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Marmor, Stein und Eisen

Edelsteine kann man im Schmuckgeschäft kaufen. Den Stein der Weisen aber findet man nur durch Nachdenken – so wie Albert Einstein zum Beispiel. Ein weltberühmter Mann, doch steinreich ist auch er nicht geworden.

"Marmor, Stein und Eisen bricht,

aber unsere Liebe nicht.

Alles, alles geht vorbei,

doch wir sind uns treu."

Das sang 1965 Drafi Deutscher und schuf damit eine Schlagerlegende. Der erste Teil der Strophe wurde eine Art Glaubensbekenntnis für Verliebte, von manchen ernst gemeint, von anderen mit leicht ironischem Unterton benutzt – in wehmütiger Erinnerung an gute alte Zeiten. Steine stehen für Alter und Ausdauer, für Größe und für Härte, im direkten und übertragenen Sinn. Brot wird steinhart, wenn es zu alt ist, ein Herz aus Stein haben Menschen ohne Mitleid.

Mit einem Schlag steinreich

Die Miene des Pokerspielers versteinerte sich, als er sah, dass sein Gegner die besseren Karten auf den Tisch legte. Steinalt war der, mindestens 80 Jahre, aber im Kopf noch absolut fit. Der Einsatz war so hoch wie nie zuvor. Mit einem Schlag hätte er steinreich werden können. 150.000 Euro an einem Abend.

Stattdessen besaß er nun einen Haufen Schulden. Dabei hatte er seinem Freund aufrichtig versichert, dass er ihm das geliehene Geld heute Abend zurückzahlen würde – nach dem Spiel. Stein und Bein hatte er geschworen, dass der es zurückbekommen werde, so sicher war der Spieler gewesen.

Bis zum Steinerweichen

Seine Frau hatte geahnt, wie es kommen würde und noch versucht, ihn abzuhalten – vergeblich. Jetzt weinte sie zum Steinerweichen, weil alles, was sie in den letzten Jahren zusammengespart hatten – für die neue Wohnung, Urlaub und ein besseres Leben – verspielt war.

Auf dem Konto waren nur noch 50 Euro. Nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, denn die Miete musste ja noch bezahlt werden. Den Stein ins Rollen gebracht hatte übrigens eine Anzeige in der Zeitung: "Karten, die Ihr Glück bedeuten – reich in drei Tagen" hieß es dort.

Der Stein der Weisen

So hätte sich die Geschichte zutragen können. Aber natürlich auch ein bisschen anders. Der Pokerspieler könnte Aktienhändler sein und sich an der Börse verspekuliert haben oder ein Erfinder, der sein ganzes Geld in ein neues Experiment steckt, und beides – Geld und Wundermaschine – lösen sich dann im Labor in Luft auf.

Auf der Suche nach dem Stein der Weisen, der zündenden Idee, die Wohlstand, Glück oder Gesundheit bringt (am besten gleich alles zusammen) sind die Menschen schon seit der Steinzeit. Im Mittelalter, aus dem der Spruch stammt, suchten Alchimisten nach einem Wunderstein, der Metall in Gold verwandeln kann. Alchimisten gibt es heute nicht mehr, die Suche nach dem Stein der Weisen aber wird sich wohl ewig halten.

Von Edel-, Gallen- und Meilensteinen

Steine gibt es viele. Mineralogen kennen sich da aus und Schmuckhändler natürlich auch, wenn es um Edelsteine wie Smaragde und Diamanten geht. Für Gallensteine sind dagegen Mediziner zuständig, genauso wie für Zahnstein. In beiden Fällen handelt es sich zwar um Ablagerungen, aber weil die sehr hart sind, lag die Bezeichnung als Stein sehr nah. Ein Meilenstein der Wissenschaftsgeschichte war die Relativitätstheorie von Albert Einstein, dessen Name übrigens reiner Zufall ist. Aber das, was er herausfand, markierte für alle herausragend den Fortschritt der Physik.

Eben so, wie Reisende vor dreihundert Jahren am Meilenstein in Bonn wussten, dass sie von Stuttgart aus schon weit gefahren waren und die Stadttore Kölns bald auftauchen mussten, also fast nur noch einen Steinwurf entfernt lagen. Lange Strecken zur damaligen Zeit waren eine anstrengende Sache, egal ob in der Kutsche oder zu Fuß. Es ging meist über Stock und Stein, denn befestigte Straßen gab es kaum.

Einen Stein im Brett …

haben Menschen bei Freunden, denen sie einen großen Gefallen getan haben, zum Beispiel beim Umzug mit die Kartons schleppten oder in Notsituationen auch mal etwas Geld liehen. Weniger freundlich sind Zeitgenossen, die einem Steine in den Weg legen, was sehr unterschiedlich aussehen kann.

Zum Beispiel derart, dass der Bankangestellte einem den Kredit für die Super-Geschäftsidee nicht bewilligen will oder die böswillige Nachbarin durch ihr Gerede verhindert, dass man eine andere und bessere Wohnung bekommt.


Den ersten Stein werfen

Großen Anteil an der steinernen Sprichwortbildung hat die Heilige Schrift. Auch wenn dieser Einfluss der Bibel auf die Alltagssprache kaum jemandem bewusst ist. Kein Stein stand mehr auf dem anderen. Von solchen Anblicken ist die Rede, wenn Orte durch Naturkatastrophen oder Kriege zerstört wurden. Verkündet haben soll diese Zerstörung Jesus der Stadt Jerusalem.

Aufgeschrieben hat es auf jeden Fall Matthäus. "Wer da ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein" soll Jesus ausgerufen haben, als eine Sünderin gesteinigt werden sollte. Ohne Sünde schafft es niemand durchs Leben. Das wusste sicher auch Jesus, und die Sünderin wurde begnadigt.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen hat einen ganz ähnlichen Sinn, ist sprachgeschichtlich aber viel jünger und stammt nicht aus der Bibel. Auch unbiblisch – aber immer noch sehr beliebt – ist ein Spruch vom römischen Dichter Ovid: Steter Tropfen höhlt den Stein. Ovid ist heute weitgehend unbekannt, aber die Situation, dass zum Beispiel kleine Kinder so lange quengeln, bis sie endlich ihren Willen durchsetzen und Mama das Spielzeug oder Eis kauft, das sie haben wollen – die kennt jeder.

Fragen zum Text

Ein Herz aus Stein haben Menschen, die …

1. auch im Alter noch sehr sportlich sind.

2. kein Mitleid und Einfühlungsvermögen haben.

3. durch nichts zu erschüttern sind.

Wie heißt eine Idee, die Wohlstand, Glück und Gesundheit bringt?

1. Meilenstein

2. Edelstein

3. Stein der Weisen

Wenn jemand einem anderen Menschen einen Gefallen tut, …

1. hat er bei ihm einen Stein im Brett.

2. legt er ihm Steine in den Weg.

3. wirft er den ersten Stein.

Arbeitsauftrag

In welcher Situation würden Sie das Sprichwort anwenden "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen"? Formulieren Sie ein Beispiel (ungefähr zehn Zeilen) und erklären Sie damit den Sinn dieses Sprichwortes.

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