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Globale Zusammenarbeit

Manemann: "Integration ist Querschnittsthema"

In der Stadt Bonn hat jeder vierte Einwohner einen Migrationshintergrund. Um das Mit- und Füreinander aller Bürger zu fördern, hat die Stadt seit 2008 eine Stabsstelle Integration. Coletta Manemann ist die Leiterin.

Deutsche Welle: In Bonn leben Zuwanderer aus 179 Ländern. Arabisch ist mittlerweile die häufigste Fremdsprache in der Stadt. Welche Auswirkungen hat das für die Arbeit der städtischen Integrationsstelle?

Coletta Manemann: In vielen Köpfen der Bürgerinnen und Bürger ist die Zuwanderung auf die Türkei bezogen. Das ist aber in Bonn nicht der Fall. Durch die Vielzahl der Menschen aus den arabischen Ländern gibt es entsprechende Vereine, aber auch eine entsprechende Zusammensetzungen in Kindertagesstätten und Grundschulen. Unter unseren Integrationslotsen sind auch arabischsprachige Lotsen, die Migrantinnen und Migranten bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche, bei der Ausbildungsplatzsuche und bei vielem mehr unterstützen. In Migrantenselbstorganisationen und Moscheegemeinden sind arabischsprachige Multiplikatoren sehr wichtig. Es macht einfach Sinn sich die Zusammensetzung der Bevölkerung anzugucken. Davon profitiert letztlich auch die Integration und das interkulturelle Zusammenleben.

Sie haben den Vorteil, dass Sie direkt dem Oberbürgermeister unterstehen. Soll das auch signalisieren, dass Integration eine sehr hohe Priorität hat?

Integration muss als Querschnittsthema ganz oben stehen, damit man auch tatsächlich etwas umsetzen kann. Vom Moscheebau, über Stadtentwicklung, Personalentwicklung bis hin zu Sportthemen – wir haben in unserer praktischen Arbeit mit beinahe allen städtischen Ämtern zu tun. Und daran kann man immer wieder sehen, dass es tatsächlich ein Querschnittsthema ist. Man überzeugt dann auch die, die das Thema auf bestimmte Bevölkerungsgruppen oder Stadtteile beschränken wollen .

Wie profitiert die Stadt Bonn von der Vielfalt der Migranten?

Natürlich sind sie erst einmal ganz normale Bürgerinnen und Bürger, in vielen Fällen einfach Steuerzahler, Arbeitnehmer, Kolleginnen und Kollegen in ganz vielen Bereichen. In jedem Beruf, den man sich vorstellen kann, gehören Zugewanderte ganz selbstverständlich dazu – und keiner kann es sich anders vorstellen. Ich freue mich sehr, dass sich heute auch viele Bonner mit Zuwanderungsgeschichte in Projekten engagieren und, dass sie Vereine gründen. Davon profitieren alle.

Was tut Bonn aktiv um Integration von Bürgern nicht-deutscher Herkunft zu sichern und um die Stadt für Ausländer attraktiv zu machen?

Das fängt damit an, dass wir Integrationskurse bei der Volkshochschule anbieten, aber auch Elternbildungs- und Sprachförderprojekten in Kindertagesstätten und Schulen durchführen. Es gibt aktive Migrantenselbstorganisationen und ganz viele interkulturelle Träger, die sich bemühen, die Integration an den jeweiligen Menschen orientiert voranzubringen. Wir als Stabsstelle Integration haben 2009 eine Veranstaltungsreihe konzipiert, die wir "Kommt zur Stadt" genannt haben. Wir wollten jungen Menschen signalisieren: Wir möchten dich gerne, wir möchten die Vielfalt in der Zusammensetzung der Stadtverwaltung. Und wir werben um dich, was bei Jugendlichen aus Migrantenfamilien oft besonders wichtig ist, weil sie von der Stadtverwaltung einfach nicht viel kennen und wissen. Wir machen dann auch Informationsveranstaltungen, laden ganz offensiv dazu ein und haben auch den Anteil der Mitarbeiter aus Migrantenfamilien in der Verwaltung inzwischen erhöht. Daran kann man sehen, was die Stadt auch bei sich selbst tun.

Coletta Manemann ist die Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn.