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FIFA

Maradona und die FIFA - passt das?

Einst war er scharfer Kritiker des Fußball-Weltverbandes. Jetzt will Argentiniens Legende Diego Maradona für eine "saubere und transparente FIFA" arbeiten - allerdings wohl eher als Repräsentant ohne Macht. Geht das gut?

"Die FIFA ist ein Spielplatz für die Korrupten." Dieser Satz stammt von Diego Armando Maradona. Und dieser auch: "Die FIFA hat sich zu einer Schande und schmerzhaften Peinlichkeit entwickelt für alle, denen der Fußball etwas bedeutet." Klarer kann man einer Institution seine Abneigung nicht zeigen. Und nun freut sich Maradona, für genau diese Institution zu arbeiten. Was ist da passiert?

Diego Maradona, die lebende Fußball-Legende seines Landes Argentinien, veröffentlichte am Donnerstag ein Statement, wonach ihn eine neue Aufgabe erwartet.  "Jetzt ist es offiziell: Endlich kann ich mir einen Lebenstraum erfüllen und an der Seite von Menschen, die den Fußball wirklich lieben, für eine saubere und transparente FIFA arbeiten", schrieb der 56-Jährige auf seiner Facebook-Seite. Jene FIFA, die er noch bis 2016 scharf angriff. Maradona nahm - anders als viele andere Fußball-Granden - kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Kritik an Sepp Blatters FIFA ging. Den Schweizer sah er als Diktator und "seine Kumpanen haben alles gestohlen bis auf die Möbel in seinem Büro".

Maradona soll selbst auf das Präsidentenamt geschielt haben

Schweiz | FIFA-Präsident Gianni Infantino und Diego Maradona (picture-alliance/AP Photo/W. Bieri)

Männerfreundschaft: Maradona (r.) gilt als Unterstützer Infantinos - dabei soll er selbst dessen Job gewollt haben.

Blatter ist weg und mit ihm auch viele seiner Kumpanen, wenn gleich lange nicht alle. Dennoch will Maradona nun beim Neuaufbau unter Präsident Gianni Infantino mitwirken und für den Weltverband arbeiten. Der Weltmeister von 1986 habe sich "herausragend und einzigartig" um den Fußball verdient gemacht, teilte die FIFA in einem Statement mit. Man werde nun die besten Möglichkeiten finden, um mit Maradona zusammenzuarbeiten. Infantino und Maradona beteuerten unlängst bereits medienwirksam ihre Freundschaft.

Angesichts der Tatsache, dass sich Maradona selbst offenbar als geeigneter Kandidat für das Präsidentenamt sah, ist seine Funktion bei der FIFA ziemlich untergeordnet. Maradona solle eine tragende Rolle in "relevanten Entwicklungsprojekten und dem FIFA-Legendenprogramm" spielen heißt es. Auch wenn die Fußball-Entwicklungsarbeit honorig ist, wirkt die für ihn geschaffene Position zumindest auf den ersten Blick arg nach Grüß-August. Denn Einfluss und Macht ist mit einer solchen Rolle in der FIFA nicht verbunden. 

Hände schütteln, für Fotos posieren - und das war's?

Auch das Legendenprogramm soll vor allem die Altvorderen des Ballsports bei Laune halten und sie dem Publikum in Erinnerung halten. Sprich: Maradona wird sich mit Seinesgleichen treffen, man wird Hände schütteln, für Fotos posieren, ein paar nette Worte sagen - das war's. Gut, man kann auch die FIFA verstehen, die im Fall von Maradona nicht ganz ohne Grund vorsichtig vorgeht. Denn schon zu aktiven Zeiten und erst Recht danach schrieb der Exzentriker allerlei Schlagzeilen: Kokain-Konsum, Entziehungskuren, chronisches Übergewicht, Magenverkleinerung, Herzinfarkt, angebliche Kontakte zur Camorra in Neapel und Probleme mit den Steuerbehörden kratzten nachhaltig an seinem Denkmal. Zumindest die Fans in der Heimat haben ihm vieles davon nachgesehen, seine Fehltritte machten ihn nur menschlicher. 

Nun soll Maradona, der das argentinische Nationalteam gerne mit einem blau-weißen Fähnchen anfeuert, als wahrer Fan des Fußballs der FIFA helfen und wieder positive Schlagzeilen schreiben. Der Erfinder der "Hand Gottes" will anpacken und beschreibt die neue Aufgabe bei der einst so verhassten FIFA als "Herausforderung". Wer sein manchmal aufbrausendes Temperament und Geltungsbedürfnis kennt, dürfte aber zumindest Zweifel haben, ob diese Ehe lange andauern wird.

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