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Afrika

Marokkos Berber-TV geht auf Sendung

Marokkos Berber, die sich selbst Amazigh nennen, sind eine der größten und ältesten Bevölkerungsgruppen. Aber es hat lange gedauert bis sie einen Fernsehsender in ihrer Sprache bekamen. Nun geht "Tamazight" auf Sendung.

Junge Frau vom Berbervolk Sahroui in Marokko ©Joelle Vassort/MAXPPP Tan Tan, 17/09/2005

Angehörige des Berbervolkes Sahroui in Marokko

Rotlicht für die erste Sendung von Tamazight – Marokkos neuem Fernsehkanal in der Sprache der Berber. Ab sofort ist Tamazight on air - sechs Stunden von Montag bis Freitag, und zehn am Wochenende. Auf dem Programmplan steht alles, was das Leben in Marokko zu bieten hat – Politik, Kultur, Sport, Religion. Präsentiert eben nicht auf Arabisch oder Französisch – sondern in Amazigh. "Marokko hatte diesen Sender wirklich nötig", sagt Nadja Souissi. Sie moderiert die Nachrichten und den Sport. Denn die Berber machten fast 70 Prozent der Bevölkerung aus.

Viele Programme kann der neue Kanal vom staatlich-nationalen Rundfunk SNRT übernehmen und mit neuen Sprachaufnahmen

Berber im marokkanischen Atlasgebirge (Foto: AP)

Berber im marokkanischen Atlasgebirge

versehen. Monatelang hat Programmdirektor Mohamed Mamad aber auch eigene Sendungen entwickeln lassen - darunter ein Nachrichtenmagazin, eine Talkshow, die Wettervorhersage - und Werbespots. Alle Sendungen auf Amazigh, rund 70 Prozent des Programms, sind arabisch untertitelt. Der Berberkanal strahlt aber auch Sendungen auf Arabisch aus - mit Amazigh-Untertiteln. "Wir sind kein Exklusiv-Sender, sondern wollen für alle Marokkaner da sein", erklärt Mohamed Mamad. Deswegen hätte er bei der Auswahl der Redakteure auch darauf geachtet, ein ausgewogenes Team zusammenstellen, in dem sich die Dialekte wiederfinden, in dem die Kultur der ganzen Nation vertreten ist.

Es ist ein Traum vieler Berber, der auf dem Fernsehschirm Wirklichkeit wird. Zwar gibt es schon seit über 70 Jahren Radio in ihrer Sprache, aber das konnte seinen folkloristischen Charakter nie loswerden. Das Arabische gewann immer mehr an Einfluß. Erst König Mohammed VI. hauchte der Pflege der Berberkultur neues Leben ein. Vor zehn Jahren gründete er ein königliches Amazigh-Institut – und eine Komission zur Planung eines TV-Senders. Herausgekommen ist Tamazight. Ausgestattet mit einem wahrhaft königlichen Budget und modernster digitaler Technik können die Programm-Macher auf die gesamte Infrastruktur des Mutterhauses SNRT zurückgreifen: Das Ergebnis könne sich auch gesellschaftspolitisch sehen lassen, schwärmt Programmdirektor Mamad. "Dass Marokko nun einen solchen Kanal hat, spiegelt die Entwicklung des Landes wider. Nur eine intakte Gesellschaft kann ihre Vielseitigkeit dermaßen selbstbewußt unterstreichen. Dieser Sender fördert Marokkos Demokratisierung und die nationale Identität!"

Und natürlich fördert er auch Marokkos Wahrnehmung in aller Welt – immerhin ist er über die Satelliten Hotbird und Nilesat empfangbar. Neben den anderen Programmen von SNRT stellt auch Tamazight das Königreich so dar, wie es gern gesehen werden will. So – und nicht anders. Nur eben in der Berbersprache.

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Klaudia Pape