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Wirtschaft

Mann mit Durchblick

Der Mann ist Italiens Antwort auf den amerikanischen Traum. In den vergangenen 40 Jahren hat sich Leonardo Del Vecchio vom Metall-Arbeiter zum unbestrittenen Brillen-Guru des Landes hochgearbeitet.

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Rückendeckung: Leonardo Del Vecchio vor der Mailänder Börse

Leonardo Del Vecchio hat es mit einem geschätzten Vermögen von 6,6 Milliarden Euro zum zweitreichsten Mann Italiens gebracht. Nur Medienunternehmer und Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat noch mehr Geld. Dabei ist der Name des gebürtigen Mailänders selbst in Italien eher unbekannt, obwohl er mit Luxottica eines der größten Brillen-Imperien der Welt besitzt. "Wenn jemand überzeugt davon ist, in seiner Arbeit, auf seinem Sektor das Beste zu leisten, sieht man irgendwann notgedrungen Resultate", lautet das Credo des Self-Made-Milliardärs.

Luxus made in Italy

So konzentriert sich del Vecchio seit jeher auf die Produktion und den Vertrieb von Luxus-Brillen, statt wie viele seiner Kollegen auf mehreren Hochzeiten zu tanzen. Der Luxottica-Chef besitzt keinen Fußballklub wie Silvio Berlusconi und keine Versicherungen oder Verlage wie der Agnelli-Clan. Sein Konzern beschäftigt heute weltweit 35.000 Menschen, die alle ausschließlich auf dem Brillen-Sektor arbeiten. Seit 1990 ist die Luxottica an der Wall Street notiert, seit 2000 auch an der Mailänder Börse. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 26,8 Prozent auf über drei Milliarden Euro. Der Nettogewinn betrug 316 Millionen Euro. "Eine absolute Erfolgsstory", staunen Kommentatoren.

Dennoch wissen nur wenige Kunden, dass ihr Geld nach Italien geht, wenn sie eine Ray Ban kaufen oder sich ein scheinbar urfranzösisches Chanel-Gestell leisten. Weitere Marken, die auf die Qualität von Luxottica schwören, sind unter anderem Ferragamo, Bulgari, Byblos, Ungaro, Brooks Brothers, Tacchini und Moschino. In den sechs italienischen Luxottica-Fabriken werden jährlich bis zu 20 Millionen Brillen hergestellt; in den USA und Kanada ist der Konzern mittlerweile Marktführer. Mit insgesamt 1.000 Verkaufsagenten, 29 Handelsfilialen und rund 90 unabhängigen Verteilern in 115 Ländern kann auch eine "Scheidung" großen Kalibers der Luxottica nichts anhaben. Als Modeguru Armani kürzlich die Zusammenarbeit mit Del Vecchio nach 14 Jahren kündigte, erklärte der Unternehmer trocken: "Wir bewerten bereits Alternativen und werden bis Mitte 2003 mindestens einen Neuzukauf tätigen."

Vom Medaillengraveur zum Brillenmilliardär

Dabei machten die Armani-Brillen bisher über sieben Prozent des Luxottica-Gesamtumsatzes aus. "Aber bei den Verhandlungen über die Linzenz-Verlängerungen kam es zu unüberbrückbaren Divergenzen über das zukünftige Design, den garantierten Mindestumsatz und den Vertrieb", hieß es Ende November in einer Mitteilung. Armani wollte flottere Brillenfassungen, Del Vecchio stellte sich quer. Vom klassischen Armani-Design zu einem Tendenz-Produkt zu wechseln, das hätte den Umsatz für mindestens drei oder vier Jahre gedrückt, meinte Del Vecchio. Und damit basta.

Del Vecchio wurde 1935 in armen Verhältnissen geboren. Sein Vater starb noch vor der Geburt des Sohnes, so dass Leonardo bald wegen finanzieller Schwierigkeiten seiner Familie in ein Waisenhaus kam. Er ging bei einem Medaillengraveur in die Lehre und arbeitete mehrere Jahre als Angestellter, bevor er 1961 im Ski-Örtchen Agordo in Venetien die Luxottica gründete. Anfänglich hatte die Fabrik nur zehn Mitarbeiter. 1971 kam Del Vecchio mit einer eigenen Kollektion auf den Markt, nur wenige Jahre später übernahm er auch den Vertrieb. Anfang der 80er Jahre expandierte er erstmals ins Ausland, als er eine Handelsvertretung in Deutschland öffnete. (dpa)