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Amerika

Mapuches erheben Anspruch auf ihr Land

Der Tod eines jungen Mapuche im Süden Chiles hat die Debatte um die Forderungen der Ureinwohner nach Rückgabe ihres Landes mitten im Präsidentschaftswahlkampf wieder auf die Tagesordnung gesetzt.

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Unter großer Anteilnahme ist der 24jährige Jaime Mendoza beerdigt worden

Jaime Mendoza Collío wurde nur 24 Jahre alt. Am 12. August hatte er an einer Landbesetzung im Süden Chiles teilgenommen. Die Mapuches fordern die Rückgabe ihrer angestammten Siedlungsgebiete. Unter der Militärdiktatur von Augusto Pinochet waren die Mapuches enteignet und das Land vielfach an private Investoren und Großgrundbesitzer verkauft worden. Bei der gewaltsamen Räumung des besetzten Gutes rund 600 Kilometer südlich von Santiago wurde Mendoza von einem Polizisten erschossen.

Der Fall hat international für Schlagzeilen gesorgt. Yvonne Bangert von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mit Sitz in Göttingen fasst die Reaktionen so zusammen: "Was sehr viel Empörung ausgelöst hat war, dass der Beamte der kasernierten Polizei, erst gesagt hat, er hätte in Notwehr gehandelt, obwohl die Autopsie bewiesen hat, dass Jaime Mendoza in den Rücken geschossen worden ist, während er sich von dem Angreifer entfernt hat." Die Autopsie habe später ergeben, dass das Opfer am Boden liegend getreten oder geschlagen worden sein muss, "weil an der Leiche entsprechende Blutergüsse gefunden wurden."

Chile Ureinwohner Mapuches Demonstration in Santiago vor Präsidentenpalast

Die Regierung hat sich mehrfach geweigert, Vertreter der Mapuche zu Gesprächen zu empfangen

Jaime Mendoza ist das dritte Todesopfer in diesem Konflikt, das durch Polizeikugeln ums Leben gekommen ist. In den chilenischen Medien werden die Aufständischen in der Regel als radikalisierte, gewaltsame Terroristen dargestellt. Die Polizei habe in allen Fällen in Notwehr gehandelt, so der Tenor der Berichterstattung. "In Chile hat es immer schon eine rechte Oligarchie gegeben, die über die Medien wahre Hetzkampagnen gegen die Mapuche lanciert haben", konstatiert Pater Fernando Díaz. Er ist Mitglied der Nationalen Kommission der Indigenen Pastoral und profunder Kenner der Geschichte und Kultur der Mapuche.

Eine Geschichte des gebrochenen Widerstands

300 Jahren lang hatten die "Menschen der Erde" – so die Bedeutung des Begriffs Mapuche – der Invasion der Spanier widerstanden. Doch schließlich wurden die Ureinwohner im 19. Jahrhundert im Süden Landes auf fünf Prozent ihres ursprünglichen Siedlungsgebietes zurückgedrängt. Ab 1850 begann die chilenische Regierung in Europa Einwanderer anzuwerben um den Süden des Landes zu besiedeln. Den Neubürgern wurde Land zugeteilt, von dem die Mapuche zuvor gewaltsam verjagt worden waren.

Unter der sozialistischen Regierung von Salvador Allende (1970 – 73) erhielten die Mapuche-Gemeinden im Zuge der Landreform Teile ihrer Stammesgebiete zurück. Doch nach dem Putsch wurden die Ureinwohner erneut enteignet und der kollektive Landbesitz wurde ihnen verboten. Weite Landstriche im Süden Chiles wurden privatisiert und an internationale Holzfirmen verkauft.

Enttäuschte Hoffnungen

Mit der Rückkehr Chiles zur Diktatur vor 20 Jahren verbanden die Mapuche die Hoffnung auf Rückerstattung ihres Landes. Zwar wurde 1993 eine Behörde für Indigene Angelegenheiten gegründet, die privatisiertes Land aufkaufen und an die Mapuche-Gemeinden zurückgeben sollte. Doch die Behörde ist mit einem lächerlich kleinen Etat ausgestattet, so dass die Landrückgabe nur schleppend vorangeht. Zudem waren die erstatteten Grundstücke von so schlechter Qualität, dass Landwirtschaft zur Selbstversorgung kaum möglich war, so Yvonne Bangert von der Gesellschaft für bedrohte Völker: "Das hat dazu geführt, dass es jetzt wieder zu vermehrten Landbesetzungen kommt von Seiten der Mapuche." Dabei handele es sich überwiegend um friedliche Aktionen, betont die Expertin: "In der Regel sind die Mapuche nicht bewaffnet und gehen auf Landstücke auf die sie Anspruch erheben, weil die Bestanderhaltung ihres traditionellen Landbesitzes, der ihnen in erster Linie in der Pinochet-Diktatur geraubt worden ist und den sie bis heute nicht zurückhaben."

Chile Ureinwohner Mapuches Demonstration in Santiago

Unter dem 1973 gestürzten Präsidenten Allende haben die Mapuche Teile ihres Stammeslandes zurückerhalten

Im März 2008 hat Chile die Internationale Konvention über die Rechte der indigenen Völker, auch bekannt als ILO 169, ratifiziert – und dafür international viel Lob erhalten. Die Konvention garantiert die Anerkennung von ethnischen Minderheiten als eigenständiges Volk. Sie schreibt den Schutz ihrer Kultur und ihrer Lebensgrundlagen vor und garantiert den indigenen Völkern den Schutz ihrer Siedlungsgebiete vor Umweltzerstörung und industrieller Ausbeutung. Doch entsprechende Gesetze sind in Chile von der rechten Opposition bislang immer blockiert worden, beklagt Pater Fernando Díaz. "Wir erleben eine starke Kriminalisierung der Forderung der Ureinwohner, bis hin zu dem Extrem, dass Mapuche-Aktivisten als Terroristen nach dem Antiterrorgesetz aus der Pinochet-Zeit verurteilt werden."

Der engagierte Priester war Ende 2007 auf Einladung der katholischen Hilfswerks Adveniat in Deutschland um auf die Lage der Mapuche aufmerksam zu machen. Internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung bei seinem Engagement für die chilenischen Ureinwohner kann er gut gebrauchen. Denn die Amtskirche in Chile, klagt er, sei nicht offen für die berechtigten Forderungen der Ureinwohner, viele Bischöfe würden die Probleme der Mapuches einfach ignorieren. "Und viele Gemeinden sind aus finanziellen Interessen an guten Beziehungen zu den Großgrundbesitzern interessiert. Sogar mit großen Unternehmen, die nachweislich zur Umweltzerstörung in den Mapuche-Gebieten beitragen, pflegen viele Pfarreien beste Kontakte und haben kein Problem damit, von ihnen Spenden anzunehmen", so Pater Fernando.

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