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Wirtschaft

Managerinnen in Davos: Blühen oder eingehen

Weniger als ein Fünftel der Teilnehmer am Weltwirtschaftsforum ist weiblich. Das sei nicht genug, meinen viele in Davos. Veranstaltungen zum Thema Gleichstellung gibt es viele. Doch mit welchem Ergebnis?

Es ist einer dieser verschneiten Wintermorgen in Davos. Bereits um kurz nach sechs Uhr stauen sich schwarze Limousinen auf der Promenade, die Teilnehmer gehen warm eingehüllt zu ihren ersten Terminen. "Business Breakfasts" heißen sie hier und finden vor den offiziellen Veranstaltungen des Weltwirtschaftsforums statt. Prominent besetzt sind sie immer.

Am Donnerstag bin ich zum Frühstück mit dem indischen Finanzminister eingeladen, aber heute geht es um Frauen. Es werde noch 118 Jahre dauern, bis die Benachteiligung von Frauen gegenüber Männern überwunden sei. So hatte das Weltwirtschaftsforum bereits in seinem "Global Gender Report 2015" die Gleichstellung der Geschlechter analysiert.

Männer reden über Frauen

An diesem frühen Morgen soll der Frage nachgegangen werden, wann Frauen in der Wirtschaft Erfolg haben. Zahlreiche Unternehmenschefs sind als Redner angekündigt. Die erste Überraschung: Der große Raum ist völlig überfüllt. 450 Teilnehmer haben sich zu dieser frühen Stunde angemeldet. Die zweite Überraschung: Das Panel ist rein männlich. Offensichtlich gab es keine Frau in einer Top-Position, die von den Veranstaltern für diese Diskussion gewonnen werden konnte. Im Publikum: 60 Prozent Frauen, 40 Prozent Männer.

Neben mir eine Top-Managerin des Elektroriesen Philips, davor eine Spitzenanwältin aus den USA. Frauen in Spitzenpositionen … hier in Davos gibt es sie. Dann folgen die nackten Zahlen, präsentiert vom Personaldienstleister Mercer, der eine aktuelle Studie zum Thema verfasst hat. 583 Unternehmen in 42 Ländern wurden befragt. Dies sei der umfassendste Bericht zu diesem Thema, so ein Sprecher von Mercer. Immerhin seien Daten von 3,2 Millionen Beschäftigen erfasst worden.

Erfolgsfaktor Frauen

"Die Gleichstellungsfrage geht Frauen genauso an wie Männer, und sie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor", sagt Julio Portalatin, Chef von Mercer gleich zu Beginn. Je höher die Positionen, desto geringer die Repräsentanz von Frauen - so das Ergebnis der Untersuchung. Im mittleren Management, also auf Teamleiterebene, gebe es durchschnittlich 33 Prozent Frauen, im gehobenen Management - auf Abteilungsleiterebene - 26 Prozent und auf Direktorebene seien nur noch 20 Prozent Frauen. Keine überraschenden Zahlen. Dennoch überrascht es: Trotz unzähliger Gleichstellungsprogramme in den vergangenen Jahren hat sich in vielen Unternehmen nicht viel getan.

Jürgen Zeltner, Präsident von UBS Wealth Management, dem großen Schweizer Vermögensverwalter, spricht selbstkritisch vom "Permafrost, den Frauen nicht durchstoßen können" und dann wird er emotional. "Ich könnte Bücher darüber schreiben, welche Ausflüchte in Managementsitzungen gemacht werden, wenn es darum, weshalb Frauen nicht besser in Top-Positionen vertreten sind." Dass er selbst Teil dieser Sitzungen und Entscheidungen ist, lässt er unerwähnt.

Ebay Chef ist knallhart

Selbstkritischer äußert sich dagegen David Wenig, Chef des Internet- Auktionshauses Ebay. "Wir haben 127 Millionen weibliche Kunden. Die gleichberechtigte Repräsentanz von Frauen in allen Managementpositionen ist entscheidend für unseren Erfolg."

David Wenig hat drastische Maßnahmen eingeführt, um das zu erreichen. Der Erfolg seiner Manager wird auch daran gemessen, inwieweit es ihnen gelingt, Frauen für Positionen zu gewinnen. Das hat dann auch Auswirkungen auf die Vergütung. "Es gibt einen Kampf um die besten Talente. Wir wollen die Besten und Klügsten, und das heißt, dass wir mehr Frauen ins Unternehmen holen müssen."

Gleichstellung - ein fernes Ziel

Doch die Ergebnisse der Mercer-Studie sprechen eine andere Sprache. "Kommen Frauen im Jahr 2016 weiter voran?". Nein, so das vorläufige Studien-Ergebnis. Der Rekrutierungsprozess sei nicht ausreichend, um weibliches Talent zu gewinnen. Innerhalb der nächsten Dekade könne so keine Gleichstellung erreicht werden. Die besonderen Bedürfnisse von Frauen - angefangen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zu Gesundheitsthemen - würden zu wenig berücksichtigt.

Die Lösungsvorschläge, die dann präsentiert werden, wirken eher hilflos. "Jede Organisation und jedes Unternehmen muss die Gleichstellung der Geschlechter ganz oben auf der Agenda haben und diese aktiv umsetzen", so einer der Vorschläge. Mit dieser mageren Erkenntnis geht es dann wieder raus ins winterliche Davos - zur nächsten Diskussion über ein sogenanntes "Top-Thema."

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