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Bücher

Manuel Vázquez Montalbán: Requiem für einen Genießer

Mit mutiger Kritik, beißendem Sarkasmus und schwarzem Humor stellt sich Pepe Carvalho, Spaniens beliebtester Privatdetektiv, höchsten Gefahren. Das letzte Werk von Manuel Vázquez Montalbán.

Buchcover: Manuel Vázquez Montalbán - Requiem für einen Genießer

Er war auf der Rückreise von einer Autorenreise durch Südostasien, als ihn 2003 mit 64 Jahren auf dem Flughafen von Bangkok der Herztod ereilte. Hat man "Requiem für einen Genießer" gelesen, Manuel Vázquez Montalbáns erst jetzt veröffentlichtes letztes Buch, erscheint einem dieses Ende in der Fremde des erfolgreichen spanischen Schriftstellers seltsam schicksalhaft: Denn der Schlussband seiner besonders von Kennern geschätzten Reihe um den Privatdetektiv, Intellektuellen und Feinschmecker Pepe Carvalho und seinen Mitarbeiter Biscuter erzählt von einer ebenso phänomenalen wie tiefgründigen Weltreise mit ungeheuerem Finale.

Vergnügungstour und Verfolgungsjagd

In der Tradition der Abenteuer- und Schelmenromane schickt Vázquez Montalbán seine Version eines Gespanns à la Don Quixote und Sancho Pansa auf große Fahrt: In seiner Heimatstadt Barcelona des Mordes verdächtigt, begibt sich der alternde, frustrierte Detektiv und Ex-Kommunist samt Helfer sicherheitshalber auf eine Vergnügungstour Richtung Italien und Griechenland. Doch schon bald wird daraus eine Verfolgungsjagd über alle fünf Kontinente, auf der die Helden nicht nur die jeweiligen Küchen und Kulturen ausgiebig studieren, sondern auch Bekanntschaft mit Dealern und Terroristen, Mafiosi, Geheimdienstlern und Prostituierten machen.

Das geht naturgemäß nicht immer reibungslos und sorgt für rasante und absurde Szenen in dem dickleibigen, geistreich erzählten Kriminalroman. Allerdings liebt Montalbán auch die literarische Kunst der Anspielungen und Abschweifungen. Für entspannte Momente sorgen die Schilderungen köstlicher Speisen, die Carvalho und sein bodenständiger Untergebener zu sich nehmen oder auch zubereiten. Die beiden lassen dem Leser damit ebenso das Wasser im Munde zusammen laufen wie es etwa Camilleris Commissario Montalbano (die Namensähnlichkeit ist kein Zufall, sondern Reverenz - wie der große sizilianische Schriftsteller auf seiner Website klarmacht) bei seinen kulinarischen Ritualen tut. "In einigen Dingen muss man Marxist bleiben. Marx hat gesagt, dass man ein Land erst kennt, wenn man seinen Wein getrunken und sein Brot gegessen hat", räsoniert der Detektiv, spürbar das alter ego seines Autors.

Amüsante Turbulenzen

Bei allen amüsanten Turbulenzen und geschliffenen Dialogen ging es Vázquez Montalbán jedoch um mehr. Der Schriftsteller, Journalist und Geisteswissenschaftler war eine markante linke Stimme in der politischen Debatte seines sich vom Franco-Staat zur Demokratie entwickelnden Landes. Und in seinem letzten Detektiv-Roman der Anfang der 70er Jahre begonnenen Reihe vermittelt er auch sein persönliches politisches Vermächtnis: Er entwirft das Gesellschaftspanorama einer globalisierten, postmodernen, virtuell wirkenden Welt.

Dort mutieren kulturelle Werte zu durch Hollywoodfilme verfremdeten Versatzstücken, Persönlichkeit gerät zu einem Spiel mit Identitäten, Heimat wird zu Exil und das Böse lauert immer und überall. Dass man dabei trotzdem Spaß haben kann, erleben seine beiden Helden, weil es noch gutes Essen gibt - und hin und wieder Zeichen von Wärme und Freundschaft.

Manuel Vázquez Montalbán: Requiem für einen Genießer, Piper 2005, ISBN 3-492-04696-7, EUR 24,90