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Mann, Mann, Mann!

Er ist Staatsmann oder Hausmann, ein ganzer Kerl oder ein kleines Männlein, er ist etwas weniger als die Hälfte der erwachsenen Weltbevölkerung, und er ist in der Krise. Nur eins ist er mit Sicherheit: männlich.

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Mann, Mann, Mann!

Erwachsenes maskulines Exemplar der Gattung Homo „sapiens“: Das in etwa bedeutet das Wort „Mann“. Klingt schön neutral, oder? Doch wie das nun mal so ist: Die Bedeutung eines Wortes geht oft über die nüchterne Beschreibung hinaus. Wenn wir ein Wort hören, denken wir auch immer noch an vieles mehr als nur an die reine Wortbedeutung. Vielleicht denken wir beim Wort „Mann“ etwas wie: „Oh ja, Männer sind großartig und vollkommen!“. Schließlich gibt es die Wendung "ein richtiger Mann“ oder "ein ganzer Mann“ sein. Vielleicht denken wir aber auch: „Männer sind die, die Frauen unterdrücken, sich in der Kneipe prügeln, Kriege anzetteln – und auch sonst für alles Elend in der Welt verantwortlich sind. Und dann kann es auch noch sein, dass der, der das Wort ausspricht, etwas ganz anderes meint, als der, der es hört.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Mehrere Männer in Hemd oder mit nackter Bruststehen nebeneinander (picture alliance/Mary Evans Picture Library)

So sehen echte Männer aus ....

Ein Mann ist viel mehr als die maskuline Version der Gattung Homo sapiens. Das Wort „Mann“ steht auch für männliche Eigenschaften. Was dazugehört, mag sich ändern. Doch gemeinhin werden „stark“, „tapfer“, „aggressiv“, „kraftvoll“, „hart“, „schweigsam“, „groß“ und so weiter als männliche Eigenschaften definiert.

Weibliche Eigenschaften sind dementsprechend: „weich“, „kommunikativ“, „nachgiebig“, „schwach“, „klein“, „geduldig“ und noch viele mehr. Ob das nun für die Männer und Frauen von heute noch stimmt, oder ob es jemals gestimmt hat, sei dahingestellt. Doch die Sprache geht erst einmal davon aus – auch wenn der moderne Mann da so seine Zweifel hat.

Ein Mann – ein Sprichwort und mehr

ein Mann stemmt eine Hantel (picture-alliance/CHROMORANGE/R. W. Hapke )

Hier zeigt ein ganzer Kerl seine Kraft

„Nimm es wie ein Mann!“ heißt „Sei tapfer und wein’ nicht!“. „Ein Mann, ein Wort“ heißt:  „Steh’ zu dem, was du sagst!“. Ein „ganzer Mann“ oder auch „ein ganzer Kerl“ ist jemand, der alle nur erdenklichen männlichen Eigenschaften hat – und wenn jemand „kein richtiger Mann“ ist, dann ist er weich, schwach und nachgiebig. Wer „nicht Manns genug“ ist, der steht nicht für sich ein und kann sich nicht durchsetzen. „Was ein Mann tun muss, wenn er tun muss, was ein Mann tun muss“, nun das variiert – in jedem Fall aber hat es mit Stärke und Beharrlichkeit zu tun. 

Einige von diesen Männer-Redewendungen und -Ausdrücken sind allerdings wirklich inzwischen von der Realität überholt. Der „kleine Mann“, ein Begriff der auch heute noch von Politikern gerne verwendet wird, wenn sie sich volksnah geben wollen, stammt aus einer Zeit, als über Frauen weit weniger geredet und geschrieben wurde als über Männer. Dasselbe gilt auch für den „einfachen Mann“ oder den „hart arbeitenden“ Mann. Beide gibt es natürlich auch als Frau.

Oh Mann!

 Der Hauptmann von Köpenick auf der Bühne (picture-alliance/dpa/G. Fischer)

„Der Hauptmann von Köpenick“ ging in die Geschichte ein. Er raubte 1906 die Stadtkasse von Berlin

Da kann einem schon mal ein Seufzer entfahren. Etwa „Oh Mann!“ oder etwas gesteigerter: „Mann, Mann, Mann, Mann, Mann!!“. Auch „Mannomann!“ ist beliebt als Ausruf des Erstaunens und der Überraschung, doch da schwingt schon wieder ein bisschen Bewunderung mit. Das Wort „Mann“ eignet sich außerdem wunderbar für zusammengesetzte Substantive. Es gibt den „Obmann“, den „Hauptmann“ oder den „Fachmann“ – immerhin den gibt es inzwischen auch als „Fachfrau“ oder genderneutral als „Fachkraft“ –, den „Ehemann“, den „Weihnachtsmann“, den „Hausmann“ und natürlich den „Blödmann“.

Ob es sich bei diesen Männern um Exemplare der Gattung „Macho-Mann“ handelt, oder ob sie zu den „neuen Männern“ gehören, die – wie wir aus einem schon etwas älteren Popsong erfahren –, das Land so dringend braucht: Das weiß man – in diesem Fall mit einem „n“ geschrieben – nicht so genau.

„man“ und „Mann“

Drei Stripper auf der Bühne (picture-alliance/dpa/Concorde Filmverleih GmbH)

Das Wort „man“ wirkt männlich – und „frau“ amüsiert sich

Um das kleine Wörtchen „man“ wurde in den letzten Jahrzehnten erbittert gestritten, doch es gibt Sachverhalte, die lassen sich einfach nicht klären. Zum Beispiel die Frage, ob dieses "man" mit dem männlichen Mann verwandt ist oder nicht.

Das Wort „man“ – dieses generalisierende Personalpronomen – steht für „jemand“, für die Menschen im Allgemeinen, wenn niemand Bestimmtes genannt werden soll. Es steht aber auch zum Beispiel für „Ich, du, er oder sie“, wird also immer dann verwendet, wenn vermieden werden soll, sich selbst zu benennen. Also "man" ist ein sehr häufiges Wort – und es hat viele Funktionen. Doch sein Nachteil: es wirkt allein schon vom Klang her männlich.

Mann, frau, Mensch?

Die feministische Sprachkritik hat versucht, das Wörtchen „man“ durch etwas zu ersetzen, das nicht so wirkt, als ginge es immer nur um Männer. Mal hieß es da dann "Mensch“ oder „Mann/Frau“ oder gleich „frau“. Doch all diese Lösungen sind problematisch: „Mann/Frau“ klingt umständlich, „Mensch“ klingt irgendwie auch nach „Mann“ und „frau“ schließt die Männer aus. 

Auch sind sich die Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler nicht einig, ob „man“ überhaupt auf das Wort „Mann“ zurückgeht oder ob es nicht eher eine Silbe ist, die für Dinge steht wie "weibliche Kraft“, „Mond“ und „Magie“. Bleibt also nur festzustellen: Dieses Sprachproblem – wenn man es denn als solches empfindet – ist bislang noch nicht gelöst. Und da die Sprache ja auch irgendwie praktisch veranlagt ist, wird es nach wie vor benutzt, auch von feministischen Autorinnen und Autoren. Oh Mann!

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