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Politik

Managementfehler führten zur Ölpest

Riskante Entscheidungen, um Geld und Zeit zu sparen, waren die Ursache für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Im Abschlussbericht einer Regierungskommission heißt es, ein solches Desaster könne sich wiederholen.

Boote der Küstenwache löschen die in Flammen stehende Ölplattform (Foto: AP)

Bei der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" kamen elf Menschen ums Leben

Die schwerste Umweltkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten wurde durch eine Serie vermeidbarer Fehler aller an der Bohrung beteiligten Firmen und Aufsichtsbehörden ausgelöst. Eine von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Untersuchungskommission zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko warf den verantwortlichen Unternehmen schweres Versagen vor.

Die Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April 2009, bei der elf Arbeiter ums Leben kamen, sei "das Ergebnis verschiedener individueller Fehltritte und Versehen durch BP, Halliburton und Transocean", heißt es im Abschlussbericht der Kommission, der in Teilen am Donnerstag (06.01.2011) veröffentlicht wurde.

Behörden waren machtlos

Die Katastrophe sei durch fehlerhaftes Handeln verursacht worden und ohne grundlegende Reformen sowohl im Vorgehen der Industrie als auch in der Regierungspolitik könne sich ein solcher Vorfall wiederholen, warnte das mit unabhängigen Experten besetzte Gremium. Die Behörden seien aufgrund fehlender Autorität sowie wegen des Fehlens der nötigen Mittel und der technischen Expertise nicht in der Lage gewesen, die Katastrophe zu verhindern.

Blick auf das Bohrloch am Meeresgrund (Foto: AP)

Wochenlang strömte in über 1000 Meter Tiefe Öl ins Meer

Mit der Explosion der Ölplattform vor der Küste des US-Staates Louisiana Ende April hatte das Desaster seinen Anfang genommen. Wochenlang floss Rohöl ungehindert in den Golf von Mexiko. Erst Mitte Juli gelang es, das Bohrloch in über 1000 Meter Tiefe mit einer Mischung aus Schlamm und Zement zu verschließen.

Insgesamt strömten 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer. Die US-Regierung verklagte die britische Betreiberfirma BP zu Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Risiken wurden missachtet

Die Kommission will ihren kompletten Untersuchungsbericht in der kommenden Woche veröffentlichen. Demnach unternahmen der britische Ölkonzern BP, das Schweizer Unternehmen Transocean und die US-Firma Halliburton eine Reihe von gefährlichen und zeitsparenden Schritten, ohne die Risiken in Betracht zu ziehen. Vertreter der Unternehmen hätten vor kritischen Entscheidungen auch nicht genügend miteinander kommuniziert, heißt es.

Viele der getroffenen Entscheidungen hätten, "ob beabsichtigt oder nicht", den Firmen bedeutende Zeit- und Kostenvorteile verschafft, kritisierte das siebenköpfige Gremium. BP hatte die Bohrinsel von Transocan geleast, Halliburton war für das Versiegeln des Bohrlochs verantwortlich.

Schiffe im Golf (Foto: AP)

Mit Spezialschiffen wurde das Öl von der Meeresoberfläche abgesaugt

Halliburton hat bereits zugegeben, einen notwendigen Test der Zementeinfassung des Bohrlochs nicht vorgenommen zu haben. Das Unternehmen machte allerdings BP verantwortlich, die nötigen Tests nicht veranlasst zu haben.

Alternativen lagen vor

Neun verschiedenen Vorgänge werden in dem Untersuchungsbericht dargelegt, durch die die Firmen Kosten vermieden und schneller voran kamen - ungeachtet dessen, dass weniger riskante Alternativen zur Verfügung standen. Beispielsweise seien nicht genügend Vorrichtungen zur Stabilisierung des Bohrlochs installiert worden.

Auch hätten Verantwortliche nicht auf die Ergebnisse von Untersuchungen des Materials zur Verschließung des Bohrlochs gewartet und Resultate von Drucktests kurz vor der Katastrophe ignoriert.

Zu wenig Kontrollen

Der zuständigen US-Aufsichtsbehörde wirft die Kommission in ihrem Bericht vor, dass sie Bohrgenehmigungen zu leichtfertig erteilte und Arbeitsschritte nicht genügend kontrollierte.

Der Schlussbericht steht im Widerspruch zu einem ersten Zwischenbericht von Anfang November. Damals hatte die Kommission der britischen BP Rückendeckung gegeben und keine Hinweise ausmachen können, dass der Konzern und seine Partner Kosten sparten und so die Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigten.

Autorin. Eleonore Uhlich (AFP, dpa,rtr)
Redaktion: Martin Schrader

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