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Afrika

Marokkaner wollen den Wandel

Erstmals seit Beginn der Massenproteste in der arabischen Welt haben auch in Marokko viele tausend Menschen demonstriert. Am "Tag der Würde" marschierten sie bis vor das Parlament und forderten demokratische Reformen.

Demonstrierende Marokkaner in Rabat am Tag der Würde (Foto: dpa)

Ruf nach Demokratie: Marokkaner demonstrieren am "Tag der Würde"

Auf dem Bab El Had, dem Platz vor der alten Stadtmauer von Rabat, treiben Studenten mit Megaphonen die Menge an. Fordern eine neue Verfassung, ein Ende von Korruption und Polizeiwillkür. "We want change" ist auf einem der vielen Stoffbanner zu lesen – "Das Volk will den Wandel". Den wollen sie alle, nicht nur die vielen jungen Arbeitslosen, die Gewerkschaften, die Frauengruppen. Den Wandel wollen auch ganz normale Familienväter wie Rachid El Aoui: "Demokratie – das ist das Wichtigste. Wir brauchen transparente Wahlen – und echte Volksvertreter, die sich für die Menschen verantwortlich fühlen, die sie gewählt haben."

Tag der Würde

Marokkanische Demonstranten sind mit Spruchbändern und Plakaten unterwegs, auf denen sie politische Reformen fordern (Foto: dpa)

Demonstranten in Rabat fordern eine Verfassungsreform

Wie zum Beweis für Marokkos politische Misere hält ein Demonstrant ein Pappschild mit Fotos von hohen Regierungsvertretern in die Luft – andere schlagen mit ihren Schuhsohlen darauf ein. Am so genannten "Tag der Würde" lassen auch die Marokkaner den Geist der Freiheit aus der Flasche – wie erwartet lautstark, aber nicht mit einem großen Knall. Und wie auch in anderen arabischen Ländern zuvor, sind die Aufrufe zum Protest über die Internet-Plattform Facebook gelaufen.

Dass auch radikale Islamisten auf den Protestzug aufspringen wollen, spielt für die Organisatoren an diesem Tag keine Rolle. Letzten Endes gehe es der Mehrheit der Marokkaner um Würde und Gerechtigkeit, sagt die Aktivistin Zineb El Rhazaoui. Sie ist froh und stolz, dass dieser Tag absolut friedlich über die Bühne geht. Es gebe nun einen Konsens in der marokkanischen Gesellschaft, sagt sie. "Wir wollen eine parlamentarische Monarchie. Und darüber hinaus verlangen wir unsere Grundrechte – eine unabhängige Justiz, Bildung, eine anständige Gesundheitsversorgung. Heute marschieren hier die Bürger Marokkos!"

Bleibt es bei einer Monarchie?

König Mohammed VI. von Marokko lässt sich auf den Straßen Rabats feiern (Foto: ap)

Hat erste Reformen angekündigt: König Mohammed VI. von Marokko

Wasser auf die Mühlen der Monarchie-Kritiker, die es schon lange stört, dass der König in einem Land mit frei gewähltem Parlament in allen wichtigen Fragen das letzte Wort hat und auch die Minister der Regierung bestimmt. Mit vielen Forderungen der Facebook-Bewegung kann sich auch Halima Achour anfreunden. Aber die junge Verkäuferin aus Medina ist überzeugte Royalistin: Mit tiefroter marokkanischer Fahne und einem gold eingerahmten Foto von König Mohamed VI. steht sie ziemlich allein und verloren in einem Hauseingang. Sie wolle keine neue Verfassung, erklärt die junge Frau mit Nachdruck. "Der König arbeitet hart für uns – er kann ja nicht zaubern. Schauen Sie sich um – Marokko hat sich doch gut entwickelt." Die Probleme Marokkos lägen im Parlament und in der Regierung, so Halima weiter: "Aber auf unseren König lasse ich nichts kommen – er ist der Beste!"

Garantie der Menschenrechte

König Mohamed VI. hat inzwischen Reformen angekündigt. Doch Belhaj Azui von der "Internet-Bewegung 20. Februar" glaubt nicht, dass die Bürger sich etwa mit einer Kabinettsumbildung abspeisen lassen werden. Stattdessen werde es weitere Demonstrationen geben. "Das hier war erst der Anfang. Wir wollen unsere Jasmin-Revolution. Wir wollen ein System, in dem die Menschenrechte garantiert sind – ob mit oder ohne König, ist nicht so wichtig", sagt Belhaj. Und wenn der König dafür einstehe, dass ein freies und demokratisches System eingeführt wird, dann seien alle Protestler auf seiner Seite. "Aber auch nur dann" – schiebt er noch nach. Aber erst, als das Mikrofon schon ausgeschaltet ist.

Autor: Alexander Göbel, Rabat

Redaktion: Stephanie Gebert

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