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Afrika

Mandela: schwach, aber "kämpferisch"

Wie geht es Nelson Mandela? Seit Monaten wird Südafrikas Übervater mit Maschinen am Leben gehalten. Seine Familie und politischen Erben haben aus ihren Skandalen gelernt. Gelöst sind die Konflikte nicht.

Es war still geworden um Südafrikas schwerkranken Freiheitshelden Nelson Mandela. Jetzt sprach seine Tochter Makaziwe Mandela mit dem südafrikanischen Rundfunk SABC über den Gesundheitszustand des 95-Jährigen. Ihr Vater habe immer noch "Kampfgeist", sagte sie am Dienstag (03.12.2013) in einem Interview. "Tata ist immer noch bei uns, stark und mutig". Selbst auf dem Sterbebett gebe er seiner Familie Lektionen in Geduld, Liebe und Toleranz.

Liebevolle Worte, die doch klingen wie Durchhalteparolen. Einen Einblick, wie es Mandela tatsächlich geht, gab seine Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela nach einem Besuch Mitte November. Sein Zimmer, in dem er seit dem Ende eines langen Krankenhausaufenthalts Anfang September liegt, sehe aus wie die Intensivstation eines Krankenhauses. Mandela sei mit Schläuchen an ein Atemgerät angeschlossen und könne nicht sprechen, sagte sie Journalisten in Johannesburg.

Museum für den Freiheitshelden

Die Familie des Ex-Präsidenten und seine politischen Erben sind bemüht, ein Bild der Harmonie und Ernsthaftigkeit zu vermitteln. "Das wichtigste für unsere Familie ist, dass sein Vermächtnis für die Öffentlichkeit bewahrt wird", erklärte Mandla Mandela, der Enkel des 95-jährigen südafrikanischen Nationalhelden, bei der Eröffnung des "Nelson Mandela Center for Memory" vor gut drei Wochen. Das neue Zentrum ist ein Komplex aus Veranstaltungszentrum, Museum und Archiv mit Mandelas Korrespondenzen, Schriften und Arbeitsunterlagen aus mehreren Jahrzehnten. Dass die breite Bevölkerung Zugang zum Nachlass seines Großvaters bekomme, sei ein Fortschritt für die Verbreitung von "Toleranz und Selbstaufopferung" in der Welt, so Mandla Mandela.

Auch Südafrikas amtierender Präsident Jacob Zuma ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, sich als würdiger Sachwalter Mandelas zu beweisen. Mit staatstragender Miene und in ernstem Tonfall hob er bei der Eröffnung die Bedeutung von Mandelas Nachlass als "Schatz unserer Nation" hervor, der nun der ganzen Menschheit zur Verfügung gestellt werde. Zuvor hatte er seinen Vorvorgänger diskret am Krankenbett besucht und der besorgten Nation knapp und sachlich Bericht erstattet: Mandelas Zustand sei "stabil aber ernst".

Mandla Mandela, Graca Machel und Jacob Zuma bei der Eröffnung des Nelson Mandela Center of Memory (v.l.n.r.) (Foto: AP Photo/Denis Farrell)

Mandla Mandela, Graca Machel und Jacob Zuma bei der Eröffnung des "Nelson Mandela Center of Memory" (v.l.n.r.)

Eine solche Sensibilität und die gepriesenen Werte wie "Toleranz und Selbstaufopferung" hatten sowohl Zuma und andere Politiker als auch Mandla Mandela und seine Verwandten in den vergangenen Monaten oft vermissen lassen. So hatte sich etwa Mandla Mandela vor Gericht mit anderen Familienmitgliedern über die Exhumierung mehrerer verstorbenen Familienglieder gestritten: Er wollte auf seinem Anwesen einen Mandela-Gedenkpark für Touristen errichten. Mandelas Töchter Makaziwe und Zenani versuchten unterdessen per Klage, die "Nelson Mandela Stiftung" unter ihre Kontrolle zu bekommen. Unter Leitung von alten Weggefährten Mandelas verwaltet die Stiftung den größten Teil von dessen Vermögen, zu ihr gehört auch das neue Center for Memory.

Streit um Mandelas Erbe

"Mandelas Name zieht viele Leute an, die ihn zum Geldverdienen ausnutzen wollen, unter anderem seine Kinder", sagt der Journalist Charles Molele von "Mail and Guardian", einer der führenden südafrikanischen Zeitungen. Er hat mehrere Enthüllungsgeschichten über Korruption in der Stiftung geschrieben. Seit fast zehn Jahren sei die Nelson Mandela Stiftung Gegenstand einer Korruptionsuntersuchung. Ein ehemaliger Vertrauter Mandelas soll bis zu 50 Millionen Rand (3,6 Millionen Euro) veruntreut haben. "Aber die Polizei ist viel zu langsam, nach zehn Jahren ist noch immer niemand verhaftet oder angeklagt worden."

Auch der von mehreren Skandalen gebeutelte Präsident Jacob Zuma machte eine miserable Figur bei dem Versuch, sich als politischer Erbe Mandelas zu positionieren. Mit mehreren Parteifreunden der Regierungspartei "Afrikanischer Nationalkongress" (ANC) hatte er im Mai dieses Jahres Mandela in Begleitung eines Fernsehteams besucht. Die Bilder der Politiker bei dem plumpen Versuch, den geschwächten, sichtlich verwirrten Vater der Nation und dessen ungebrochene Popularität für sich auszunutzen, sorgten allerdings für Empörung statt für bessere Umfragewerte.

Unwürdiges Schauspiel: Die Überreste von Mandelas Verwandten werden auf das Anwesen seines Enkels transportiert Foto: CARL DE SOUZA/AFP/Getty Images

Unwürdiges Schauspiel: Die Überreste von Mandelas Verwandten werden auf das Anwesen seines Enkels transportiert

Inzwischen scheinen allerdings alle Beteiligten ihre Lektion gelernt zu haben. Mandla Mandela ließ die Leichname seiner Verwandten in ihre ursprünglichen Gräber zurückbringen. Seine Tanten nahmen ihre Klagen gegen die Stiftung zurück. Auch Präsident Zuma zeigte mehr Sensibilität bei seinem jüngsten Besuch an Mandelas Krankenbett.

Nelson Mandelas Ruf bleibt unbeschädigt

Manche Beobachter vermuten, dass er mit aller Kraft am Leben gehalten werde, damit unter anderem die mächtige ANC-Führung weiter von ihm profitieren könne: "Möglicherweise wird mit dem Tod Mandelas gewartet, bis die nächstes Jahr fälligen Wahlen näher rücken, um dann politisches Kapital aus den Reaktionen auf seinen Tod zu schlagen", mutmaßt Wolfgang Drechsler, Journalist und Südafrikaexperte in Kapstadt. "Die Chance auf ein würdiges Ende ist jedenfalls verpasst."

Jacob Zuma Foto: EPA/NIC BOTHMA

Südafrikas amtierender Präsident Jacob Zuma versucht, sich als Mandelas politischer Erbe zu präsentieren

Auch die anderen Streitpunkte, fürchtet Drechsler, seien nur unter den Teppich gekehrt. Die Konflikte innerhalb der Familien blieben ungelöst. "Nachdem die Weltpresse so genau darauf geguckt hatte, wie der Name Mandela ausgenutzt wurde, hat die Familie darauf reagiert und diese Konflikte entschärft." Mit dem Namen Mandela sei aber viel Geld zu machen. Vor allem von dem geschäftstüchtigen Enkel Mandla Mandela erwartet Drechsler, dass er auch künftig nach Möglichkeiten suchen wird, aus seinem berühmten Großvater Kapital zu schlagen.

Doch obwohl sie damit rechnen, dass die Streitigkeiten um Mandelas Erbe nicht zu Ende sind, können sich sowohl Drechsler als auch der südafrikanische Investigativjournalist Molele nicht vorstellen, dass die Popularität des großen Politikers selbst zurückgehen könnte. "Das sind seine Kinder oder Vertrauten, die seinen Namen ausnutzen, aber sein Vermächtnis wird davon nicht beschmutzt", sagt Molele. "Südafrikas Öffentlichkeit weiß, dass diese Familie schwierig ist", glaubt Drechsler. Dass er trotz dieser Verwandtschaft eine solche große Lebensleistung vollbracht habe, werde ihm eher positiv angerechnet als zu Last gelegt.

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