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Fokus Osteuropa

Martti Ahtisaari: Diplomat mit Balkan-Erfahrung

Martti Ahtisaari ist zum internationalen Verhandlungsführer für die Kosovo-Statusgespräche ernannt worden. Der ehemalige Präsident Finnlands gehört zur ersten Riege der internationalen Krisenvermittler. Ein Portrait.

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Neue Herausforderungen für Ahtisaari im Kosovo

Martti Ahtisaari ist leidenschaftlicher Angler, und das nicht nur in seiner Freizeit mit Sohn Marko. Auch in den internationalen "Krisen-Teich" hält er gerne seine Angel. Und dann und wann zieht er einen großen Fisch aus dem Wasser - zum Beispiel die gerade beginnenden Verhandlungen über den endgültigen Status des Kosovo.

Diplomatische Karriere

Der gemütliche 130 Kilogramm schwere Finne strahlt eine innere Ruhe aus, die ihn zu einem international gefragten Zuhörer und Vermittler gemacht hat. Bereits als 22-Jährigen zog es ihn nach Karatschi, wo er an einem schwedisch-pakistanischen Institut für Technologie lehrte. Sechs Jahre später wurde er als Sekretär für internationale Entwicklungsarbeit ins finnische Außenministerium geholt. Dann begann seine diplomatische Karriere: Ahtisaari wurde jüngster finnischer Diplomat und Botschafter in Tansania.

Seinen ersten spektakulären Auftritt auf der internationalen Bühne hatte er wenig später in Namibia. Ende der 1970-er Jahre ernannte der damalige UN-Generalsekretär Kurt Waldheim ihn zum Sonderbeauftragten. Ahtisaari gelang es, den Übergang Namibias in die Unabhängigkeit ohne Blutvergießen zu organisieren.

Den Höhepunkt seiner politischen Karriere in Finnland erreichte er 1994: Ahtisaari wurde zum Staatspräsidenten gewählt. Aber seine Leidenschaft für internationale Themen wollte er nicht aufgeben. Während die Finnen über das Reisefieber ihres Präsidenten murrten, wuchs sein Ansehen als Vermittler im Ausland.

Engagement weltweit

Seit Anfang der 1990-er Jahre beschäftigte sich Ahtisaari mit der Krise im zerfallenden Jugoslawien. Er wurde zum Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs für Bosnien-Herzegowina ernannt. Durch sein Engagement sammelte er wichtige Erfahrungen und Kontakte, die ihm schließlich auch bei den Verhandlungen im Kosovo-Krieg 1999 nützlich waren. Ahtisaari hatte großen Anteil daran, dass Jugoslawiens Präsident Slobodan Milosevic schließlich dem Abzug von Polizei- und Militär aus dem Kosovo zustimmte und die NATO-Luftangriffe beendet wurden.

Seitdem war Ahtisaari ständig in Aktion: Mal vermittelte er im innereuropäischen Streit um Sanktionen gegen die Rechtspopulisten in Österreich, mal überwachte er als neutraler Beobachter die Entwaffnung der IRA in Nordirland. Und er vermittelte erfolgreich in Indonesien: Nach der Tsunami-Katastrophe im Dezember letzten Jahres erreichte Ahtisaari im Sommer ein Friedensabkommen zwischen der indonesischen Regierung und den separatistischen Rebellen in Aceh.

Verzicht auf politische Ämter

Auf eine zweite Amtszeit als finnischer Präsident verzichtete Ahtisaari, setzte sich aber nicht einfach zur Ruhe - sondern gründete die "International Crisis Group" (ICG): ein weltweit angesehenes Krisenforschungsinstitut und ein gut funktionierendes Werkzeug, auf das Ahtisaari zum Beispiel bei den Vermittlungen in Indonesien zurückgreifen konnte. Er nutzt die ICG als Informationsquelle - was im Fall Kosovo Anlass für Kritik ist: Das Institut hat hierzu bereits im Vorfeld der Verhandlungen klar Position bezogen. Es forderte eine bedingte Unabhängigkeit, die auch mit einer einseitigen Anerkennung durch die USA und die EU umgesetzt werden könnte - notfalls auch gegen den Willen Russlands und Chinas.

Dennoch gilt der finnische Politiker als eine Art diplomatische Wunderwaffe. Wenn für schwierige internationale Missionen Vermittler gesucht werden, fällt immer wieder sein Name. Ebenso wie bei den Nominierungen für den Friedensnobelpreis, für den es allerdings bisher noch nicht gereicht hat. Doch als passionierter Angler hat Ahtisaari vor allem eins gelernt: Geduld.

Maik Meuser
DW-RADIO, 15.11.2005, Fokus Ost-Südost