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Nahost/Nordafrika

Marokko: Starke Regionen durch starke Lokalmedien

Marokko will seine Regionen stärken - so sieht es die 2011 verabschiedete Verfassung vor. Den lokalen Medien fällt dabei eine besondere Rolle zu. Daher unterstützt die DW Akademie hier insbesondere Regionalradios.

Die Journalisten Hanane Azzouz und Sabri El Hammaoui (rechts) sammeln O-Töne für einen Vox Pop (Foto: DW Akademie).

Hanane Azzouz und Sabri El Hammaoui (rechts) von Cap Radio bei einer Straßenumfrage

"Bleiben Sie dran bei Cap Radio! Das Thema am Donnerstag: Die Erwartungen der jungen Wähler in der Region", verkündet ein Ansager auf Arabisch das kommende Radioprogramm. Noch sind es zwei Tage bis zur Sendung. Der Chef vom Dienst rennt hektisch durch die Redaktion, der Drucker streikt. Das Interview-Team sucht das Aufnahmegerät. Feierabend macht an diesem Dienstagabend in der Radioredaktion in Tanger, der Stadt am Nordzipfel des Landes, so schnell keiner.

Kurz vor der Sendung wird noch schnell der aktualisierte Sendeablauf ausgedrückt (Foto: DW Akademie).

Hektik kurz vor Sendung

Zum ersten Mal seit Verabschiedung der neuen Verfassung 2011 fanden im Herbst dieses Jahres landesweite Kommunal- und Regionalwahlen statt. An drei Wahlterminen im September und Oktober wurden in den zwölf Regionen Marokkos erstmalig Gemeinderäte, Regionalräte und die zweite Kammer des Parlaments direkt gewählt. Für den Demokratisierungsprozess in Marokko haben die Regionalwahlen eine besondere Bedeutung.

Als 2011 der Arabische Frühling auch in Marokko immer mehr Menschen auf die Straße brachte, versprach König Mohammed VI Reformen. Ein wichtiger Bestandteil dabei ist das Dezentralisierungsprogramm. Der Hintergrund: Der städtischen und industrialisierten Zone von Rabat-Salé und Casablanca sowie Städte wie Fez, Marrakesch und Agadir stehen die ländlichen Regionen gegenüber. Hier ist die Infrastruktur oft wenig entwickelt, die Arbeitslosigkeit und Analphabetenrate hoch-gerade für junge Erwachsene gibt es hier wenig Perspektiven.

Mehr Demokratie dank Zugang zu Informationen

Die Cap Radio Journalisten Soufiane Boulaid und Hanane Azzouz (rechts) begrüßen ihre Gäste im Studio (Foto: DW Akademie)

Studiotalk bei Cap Radio

Das Reformprogramm soll unter anderem die Regionen und Gemeinden mit größerer administrativer und finanzieller Autonomie ausstatten. Die Bürger wiederum sollen durch transparentere politische Prozesse und bessere Partizipationsmöglichkeiten profitieren. Doch wie bringt man die Bevölkerung, die sich über Jahrzehnte zu wenig beachtet und unterstützt gefühlt hat, nun dazu, plötzlich an dem öffentlichen Diskurs teilzunehmen und von ihren politischen Rechten Gebrauch zu machen? Hier tragen die lokalen Medien wie Cap Radio aus Tanger eine besondere Verantwortung.

"Regionen stärken bedeutet auch, der lokalen Bevölkerung besseren Zugang zu Informationen zu verschaffen", sagt Trainerin Charlotte Noblet. Seit 2011 ist die DW Akademie in Marokko aktiv. Seit 2015 arbeitet sie mit Cap Radio zusammen. Der Privatsender sendet hauptsächlich im Norden Marokkos auf Arabisch und Tarifit, einer regionalen Berbersprache. In dem Land, das laut UNESCO eine Analphabetenquote von rund 33 Prozent verzeichnet, spielen Radiosendungen gerade in den ländlichen Regionen eine wichtige Rolle.

Mitspracherecht für Bevölkerung

Cap Radio Mitarbeiter Abdelhay Saidi erklärt seinen Kolleginnen wie das Schnittprogramm funktioniert (Foto: DW Akademie).

lhay Saidi erklärt das Audio-Schnittprogramm

Die Trainer und Berater der DW Akademie haben im Vorfeld eine Bestandsaufnahme der Regionalsender durchgeführt. Darauf aufbauend entwickelten sie einwöchige Journalisten- und Managementtrainings: Wie organisiert man eine Radioredaktion? Wie konzipiert man ein Radioprogramm? Wie führt man eine Meinungsumfrage durch?

"Es macht Spaß mit Cap Radio zu arbeiten", so Trainerin Noblet. "Die Kollegen nehmen unsere Trainingsinhalte gerne an und setzen sie direkt um." Ein Beispiel hierfür ist die Sondersendung "Nah am Bürger", anlässlich der Regionalwahlen. In der Sendung diskutieren zwei Moderatoren mit Studiogästen über die Erwartungen der Bürger an die Wahlen und ergänzen das Gespräch mit Reportagen und Meinungsumfragen.

"Cap Radio integriert auch die fern gelegenen Dörfer in seine Berichterstattung, die bisher von den großen Medienhäusern in Casablanca oder Rabat vernachlässigt wurden", erzählt Cap-Redakteurin Hamida El Jazi. Mit seinem Programm will der Sender der lokalen Bevölkerung vermitteln, wie Politik in ihrem Umfeld funktioniert und ihr Mitspracherecht stärken. Je mehr Menschen dieses Recht wahrnehmen, desto stärker werden die Regionen.

Nach der Sendung gibt es eine Feedback-Runde mit der Cap Radio Redaktion und den Gäste (Foto: DW Akademie).

Feedback-Runde mit der Redaktion und Gästen

Bei Cap Radio gilt es jetzt, weiter die Redaktionsabläufe und die Qualität der Berichterstattung zu verbessern. Im Dezember ist ein Training für Korrespondenten geplant. Ahmed Biyuzan, Korrespondent von Cap Radio in Tétouan, hat bereits an einem Workshop in der Zentrale von Cap Radio teilgenommen. "Was ich besonders mag, sind die ‘Clubs d'écoute‘ (Hörclubs): Wir hören unsere Beiträge und Sendungen gemeinsam an und geben uns Feedback", so Biyuzan. "Durch die Trainings hat sich die Zusammenarbeit zwischen der Redaktion und uns, den Korrespondenten in den Regionen, verbessert. C'est bien!"


Bei dem Projekt "Stärkung regionaler Berichterstattung" arbeitet die DW Akademie mit zwei lokalen Radiosendern bzw. -ketten in Marokko zusammen und ist derzeit in Tanger, Fez, Casablanca und Agadir aktiv. Im Dezember 2015 wird ein weiteres Training mit Cap Radio für Regionalkorrespondenten stattfinden. Finanziert wird das Langzeitprojekt vom Auswärtigen Amt.

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