte aus Kohlehydraten und zu einem Drittel aus Fett besteht, dann können wir einfach nicht mehr aufhören mit dem Essen. Das gilt für Kartoffelchips oder Schokolade – und natürlich auch für Marzipan.

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Marzipan – einfach unwiderstehlich

Bevor wir uns der kalorienreichen Süßigkeit widmen, klären wir zunächst mal die Herkunft des ungewöhnlichen Wortes: Es gibt verschiedene Deutungen, bei denen einem der Kopf schwirren kann. So umstritten wie die Tatsache, wer Marzipan denn jetzt erfunden hat, ist auch die Herleitung des Begriffs.

Woher kommt der Begriff? Aus Europa …

Für die einen stammt das Wort aus dem Lateinischen: marci panis, übersetzt das „Brot des heiligen Marcus“. Es könnte aber auch vom persischen Wort marzabān beziehungsweise märzäpan stammen. Die Spanier meinen, ihr Wort mazapan wäre eine Abkürzung von massa de pan, was soviel wie Brotteig heißt.

Ein Marzipanbrot und Marzipankaroffeln liegen auf einem Tisch

Heißbegehrt: Marzipanbrot und Marzipankaroffeln

Sicher dürfte sein, dass das Wort im 16. Jahrhundert aus dem Italienischen entlehnt wurde. Dort hieß es noch marzapane. Seinen Ursprung hat das Wort wohl in den italienischen Regionen Sizilien und Neapel sowie der damals noch zu Italien gehörenden Provence. Dort bedeutete der latinisierte Begriff massapanum „Schachtel“ beziehungsweise „Schmuckkästchen“, denn in Holzschachteln wurde der Marzipanteig aufbewahrt.

… oder doch dem Orient?

Allerdings existiert auch im Arabischen ein ähnlich klingendes Wort: martabān. Es stand für ein Porzellangefäß, in dem kandierte Früchte, Gewürze und andere Lebensmittel aufbewahrt wurden. Und diese Gefäße wurden in der Stadt Martaban hergestellt, die heutzutage Mottama heißt und in Myanmar liegt.

Irgendwann hießen dann die Krüge wie die Stadt und die Gewürze wie die Krüge, in denen sie aufbewahrt wurden, und dann vielleicht im späten Mittelalter die Süßspeisen, in denen diese Gewürze steckten, wie die Gewürze und die Krüge und die Stadt oder wie auch immer.

Wer hat’s erfunden?

Marzipanrohmasse und und Mandeln

Zum Endprodukt fehlen noch Gewürze und Rosenwasser

Ja, und heißt es nun „der Marzipan“ oder „das Marzipan“? Wie bei der Wortherkunft legt sich die deutsche Sprache da nicht richtig fest. Der Duden lässt beide Artikel zu. Klar geregelt ist dagegen die Herstellung von Marzipan. Man braucht dazu gemahlene Mandeln und Zucker. Daraus knetet man die Marzipanrohmasse. Die wird anschließend mit Puderzucker und Gewürzen zum fertigen Marzipan verarbeitet. Rosenwasser darf hinein, ist aber nicht zwingend vorgeschrieben.

Darüber, wer’s erfunden hat, gibt’s dann schon wieder Streit. Höchstwahrscheinlich stammt Marzipan aus dem Orient, aus Persien oder Arabien. Von dort fand es im Mittelalter mit den Kaufleuten nach Europa. Hier war es eine beliebte Süßigkeit wohlhabender Bürger.

Marzipan: Ergebnis einer Hungersnot?

In einem Laden mit lauter Marzipanprodukten sitzt mittendrin der Dino Manedelino

Im Lübecker Traditionsgeschäft Niederegger ist selbst der Dino aus Marzipan

In Lübeck, der deutschen Marzipanstadt schlechthin, sieht man das natürlich ganz anders. Dort herrschte im Jahre 1407 eine Hungersnot. Komischerweise gab es in der Stadt nichts anderes mehr zu essen als Mandeln und Zucker, und natürlich wurde so das Marzipan erfunden.

Dumm nur, dass genau dieselbe Geschichte, also Hungersnot, nur noch Mandeln und Zucker, erfinderische Bäcker und so, genau zwei Jahre später in Königsberg passiert sein soll. Die damalige Hansestadt Reval, heute Tallinn in Estland, reklamiert die Erfindung des Marzipans ebenfalls für sich.

Segensreiches Marzipan

Glücksschwein aus Marzipan mit Zylinder und Kleeblatt

Glücksschweinchen aus Marzipan sind beliebte Silvestermitbringsel

Da es in Apotheken hergestellt wurde, lag es nahe, dem Marzipan gleich noch ein paar heilende Wirkungen anzudichten. Es war gut gegen Blähungen, Verstopfungen und als Potenzmittel. Das glaubt heute wohl niemand mehr, aber Glück bringt es schon. Vor allem zu Silvester sind hierzulande Marzipan-Glücksschweine sehr beliebt.

Das liegt weniger am Marzipan selbst, als an der Tatsache, dass sich mit dieser Masse wunderbar modellieren lässt. Seit der Barockzeit werden aus Marzipan höchst kunstvolle Figuren und Verzierungen hergestellt: von der einfachen Marzipankartoffel, die auf keinem bunten Teller zu Weihnachten fehlen darf, bis zu aufwendigen Reliefs auf Jubiläums- und Hochzeitstorten.

Kein Weihnachten ohne Marzipan

In vielen typischen Weihnachtssüßigkeiten ist Marzipan ein wichtiger Bestandteil. Die Kokosmakrone wäre ohne eingearbeitete Marzipanrohmasse eine wahrlich trockene Angelegenheit. Ebenso ist in vielen Lebkuchen – neben diversen Gewürzen – Marzipan enthalten. Auch die äußerst beliebten Dominosteine werden über Lebkuchenboden und Fruchtgelee von einem Marzipandeckel gekrönt.

Zwar ist es unter den Verehrern des Christstollens umstritten, ob hier überhaupt mit Marzipan gearbeitet werden darf. Jedoch hat schon so mancher zu trockengeratene Stollen durch seine Marzipanfüllung entscheidend gewonnen.

Marzipan light: Notpralinen und Nakapan

Dominosteine liegen neben Zimtstangen

Marzipan für den schmalen Geldbeutel: Dominosteine

Zurück zu den Dominosteinen. Die wurden im Jahr 1936 in Dresden kreiert, und zwar von einem Konditor, der auch für Menschen mit schmalerem Geldbeutel Pralinen anbieten wollte. Wahrscheinlich hat er bei den von ihm selbst so genannten „Notpralinen“ damals auch schon statt Marzipan das preiswertere Persipan verwendet. Das wurde erfunden, um Geld zu sparen. Mandeln sind teuer, die fürs Persipan verwendeten Aprikosen- oder Pfirsichkerne kosten weniger und schmecken, naja, ähnlich.

Pfirsich heißt im lateinischen „persicus“. Von diesem Wort leitet sich das Wort „Persipan“ ab. Doch auch Aprikosenkerne können knapp werden – und so ist Persipan heute kaum noch preiswerter zu haben als das Original und gilt selbst schon wieder als Spezialität. Wer weder Mandeln noch Aprikosenkerne hatte, aber auf sein Marzipan nicht verzichten wollte, musste sich anders behelfen. In der früheren DDR gab es Resipan mit Maismehl, oder wenn auch das nicht vorhanden war, Nakapan aus Kartoffelmehl.

Kein Weihnachtsteller ohne Marzipanbrot

Ein Teller mit Weihnachtsgebäck

Was fehlt auf diesem Weihnachtsteller wohl?

Die Zeiten der Rohstoffknappheit sind vorbei. Deshalb hier noch ein kurzes Plädoyer für das Marzipanbrot: Diese Urform des Marzipans ist sozusagen der pure Stoff! Zumindest war das in meiner Kindheit so: Ein guter Weihnachtsteller von guten Eltern enthielt mindestens eines dieser Marzipanbrote.

Und wenn die Weihnachtslieder dann gesungen und die Geschenke ausgepackt waren, man anstandshalber erst mal ein paar trockene Kekse und eine Mandarine verspeist hatte – denn wir wussten ja, was sich gehört –, dann ging es ran an das Herzstück des bunten Tellers: das Ende der Plastikfolie aufdrehen, das Papier vorsichtig herunterziehen, einmal kurz den Duft von Mandeln und Schokolade einatmen. Und dann, ja dann, endlich herzhaft hineinbeißen in die köstlichste aller Süßigkeiten!

Ein Post Scriptum …

In diesem Sinne: gesegnete und süße Weihnachten! … P.S.: Es soll auch Menschen geben, die Marzipan einfach nicht mögen. Doch die kommen in diesem Text leider nicht vor.



Arbeitsauftrag
Mögt ihr Marzipan oder nicht? Schreibt entweder eine kurze Liebeserklärung an das Marzipan – oder wenn ihr es nicht mögt – eine kleine Geschichte, die eure Abneigung deutlich macht.

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