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Kultur

Marktplatz für den Klimaschutz

Von der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbemerkt entsteht derzeit ein Handel mit Emissionszertifikaten für den Klimaschutz. Diesem Handel möchte die Messe Köln gemeinsam mit der Weltbank einen Marktplatz bieten.


Die Kölner Messe veranstaltet vom 9. bis 11. Juni die Carbon Expo, auf der Industrie- und Entwicklungsländer miteinander ins Geschäft kommen sollen - zum Wohle des Klimaschutzes. Denn: Seit einigen Jahrhunderten sammeln sich immer mehr Treibhausgase in der Atmosphäre. Vor allem Kohlendioxid aus den Abgasen von Autos, Flugzeugen oder Kraftwerken heizt das Weltklima an und sorgt so für mehr Dürren, Stürme und einen steigenden Meeresspiegel.

Messe als Marktplatz

Daher haben sich 122 Länder im Kyoto-Protokoll darauf geeinigt, in Zukunft weniger Treibhausgase zu erzeugen. Das können sie im eigenen Land tun oder auch, in dem sie klimafreundliche Projekte in anderen Ländern unterstützen. Mit der Carbon Expo will die Kölner Messe zum ersten Mal einen Marktplatz für solche Klimaprojekte bieten, sagt Messe-Geschäftsführer Jochen Witt: "Auf der Carbon Expo werden eine Vielzahl von Regierungen und Unternehmen aus Drittländern erfolgreiche Reduktionsprojekte vorstellen und neue Projekte anwerben."

Dieser Technologietransfer werde durch das Kyoto-Protokoll mit in Europa anrechenbaren Emissionszertifikaten belohnt. "Gastländer sind dementsprechend unter anderem Chile, Indien, Indonesien, Marokko, Mexiko, Peru, die Philippinen, Polen, Senegal und Uganda", so Witt.

Mit Entwicklungsländern kooperieren

Mit Entwicklungsländern beim Klimaschutz zu kooperieren, kann sich lohnen. Denn dort kostet es nur etwa vier Dollar, eine Tonne Kohlendioxid einzusparen; oft wird in den Entwicklungsländern Energie nicht sehr effizient eingesetzt. Um eine Tonne CO2 in Europa einzusparen, muss man dagegen bis zu 100 Dollar bezahlen. Im sehr energieeffizient arbeitenden Japan kann das sogar bis zu 400 Dollar kosten, sagt Ken Newcombe. Er leitet bei der Weltbank den Emissionshandel und hält Marktplätze wie die Kölner Carbon Expo für unverzichtbar.

"Nehmen Sie zum Beispiel eine Firma aus Bayern, die noch nie mit Entwicklungsländern Geschäfte gemacht hat", so Newcombe, "aber gerne günstige Emissionszertifikate kaufen möchte, um die Reduktionsverpflichtungen aus dem EU-Emissionshandel zu erfüllen. Wie findet diese Firma geeignete Partner und wie bekommt sie die nötige Sicherheit, um Zertifikate zum Beispiel von Projekten in Tansania oder Brasilien zu kaufen?"

Vorteile für beide Seiten

Den Kontakt zwischen Anbietern und Käufern könne nun die Carbon Expo erleichtern. Zum Vorteil beider Seiten: Während die Industrieländer ihren Reduktionsverpflichtungen kostengünstig nachkommen können, erhalten die Entwicklungsländer Zugang zu Technologien wie Windturbinen, Solarzellen oder stromsparenden Motoren.

Zwar steckt der Markt für Emissionszertifikate noch in den Kinderschuhen, im Jahr 2010 erwartet das Marktbeobachtungsinstitut Point Carbon aber bereits ein Volumen von zehn Milliarden US-Dollar. Für Ken Newcombe kommt die Messe in Köln genau zum richtigen Zeitpunkt: "Jetzt ist der Moment, in dem eine große Zahl von Industrieländern die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Emissionshandel geschaffen haben. Also selbst, wenn Russland das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert und es nicht in Kraft tritt, wird es in Europa einen florierenden Markt geben."

Rapider Preisanstieg

Im vergangenen Jahr wurde die Tonne Kohlendioxid noch für etwa vier US-Dollar gehandelt. Die Analysten von Point Carbon rechnen aber damit, dass der Preis in den nächsten sechs Jahren auf etwa zehn Dollar pro Tonne steigen wird.

Ein lukrativer Markt, von dem die Messe Köln mit der Carbon Expo profitieren möchte. In einer ungewöhnlich kurzen Vorbereitungszeit von wenigen Monaten hat man das Messekonzept aus dem Boden gestampft. Mit der ersten Veranstaltung dieser Art will sich Köln weltweit als Marktplatz und Konferenzzentrum für den Handel mit Emissionszertifikaten etablieren.

Die Carbon Expo soll übrigens, das versichert die Messe Köln, klimaneutral stattfinden. Die Treibhausgase, die beispielsweise durch die Anreise der Teilnehmer im Flugzeug entstehen, sollen durch Investitionen in klimafreundliche Projekte wieder eingespart werden.

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