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Deutschland

Marco W. schuldig gesprochen

Ein türkisches Gericht in Antalya hat den deutschen Schüler Marco W. wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Dieser bestreitet die Vorwürfe. Seine Anwälte kündigten an, in Revision zu gehen.

Wärter und Marco W. (Foto: AP)

Marco W. saß 247 Tage in türkischer Untersuchungshaft

Mehr als zwei Jahre nach seiner Verhaftung hat ein türkisches Gericht ein Urteil im Prozess gegen den Deutschen Marco W. gefällt: Der heute 19-jährige habe 2007 im Türkeiurlaub eine damals 13-jährige Britin sexuell missbraucht, urteilte ein Gericht in Antalya. Es verurteilte Marco W., der nicht anwesend war, zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren, zwei Monaten und zwanzig Tagen.

Was geschah im April 2007?

Demo (Foto: AP)

Freunde demonstrierten 2007 für Marco W.

Marco W. hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets bestritten. Seiner Darstellung nach kam es nach einem Diskobesuch im April 2007 zu einvernehmlichen Zärtlichkeiten. Seine Anwälte kündigten an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. "Marco hätte freigesprochen werden müssen. Das haben wir gefordert, und darauf werden wir dringen", sagte sein türkischer Anwalt Mehmet Asim Iplikcioglu. Auch die Eltern äußerten sich "enttäuscht und entsetzt" über die Verurteilung ihres Sohnes. "Dieses Urteil sagt nichts über Marcos Schuld oder Unschuld aus, sondern etwas über die Rechtsstaatlichkeit des Gerichts", sagte Marcos Mutter Martina in Uelzen.

Der Anwalt des Mädchens, Ömer Aycan, begrüßte dagegen die Verurteilung. Er werde aber voraussichtlich in Revision gehen, nachdem er mit der Familie des Mädchens gesprochen habe, weil die Strafte zur Bewährung ausgesetzt sei. Nach dem Gesetz hätte Marco zu bis zu acht Jahren Haft verurteilt werden können. Wegen seines jugendlichen Alters und der guten Führung in Untersuchungshaft verringerte das Gericht jedoch die Strafe.

Justiz rechtfertigt lange Prozessdauer

Marco W. saß nach seiner Festnahme durch die türkische Polizei 247 Tage in Untersuchungshaft. Dann durfte er nach Deutschland ausreisen. Es sehe so aus, als ob die Richter mit dem nun gesprochenen Urteil die lange Verfahrensdauer und Untersuchungshaft rechtfertigen wollten, kritisierte Marcos deutscher Anwalt Jürgen Schmidt.

Die lange Prozessdauer erklärte das türkische Justizministerium in Ankara damit, dass die Justiz des Landes generell überlastet sei. So habe ein Richter bis zu 1000 Verfahren zu bearbeiten, was dazu führe, dass es im Schnitt bis zu zwei Jahre dauert, bis ein Urteil gefällt wird. (det/wa/ap/dpa)