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Europa

Margaret Thatcher - die "Eiserne Lady"

Sie kam aus bescheidenen Verhältnissen und wurde eine der bedeutendsten wie umstrittensten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Mit 87 Jahren starb Margaret Thatcher nun an einem Schlaganfall.

Ihre Unnachgiebigkeit brachte ihr den Beinamen "Eiserne Lady" ein. Von 1979 bis 1990 war Margaret Thatcher britische Premierministerin, ihre Wirtschafts- und Sozialpolitik war für ihre Regierungszeit so kennzeichnend, dass diese Politik den Namen "Thatcherismus" bekam.

Geboren wurde Thatcher am 13. Oktober 1925 als Margaret Hilda Roberts in der kleinen Stadt Grantham. Ihr Vater Alfred war Lebensmittelhändler und politisch engagiert. Dank eines Stipendiums konnte die junge Margaret Roberts in Oxford Chemie studieren. Sie war dort auch Vorsitzende einer politischen Studentenorganisation. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Chemikerin, verlor aber nie das Interesse an Politik.

Margaret Thatcher - damals noch Margaret Roberts - 1950 im Gespräch mit potenziellen Wählern (Foto: Chris Ware/Keystone/Getty Images)

Margaret Thatcher - damals noch Margaret Roberts - bei ihrem Wahlkampf 1950

Nachdem sie 1950 und 1951 erfolglos versucht hatte, als Kandidatin der Konservativen ins Unterhaus einzuziehen, studierte sie Jura. 1951 heiratete sie den Unternehmer Denis Thatcher. Zwei Jahre später wurde sie Mutter von Zwillingen.

Die erste Premierministerin

1959 wurde sie schließlich ins Parlament gewählt und erhielt wenig später einen Posten im Kabinett von Harold Macmillan. 1964 wurden die Konservativen abgewählt, kamen aber sechs Jahre später wieder an die Macht. Premierminister Edward Heath machte Thatcher zur Ministerin für Erziehung und Wissenschaft. In dieser Zeit wurde sie zur “Milchräuberin“, weil sie die kostenlose Milch an Grundschulen abschaffte. Als die Regierung Heath in eine Krise geriet, sah Thatcher ihre Chance. 1975 kandidierte sie gegen Heath für den Parteivorsitz - und gewann.

Margaret Thatcher winkt nach einem Wahlsieg aus dem Fenster. (Foto: PA/PA Wire)

Margaret Thatcher nach einem Wahlsieg

Die 1970er Jahre waren innenpolitisch geprägt von Arbeitskämpfen. 1979 spitzte sich die Lage derart zu, dass die Labour-Regierung zurücktreten musste. Bei den Neuwahlen siegten die Tories, wie die Konservativen auch genannt werden, und Thatcher wurde die erste Frau an der Spitze des Landes.

Zu Beginn ihrer Amtszeit hatte die Bekämpfung der Inflation Priorität. Merkmale ihrer als "Thatcherismus" bekannt gewordenen Politik waren zudem Privatisierungen und ihr Einsatz für das Prinzip des freien Marktes.

Thatcher senkte Steuern, strich Subventionen, kürzte Staatsausgaben. Kohlegruben und Stahlwerke wurden reihenweise geschlossen. 1984/85 sammelten die Bergarbeiter noch einmal alle Kräfte zu einem Streik. Thatcher blieb hart, der Streik wurde abgebrochen. Nicht alle Tories unterstützten ihre Politik, aber Thatcher blieb bei ihrem Kurs.

Thatcher als Chefin über die Streitkräfte

Thatcher habe ihren Spitznamen "The Iron Lady" gemocht, sagt man. Eine russische Zeitung hatte ihn ihr 1976 verliehen, als Reaktion auf Thatchers Kritik an der repressiven Politik der Sowjetunion. Der Name wurde zum Symbol für ihre Weigerung, dem Drängen der Opposition nachzugeben.

Während des Kalten Krieges war Thatcher treue Verbündete und Freundin des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan: Sie ließ die USA atomar bestückte Raketen auf der britischen Luftwaffenbasis auf Greenham Common stationieren und verdreifachte die britischen Streitkräfte mit nuklear bewaffneten U-Booten.

Margaret Thatcher und der damalige US-Präsident Ronald Reagan (Foto: AP)

Margaret Thatcher und Ronald Reagan

Am 2. April 1982 fiel die argentinische Militärjunta auf den britisch kontrollierten Falklandinseln ein und behauptete, dass die Inselgruppe zu Argentinien gehöre. Der Falkland-Krieg war ein entscheidender Moment für Thatcher. Sie schickte britische Marine-Streitkräfte los, um die Inseln zurückzuerobern - und zwei Monate später, am 14. Juni, ergab sich Argentinien. Der Sieg sicherte Thatcher die Wiederwahl.

Die zweite Amtszeit

In ihrer zweiten Amtszeit setzte Thatcher ihre Geldpolitik fort - vor allem in Bezug auf die Privatisierung der staatlichen Industrie. Millionen "einfacher" Bürger wurden dazu angehalten, Aktien etwa von der British Telecom oder British Airways zu kaufen.

Thatcher weitete ihren harten Kurs auch auf den Konflikt in Nordirland aus und weigerte sich, inhaftierten und hungerstreikenden IRA-Anhängern den Status von politischen Gefangenen zu geben. Zehn von ihnen starben. Am 12. Oktober 1984 verübte die IRA einen Bombenanschlag auf sie bei einer Konferenz der Tories. Fünf Menschen wurden getötet, Thatcher entkam unverletzt - und hielt wie geplant ihre Rede.

Der Widerstand wächst

1987 wurde Thatcher zum dritten Mal zur Premierministerin gewählt. Eine der umstrittensten Maßnahmen dieser Amtszeit war die Einführung einer Kopfsteuer. Viele ihrer Parteikollegen hatten die Befürchtung, dass die Steuer sie die nächste Wahl kosten könnte und wollten sie loswerden - und mit ihr Margaret Thatcher.

Der innerparteiliche Widerstand gegen sie wuchs. Aus Protest gegen ihre anti-europäische Politik und ihren Führungsstil trat 1990 Vizepremier Geoffrey Howe zurück. Als Thatcher den Kampf um den Parteivorsitz zu verlieren drohte, gab sie schließlich ihr Amt als Premierministerin auf.

Ihr Nachfolger wurde John Major. Thatcher mischte weiter politisch mit, schrieb ihre Memoiren. Unverständnis erntete sie, als sie sich 1998 für die Freilassung des in London festgenommenen, chilenischen Diktators Augusto Pinochet aussprach.

2002 erlitt Thatcher mehrere kleine Schlaganfälle, zudem erkrankte sie an Demenz. Ihre öffentlichen Auftritte wurden seltener. 2007 erschien sie jedoch zur Enthüllung einer Bronzestatue im Unterhaus. "Ich hätte Eisen bevorzug", sagte sie damals über die Statue, "aber Bronze tut es auch. Es rostet nicht."

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