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Politik

Marketingidee Hundeburger

Ein Safaripark im Norden Thailands wird ab Januar die Touristen in Scharen anlocken. Sie sollen dort Zebra, Hund und Insekten als Delikatessen vorgesetzt bekommen – die Idee eines Kopfvirtuosen, die nach hinten losging.

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Es hat schon was von Jurassic Park. Das nächtliche Treiben von Jaguars, Panthern, Nilpferden und weißen Tigern von engen Pfaden und Schienenbahnen aus zu beobachten kann man fast nirgends auf der Welt. Ab dem 1. Januar 2006 wird es in Thailand möglich sein. Dann nämlich eröffnet der Chiang-Mai-Nachtsafari-Park im Norden Thailands seine Tore.

Nur drei solcher Parks gibt es weltweit. Deshalb ist Thailand - vor allem aber der nach noch mehr Touristen gierende Norden des Landes - mächtig stolz auf die neue Attraktion, die das Land immerhin 13 Milionen Euro kostet. Und der Park ist nur ein Teil des Chiang-Mai-Weltprojekts, das irgendwann aus einem Elefantenpark, einer Seilbahn und einem Vergnügungspark bestehen soll.

100 Tierarten nennen den Safaripark ihr neues Zuhause. Viele weitere Tiere sollen den 726 nach Chiang Mai aus der ganzen Welt folgen, darunter aus Australien und Kenia.

Shopping-Tour in Kenia

Thailands Premierminister Thaksin Shinawatra selbst besuchte Kenia vor zwei Wochen, um ein Fauna-Abkommen mit dem Land abzuschlieβen. 175 Tiere bekam er, darunter Hyänen und Wildebeest. Dafür schickt Thaksin Elefantentrainer und 800.000 Euro für Naturschutz nach Nairobi. Dadurch, dass die zwei Länder diesen Handel als Tausch und nicht als Verkauf definieren, verletzten sie nicht das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES).

Von Napf zu Napf

Gewitzt, möchte man meinen. Und könnte gebangt auf die Eröffnung des Parks warten. Wenn da nicht – wie im heutigen Thailand der Normalfall – irgendein Politiker in diverse Fettnäpfchen treten würde.

Diesmal ist es Plodprasop Suraswadi, der groβspurige Projektleiter des Parks und Mitarbeiter im Umweltministerium. Schon als letzten Monat Einheimische gegen das disneyhafte Mega-Projekt protestierte, riss Plodprasop den Mund zu weit auf. Ihn interessierten keine "weltfremden Entwicklungsgegner".

Schlagenblut als Delikatesse

Das Problem Plodprasops ist sein gewaltiges Vorstellungsvermögen. Der Mann hat Ideen. Eine davon ist ein exotisches Restaurant im Safaripark, das Touristen für viel Geld – ein dreigängiges Menü für rund 90 Euro – Delikatessen wie Zebra, Schlangenblut, Hundeburger und gegrillte Insekten auftischt. Letztere übrigens gelten für viele Thais als Leckerbissen. Hundefleisch ist in China beliebt, Zebra wird in Kenia genossen.

Doch die Idee war vielen Tierliebhabern zuviel. Aus Kenia selbst kam die heftigste Reaktion. Man würde sich nun den Handel noch einmal überlegen müssen, so der Kenya Wildlife Service, der die dortigen Nationalparks unterhält. Der Internationale Tierschutzfonds war entsetzt über das Vorhaben. Selbst thailändische Tierschützer empörten sich.

Nach dem deftigen Kommentar Plodprasops, er habe für Diskussionen mit "Tierrechtlern, die nur auf Publicity" aus seien, keine Zeit, er mache lieber "Marketing", musste er doch einsehen, dass er zu weit gegangen war. Pladprasop gab eine Studie in Auftrag, die untersuchen soll, ob ein solches Restaurant dem Ansehen des Parks schaden würde.

Auf zu neuen Gefilden!

Und rasch wendet er sich seiner neuesten Idee zu. Denn er ist auch noch Vorsitzender eines Komitees für die Tsunami-Gedenkstätte. Dessen endgültiges Design wird Ende Dezember 2005 ausgewählt. Für Pladprasop ist dies ein wenig zu getragen. Daher schlägt er eine Unterwasserstadt in der Nähe von Khao Lak, dem vom Tsunami völlig verwüsteten Gebiet, vor. Auf einem künstlichen Korallenriff soll eine Ruinenstadt entstehen, zu der man per Tunel gelangen kann. Deren Vorbild sei – Pladprasop zufolge – eine antike Stadt, die vor 1000 Jahren von einem Tsunami zerstört wurde.

Noch gab es keine Reaktionen zu dem Vorschlag. Die meisten haben noch nicht die Worte dafür gefunden. Sicher ist nur: Sobald der Sturm der Entrüstung aufpeitscht, wird Pladprasop ein weiteres Projektchen aus seiner vollgestopften Ideenkiste ziehen. Mal schauen, was da noch kommen wird.

  • Datum 21.11.2005
  • Autorin/Autor Patrick Tippelt
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7UcH
  • Datum 21.11.2005
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