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Kultur

"Man kann sogar Mädchen kennen lernen"

Treffpunkt Internetcafé: In Iran können sich nur wenige Menschen einen eigenen Internetanschluss leisten. Die Internetcafés sind deshalb sehr beliebt. Besonders bei Jugendlichen. Ein Blick in Teherans WWW-Buden.

Iraner an Computern in einem Internetcafé

Auch auf dem Lande wie hier in Qarn Abad gibt es Internetcafés

Die Internetverbindung in Iran ist langsam. Die Tische im Internetcafé in der Passdaran Straße im Norden Teherans stehen so dicht nebeneinander, dass man sich kaum ungestört fühlen kann. Das Internetcafé ist relativ groß: Zehn Computer stehen hier, alle in einem Raum. Jetzt sitzen dort vier Menschen, drei davon sind Jugendliche.

Die Internetnutzung kostet pro Stunde 1500 Toman - umgerechnet ungefähr 1,50 Euro. In manchen Internetcafés gibt es außerdem "Game-Net“. Jugendliche treffen sich dort, um in einem Netzwerk Spiele mit- und gegeneinander zu spielen. Eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung bei der iranischen Jugend. 700 Toman kostet das Spiel pro Stunde.

"Alles, was schön ist, ist verboten."

Junges Paar sitzt in Teheran auf einer Bank

Irans Jugend mag sich - und das Internet

Wo es Game-Net gibt, ist es in der Regel sehr laut. Die Kinder kommen häufig mit Freunden um miteinander zu spielen. Gespielt wir aber nur, was von der Regierung erlaubt ist, so sagt ein kleiner Junge: "Alles, was schön ist, ist verboten."

Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung kann sich einen privaten Internetzugang leisten. Ein Lehrer verdient im Schnitt etwa 300.000 Toman, die Hälfte davon wird für die Wohnmiete benötigt. Es bleibt nicht viel übrig, um sich etwas zu gönnen. Bei den Eltern ist das Internetcafe nicht besonders beliebt: Zeit- und Geldverschwendung, finden sie.

An Süßigkeiten sparen, um ins Internet gehen zu können

Hossein ist Besitzer eines Internetcafés. Sein Cafe hat keinen Namen, was nicht untypisch in Teheran ist. Er hat früher auch Game-Net in seinem Café angeboten, aber seit einem Jahr tut er das nicht mehr. Er meint, mit Game-Net verdiene man zwar mehr Geld, habe aber auch viel mehr Stress. Man müsse immer aufpassen, dass die Kinder keine Schwierigkeiten machten und sich nicht stritten. "Beim Internet müssen wir den Benutzern nur klar machen, dass wir an bestimmte Regeln gebunden sind und auch sie diese einhalten müssen.“

Saman ist 16 Jahre alt. Er kommt regelmäßig in Hosseins Internetcafé, um seine E-Mails zu lesen. Er bleibt nur kurz, weil er nicht lange von zu Hause weg bleiben darf. Er hofft, dass sein Vater genug Geld bekommt, um ihm einen Computer zu kaufen. "Ich muss immer das Geld, was ich für Süßigkeiten bekomme, sparen, damit ich hierher kommen kann.“

Im Internet Freunde aus Europa finden

Straßenszene in Teheran

Alltägliche Staus - im Straßenverkehr wie auf den Datenautobahnen der Internetcafés

In einem Internetcafé mit einem Saal für Game-Net in der Shariati Straße ist es so laut, dass man sich kaum unterhalten kann. Es sind fünf Kinder dort, und alle spielen das gleiche Spiel, ein sehr spannendes Spiel.

Der 15-jährige Ali kommt nur in den Ferien hierher. Heute ist er ohne die Erlaubnis seiner Eltern da. Er erzählt: "Ich finde das Internetcafé sehr schön - hier kann ich meine Freunde treffen und wir finden immer was Interessantes im Internet. Durch das Internet habe ich auch Freunde in Europa gefunden. Ich kann erfahren, was sie denken und machen.“ Er hat noch nicht zu Ende gesprochen, da kommt ein Junge lachend dazu und sagt: "Und man kann sogar Mädchen im Internet kennen lernen!“

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  • Datum 03.12.2006
  • Autorin/Autor Nahid Fallahi
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  • Permalink http://p.dw.com/p/9RrS
  • Datum 03.12.2006
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