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Deutschland

Mannschaft der "Gorch Fock" wehrt sich

Das Segelschulschiff "Gorch Fock" bleibt für Verteidigungsminister Guttenberg ein heikles Thema. Nun hat sich die Stammbesatzung über die Absetzung des Kapitäns beschwert. Die Seeleute fühlen sich ungerecht behandelt.

Die Gorch Fock (Foto: dapd)

Das Segelschulschiff "Gorch Fock"

Die Mannschaft des in die Kritik geratenen Marine-Segelschulschiffs "Gorch Fock" hat nach Medienberichten in einem offenen Brief an Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) fehlenden Rückhalt in der Bundeswehr beklagt. Die vorläufige Absetzung von Kapitän Norbert Schatz durch Guttenberg wird darin als "Abservierung" kritisiert.

Verteidigungsminister zu Guttenberg (Foto: dpad)

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)

"Wir, die Stammbesatzung der 'Gorch Fock', fühlen uns sehr alleine gelassen", heißt es in dem offenen Brief. "Auch fehlte uns der Rückhalt unserer übergeordneten Dienststellen, welche sich zu keiner Zeit vor uns stellten oder sich nach unserem Befinden erkundigt haben", heißt es in dem am Freitag (28.01.11) unter anderem von "Spiegel online" veröffentlichten Schreiben. Die Anschuldigungen von Offiziersanwärtern seien bisher nicht bestätigt. Der Vorwurf, die Ausbilder seien Menschenschinder, sei Rufmord. Zu keiner Zeit sei "an Bord ein Soldat von einem anderen angefasst oder gar sexuell belästigt" worden.

Brief ging im Ministerium noch nicht ein

Aus dem Verteidigungsministerium hieß es am Freitagabend, der Brief sei noch nicht beim Minister in Berlin eingegangen."Spiegel Online" schrieb, Guttenberg habe der Brief per E-Mail auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erhalten. Er habe das Schreiben aufmerksam gelesen und könne die aufgewühlten Gefühle nachvollziehen, wird der CSU-Politiker zitiert.

Guttenberg hatte den Kapitän der "Gorch Fock", Schatz, nach Berichten über skandalöse Praktiken an Bord des Segelschulschiffs von seinen Aufgaben entbunden. Im November war eine 25-jährige Offiziersanwärterin aus der Takelage gestürzt und gestorben.

Die Gorch Fock ím Hafen von Ushuaia (Foto: dapd)

Die Untersuchungskommission geht in Argentinien an Bord

Inzwischen hat auf der "Gorch Fock", die im Hafen der argentinischen Stadt Ushuaia liegt, eine zehnköpfige Ermittlergruppe der Marine ihre Arbeit aufgenommen. Der Leiter des Untersuchungsteams, Marineamtschef Horst-Dieter Kolletschke, sagte am Freitag: "Ich bin zuversichtlich, dass diese Untersuchung zu einem guten Ende kommen wird." Er habe den Auftrag, die Vorgänge und Vorwürfe zu untersuchen, die im Anschluss an den tödlichen Unfall im brasilianischen San Salvador do Bahia bekanntgeworden seien. Der Unfall selbst sei aber nicht Gegenstand seiner Ermittlungen.

Auf die Frage, ob der bisherige Kommandant Schatz sein Kommando schon an den ebenfalls nach Ushuaia gereisten früheren Kommandanten Michael Brühn übergeben habe, antwortete Kolletschke: "Es wird keinen Kommandowechsel geben. Der bisherige Kommandant ist lediglich für eine Zeit von seinen Pflichten entbunden."

Marineamtschef Horst-Dieter Kolletschke (Foto: AP)

Leitet die Untersuchung: Marineamtschef Horst-Dieter Kolletschke

Die "Gorch Fock" soll am Sonntag den Hafen von Ushuaia verlassen und die Weiterreise an der Pazifikküste Südamerikas unter der Führung von Brühn fortsetzen. Das Untersuchungsteam wird nach Angaben seines Leiters etwa 14 Tage an Bord bleiben und erst im nächsten Hafen im chilenischen Valparaiso von Bord gehen. Das Segelschulschiff werde dann durch den Panama-Kanal in die Karibik fahren und von dort aus nach Deutschland zurückkehren, wo es Ende April oder Anfang Mai eintreffen werde. Verteidigungsminister Guttenberg hatte am vergangenen Wochenende angeordnet, dass die "Gorch Fock" schnellstmöglich in die Heimat zurückkehren solle.

Autor: Marko Langer (mit dpa, afp)
Redaktion: Siegfried Scheithauer

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