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Kultur

Marathon-Sieg für den ewigen Zweiten

Ein Weltrekord zum Jubiläumsrennen - für die Organisatoren des 30. Berlin-Marathons ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Der Kenianer Paul Tergat lief so schnell wie niemand je zuvor. Dabei hatte er sich kurz verirrt.

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Gewonnen, und auch noch in Rekordzeit: Paul Tergat aus Kenia

Den Organisatoren des Marathons ging es wie allen Gastgebern einer großen Jubiläums-Feier: In den letzten Tagen vor dem größten Sportereignis in Deutschland, bei dem 55.000 Menschen aktiv waren, lagen die Nerven blank. Außerdem gab es eine weitgehend neue Streckenführung und vor allem ein neues Ziel - das Brandenburger Tor, das den Neu-Rekordler Paul Tergat um ein Haar den Sieg gekostet hätte.

Die schnelle Piste ist immer für Rekorde gut

Der alte Berliner Marathon-Kurs war bekannt als schnelle Piste. Hier hatte 1998 der Brasilianer Ronaldo da Costa als erster Mensch in der Welt die 42,195 km lange Marathondistanz mit durchschnittlich mehr als 20 km/h zurückgelegt. Hier war ein Jahr später die Kenianerin Tecla Laroupe eine neue Weltbestzeit bei den Frauen gelaufen, bevor 2001 die japanische Olympiasiegerin Naoko Takahashi als erste Frau in der Welt im Marathonlauf die Schallmauer von zwei Stunden und 20 Minuten durchbrach.

Würde es zum Jubiläum wieder ein Weltrekordgeschenk geben? Zwei Stunden, vier Minuten und 55 Sekunden nach dem Startschuss war die Frage beantwortet: Ja.

Paul Tergat gewinnt Berlin-Marathon

Paul Tergat kommt ins Ziel - eine Sekunde vor seinem Landsmann Sammy Korir.

Und was für eine neue Bestmarke. Paul Tergat aus Kenia erreichte das Ziel 43 Sekunden schneller als vor anderthalb Jahren in London Khalid Khannouchi, Marokkaner mit US-amerikanischem Pass. Ein Fabelweltrekord. Und der 34-jährige Paul Tergat konnte im Ziel sein Glück kaum fassen: "Es ist ein großer Moment für mich. Das erste Mal in Berlin, mein erster Sieg bei einem Marathon. Das ist eine enorme Befriedigung. Ich bin sehr glücklich."

Tergats wertvollste Sekunde

Das Wagnis der Berliner Organisatoren war es, die Weltrekordjagd einem bislang ewigen Zweiten anzuvertrauen. Schon bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney hatte sich Tergat hinter Haile Gebrselassie über 10.000 Meter mit Silber zufrieden geben müssen. Auch im Marathon hatte er noch keines seiner insgesamt fünf großen Rennen gewinnen können. Immerhin stand er in der Weltbestenliste der Marathoni auf Rang zwei. Bei Khannoushis Weltrekordlauf im Frühjahr 2002 in London musste sich Tergat abermals mit Platz zwei begnügen.

Jetzt aber ist er an der Spitze aller Langstreckenläufer in der Welt. Allerdings: Einsame Spitze ist er nicht. Denn im Ziel hatte er nur eine Sekunde Vorsprung vor seinem Landsmann Sammy Korir. Nachdem er sich exakt bei Kilometer 41 von Korir gelöst und einen scheinbar sicheren Vorsprung für den Schluss-Spurt herausgearbeitet hatte, verlief sich Paul Tergat unter dem weltweit bekannten Symbol der deutschen Einheit, dem Brandenburger Tor. Dort hatten die Marathonläufer drei Möglichkeiten, das Tor zu passieren, um dann noch 195 Meter bis zum Ziel zu laufen. Tergat stockte und wählte schließlich den Umweg über die längste Laufstrecke. Auf den letzten Metern spürte er wieder den Atem seines Verfolgers im Nacken.

Platz zwei für den Antreiber

Ein Sieg Korirs, womöglich in Weltrekordzeit, hätte aber unter den fast eine Million Zuschauern und den Journalisten blankes Erstaunen hervorgerufen. Denn Korir war von den Organisatoren des Jubiläumsrennens eigentlich nur engagiert worden, um bis Kilometer 30 für Tergat das Tempo zu machen, bevor dann der Weltrekordjäger alleine davonziehen sollte. Nur eine Sekunde Unterschied - das Glück, das Paul Tergat jahrelang fehlte, war zum ersten Mal auf seiner Seite.

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