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Sport

Marlies Göhr - die erste deutsche Leichtathletik-Weltmeisterin

Die Jenaerin Marlies Göhr war in den 1970er und 80er Jahren eine der schnellsten Sprinterinnen weltweit. Dass ihre Rekorde aber wohl nicht ohne Doping zustande gekommen sind, will die heute 51-Jährige nicht wahrhaben.

Marlies Göhr bei der Leichtathletik WM 1983

Marlies Göhr nach ihrem WM-Sieg 83

Fragt man Marlies Göhr aus Jena nach dem schönsten Tag ihrer Karriere, dann nennt sie den 1. Juli 1977. Bei den DDR-Meisterschaften im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion lief sie als 19-Jährige in 10,88 Sekunden als erste Frau der Welt die 100 Meter unter elf Sekunden.

Heute erinnert sie sich, dass der Tag perfekt war für einen Rekord: "Im Sprint gehört viel dazu: du brauchst Rückenwind, warmes Wetter, starke Konkurrenz, und all das war damals der Fall gewesen. Viele sagten danach, dass das eine Eintagsfliege war, dass ich unter elf Sekunden gelaufen bin. Aber insgesamt bin ich es 38 Mal in meiner Laufbahn.“

Denkbar knappe Niederlage 1980 in Moskau

Trotz schneller Zeiten und vieler Medaillen verlief ihre Karriere nicht ohne Rückschläge. Ihrem ersten Olympiasieg mit der Staffel 1976 in Montreal und dem EM-Titel 1978 in Prag über die 100 Meter folgte die größte Enttäuschung. Bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau verpasste sie Gold über 100 Meter denkbar knapp.

Die Leichtathletinnen Romy Müller, Bärbel Wöckel, Ingrid Auerswald und Marlies Göhr feiernbei den Olympischen Spielen in Moskau den Gewinn der 4 mal-100-m-Staffel Foto: dpa +++(c) dpa - Report+++

Marlies Göhr (r.) mit der DDR-Staffel 1980 in Moskau

Nach Auswertung des Zielfotos blieb ihr mit 1/100 Sekunde Rückstand hinter der Russin Ludmilla Kondratjewa nur Rang zwei. Noch heute hat sie diese Niederlage nicht ganz verdaut, gibt sie zu: "Es ist schade, dass ich über die 100 Meter keine Einzel-Goldmedaille gewonnen habe. Aber das muss ich abhaken, schließlich war es ja meine Schuld. Ich war zu blöd, dass ich nicht einen Schritt schneller war.“

1983 holt sie WM-Gold über 100 Meter

1984 verhinderte der Ostblock-Boykott einen Olympiasieg von Marlies Göhr über die 100 Meter und am Ende der Karriere reichte es 1988 in Seoul nur noch zu Staffel-Silber. So bleibt als größter Einzel-Erfolg ihr Sieg bei der WM-Premiere in Helsinki in Erinnerung. Damals gewann sie nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden der Amerikanerin Evelyn Ashford vor ihrer Landsmännin Marita Koch. Mit diesem Erfolg verewigte sich die heute 51-jährige Mutter einer Tochter als erste deutsche Weltmeisterin in den Geschichtsbüchern.

Dumm nur, dass ihre 13 Weltrekorde, fünf EM-Titel, zwei Olympiasiege und die beiden WM-Erfolge immer vom Wort "Doping“ überschattet sein werden. Ihr Trainer Horst-Dieter Hille vom SC Motor Jena hat vor Jahren Dopingpraktiken vor der Staatsanwaltschaft gestanden. In den Jahren 1983 und 1984 sollen Marlies Göhr Anabolika-Tabletten verabreicht worden sein. Außerdem soll sie schon als 17-Jährige einen positiven Doping-Befund gehabt haben.

"Ich weiß, wie ich trainiert habe“

Die frühere DDR-Weltklasse-Sprinterin Marlies Göhr im Jahr 2005 (c) dpa - Bildfunk+++

Marlies Göhr im Jahr 2005

Die heute als Psychologin in Jena arbeitende Göhr widerspricht dem aber seit eh und je: "Wer wirklich 13 Jahre Weltspitze ist, der kann nicht laufend Doping nehmen. Du musst eine absolute Grundlage haben, gute athletische Voraussetzungen, ein Riesentalent und eine Motivation, dass du immer zum Höhepunkt fit bist. Das kann man nicht nur, indem man eine Pille schluckt und dann los rennt. Ich weiß, wie ich trainiert habe und was ich vor den Wettkämpfen gemacht habe. Das muss ich keinem beweisen. Das habe ich mir selbst bewiesen die ganzen Jahre.“

Seit 24 Jahren hält Marlies Göhr zusammen mit Silke Gladisch, Sabine Rieger und Ingrid Auerswald den Weltrekord über 4 x 100 Meter. Außerdem stellte Göhr mit 10,81 Sekunden auch den noch heute gültigen deutschen Rekord über 100 Meter auf. Es gibt aber seit Jahren Diskussionen, wie man mit den unter Dopingverdacht stehenden Rekorden umgehen soll. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgefordert, innerhalb angemessener Zeit eine umsetzbare Lösung zu entwickeln. Aus juristischen Gründen ist die Löschung der Rekorde nicht möglich.

Autor: Uli Petersen
Redaktion: Wolfgang van Kann

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