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Ukraine

Marine-Experte: Krim ist Russlands "Sprungbrett ins Mittelmeer"

Für Russland ist der ukrainische Stützpunkt Sewastopol alternativlos, sagt Klaus Mommsen, Buchautor und Experte für ausländische Marinen. Für den Konflikt spielt dies aber keine Rolle.

DW: Schon seit Jahrzehnten ist die russische Schwarzmeerflotte auf der ukrainischen Krim stationiert - warum ist der Standort für Moskau so wichtig?

Klaus Mommsen: Die Krim hat eine für das Schwarzmeer beherrschende strategische Position - die Halbinsel ragt weit ins Meer rein. Für Russland ist sie das Sprungbrett in Richtung Süden, also hin zum Mittelmeer und Nahen Osten. Schon zu Sowjetzeiten befand sich hier die Werftindustrie, die größere Kriegsschiffe warten und reparieren konnten.

Können Sie die strategische Bedeutung, die der Stützpunkt Sewastopol hat, noch etwas näher beschreiben?

Es ist der einzige Hafen, der wirklich die gesamte russische Schwarzmeerflotte aufnehmen kann, ihr Schutz und die entsprechende Logistik bietet. Es gibt für die Russen noch keinen Ersatz. Es wird zwar an einem anderen Standort - Novorossiysk nördlich von Sotschi - gebaut, aber er wird nur einen Teil der Flotte aufnehmen können. Hinzu kommt, dass Novorossiysk zu klein ist und keine schützenden Buchten hat. Schiffe, die dort anliegen, werden bei ungünstigem Wind durch die anschlagenden Wellen beschädigt. Das ist in Sewastopol mit seinen vielen Buchten anders.

Der Stützpunkt ist deshalb nicht nur Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte, sondern auch der ukrainischen Marine. Sie liegen dort nebeneinander. Sollte die Ukraine das Stützpunkt-Abkommen aufkündigen und die Russen rauswerfen, dann hat die Schwarzmeerflotte ein Problem.

Warum ist die Schwarzmeerflotte für Russland so wichtig?

Russland ist zu großen Teilen von Meer umgeben: Im Norden ist die Arktis, die Nordflotte hat im Winter zu kämpfen, denn die Wege in den Atlantik sind lang. Auch in der Ostsee sind die Distanzen weit. Wenn man tatsächlich in die Mittelmeerregion reinwirken will, dann geht das nur aus dieser Region heraus. Das Mittelmeer spielt in der russischen Außenpolitik eine große Rolle, im Sommer 2013 wurde auch wieder ein ständiges Mittelmeergeschwader aufgestellt. Die Russen wollen dieses Gebiet nicht der US-amerikanischen Navy überlassen.

Was hat Russland mit der Ukraine vereinbart, damit Sewastopol als Flottenstützpunkt genutzt werden kann?

Das ist ein längerfristiges Abkommen, entstanden unter dem ehemaligen russischen Präsidenten Jelzin. Dem ging zunächst ein Streit voraus: Die Ukraine sagte, dass nach dem Zerfall der Sowjetunion die Schiffe in den Häfen ihnen gehören. Man hat sich dann geeinigt und einen Teil der Flotte den Ukrainern gegeben - meist Schiffe, die sowieso kaputt waren.

1997 wurde der Pachtvertrag (für die russische Nutzung des Hafens in Sewastopol, Anmerk. d. Red.) für 20 Jahre abgeschlossen. Unter Juschtschenko, dem Vorgänger von Janukowitsch, wurde dieser Vertrag praktisch gekündigt. Janukowitsch hat ihn dann, als er an die Macht kam, nicht nur wieder reaktiviert, sondern gleich um weitere 20 Jahre verlängert. Das hat auch wieder zu Streit geführt - bis hin zu Verfassungsbedenken.

Weshalb haben sich die Ukrainer denn auf den Vertrag eingelassen?

Zum einen aus wirtschaftlichen Erwägungen: Russland hat im Gegenzug verbilligtes Gas versprochen. Zum zweiten aus politischen Gründen: Janukowitsch ist bekanntermaßen eher den Russen zugetan als dem Westen.

Welche Rolle spielt die Schwarzmeerflotte in der derzeitigen Krise?

Die Schwarzmeerflotte spielt in dem Konflikt eine nachgeordnete Rolle. Es wird keine Auseinandersetzung auf See geben.

Klaus Mommsen ist Buchautor und Experte für ausländische Marinen. Zudem schreibt er regelmäßig für die Zeitschrift MarineForum.

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