1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Marken im Strudel der Finanzkrise

Die Zeiten sind hart für Traditionsunternehmen. Es scheint, als stürze die Wirtschaftskrise altehrwürdige Firmen reihenweise in den Abgrund. Doch zuvor wurden schon Fehler gemacht.

Spielzeugeisenbahn- Lokomotive von Märklin (Quelle: dpa)

Märklin auf dem Abstellgleis?

Unterwäsche von Schiesser gehört seit 1875 in jeden gut sortierten Kleiderschrank. Die Modell-Dampflok von Märklin hat seit 1859 nicht nur Kinder-, sondern auch Vaterherzen erobert. Die Firma Rosenthal verdiente seit 1879 viel Geld mit handbemaltem Porzellan. In den letzten Jahren aber sind die altehrwürdigen deutschen Traditionsfirmen arg in Bedrängnis geraten.

Es ist nicht nur die derzeitige Wirtschaftskrise, die deutschen Traditionsunternehmen zu schaffen macht. Schließlich haben Schiesser, Rosenthal oder Märklin in den vergangenen hundert Jahren zahlreiche wirtschaftliche Schwierigkeiten gemeistert. Am Niedergang mancher Traditionsmarke ist nicht selten auch das Management schuld.

Uhr von Junghans mit schwarzem Zifferblatt (Quelle: DW-TV)

Schwarzwald-Tradition: Junghans

Uhren von Junghans beispielsweise stehen für Tradition aus dem Schwarzwald. Doch viel zu spät stellte die Firma ihre Produktpalette von Massenware auf hochwertige Uhren um. Millionenverluste waren die Folge. Doch diejenigen, die nun Insolvenz anmeldeten, das seien Einzelfälle, sagt Professor Frank Wallau vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. Und er verweist darauf, dass es in Deutschland dreieinhalb Millionen Unternehmen gebe – 95 Prozent davon seien in Familienhand.

Nixdorf - ein negatives Beispiel

Ob es Manager sind, die Marktentwicklungen verpassen oder falsch einschätzen, muss nach Ansicht von Professor Wallau von Fall zu Fall geprüft werden. Für ihn sei aber Nixdorf ein Beispiel für falsche Unternehmerentscheidungen: Nixdorf war in den 60er und 70er Jahren ein großer Computerpionier in Deutschland. Zu lange, sagt Wallau, habe die Computerschmiede am Konzept festgehalten, dass Hard- und Software zusammengehörten. Als mit Bill Gates dann die Trennung von Hard- und Software kam, habe Nixdorf den Anschluss an den Markt verpasst.

Ein Kreis aus sechs bunten Weltkugeln

Herausforderung Globalisierung

Traditionsfirmen haben natürlich auch mit dem harten Wettbewerb in Zeiten der Globalisierung zu kämpfen. So begann der schleichende Niedergang des Radio- und Fernsehunternehmens Grundig, als Hersteller aus Japan nach Europa drängten. Und dass der Sportartikelhersteller Puma nur in der Konzernfamilie von Gucci und Tchibo überleben konnte, auch das gehört zur Wirtschaftsgeschichte eines sich beschleunigenden weltweiten Handels.

Verlierer und Gewinner der Globalisierung

Von der Globalisierung haben nach Ansicht von Professor Wallau vor allem die deutschen Unternehmen profitiert. Das sei schon daran abzulesen, dass Deutschland auch 2008 Exportweltmeister geblieben ist. Sicherlich gebe es den einen oder anderen Betrieb, der unter dem immer größer werdenden Wettbewerb zu leiden habe. Aber insgesamt konnten sich beispielsweise viele Firmen durch die EU-Osterweiterung in Polen oder Tschechien besser platzieren.

Durch die Wirtschaftskrise wird es nach Ansicht von Professor Wallau in diesem Jahr insgesamt wieder mehr Insolvenzen geben. 2008 sei die Zahl rückläufig gewesen. Aber seit Herbst vergangenen Jahres, als die Finanzmarktkrise in Deutschland auch die ersten Bankopfer forderte, hätten viele Unternehmen mit starken Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. "Das kann natürlich kein Unternehmen verkraften. Auf der einen Seite brechen die Einnahmen weg. Auf der anderen Seite gibt es die Ausgaben, beispielsweise Gehaltsverpflichtungen und Löhne." Und wenn das alles zusammenkomme, seien Unternehmen sehr schnell zahlungsunfähig.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema