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Kultur

"Man kann sich keine gute Gelegenheit entgehen lassen"

Bremen konnte am Wochenende (13.12.03) die Tabellenführung der Fußball-Bundesliga übernehmen. Einer der Torschützen war der Brasilianer Ailton. DW-WORLD hat vor dem Spiel mit dem Fußball-Star gesprochen.

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Ailton Goncalves da Silva, kurz: Ailton

DW-WORLD: Du hast jetzt schon mehr Tore geschossen, als am Ende der Hinrunde der letzten Saison, und Elber spielt nicht mehr in der Bundesliga. Wird Ailton endlich der Torschützenkönig?

Ailton: Seit den letzten zwei, drei Meisterschaften versuche ich, Torschützenkönig zu werden, aber immer passiert was und ich schaffe es nicht. Dieses Jahr bin ich schon besser als im vorherigen und ohne Elber kann es vielleicht auch leichter werden. Dieses Mal werde ich mich weiter intensiver engagieren und trainieren, mit dem Ziel Torschützenkönig zu werden.

Wer ist der Hauptkonkurrent?

Es gibt mehrere und die Meisterschaft ist sehr lang, was eine Prognose erschwert. Es wäre gut, wenn ich mit einem guten Vorsprung in die Winterpause ginge. Der Rostocker Martin Max ist zu nah und Klose kommt auch hinterher. Viele können noch die Torjägerkanone kriegen.

Spielt Ihr aber um den Titel? Normalerweise schieben alle diese Verantwortung auf Bayern München ...

Unser Hauptziel ist ein Platz in der nächsten Champions League. In der Bundesliga sind wir eher Außenseiter. Für uns ist es gut, dass Bayern und Leverkusen als Favoriten gelten, was sie auch sind.

Keiner hat eigentlich mit Werder Bremen in dieser Saison gerechnet. Was ist der Geheimnis dieses Erfolg?

Die Spieler. Es ist eine wundervolle Gruppe, ohne Rivalität unter Stürmern, Spielmachern, Verteidigern usw. Wir halten zusammen. Die Stimmung unter uns ist sehr freundlich. Und diese Einigkeit trägt für unsere Leistung bei.

Warum wechselst Du zum Schalke, einem Verein, der in dieser Saison nur im Mittelfeld der Bundesliga spielt?

Als ich den Vertrag (Anfang Oktober 2003) abgeschlossen habe, habe ich nicht gerechnet, dass der Verein so schlecht in der Saison spielen würde. Trotzdem ist Schalke ein großer Verein, der wächst, der ein tolles Stadium besitzt und in die nächste Saison sehr viel investiert, damit seine Mannschaft unter den ersten spielt.

Meine Entscheidung war schnell, weil eine Einigung mit Werder Bremen nicht mehr möglich war. Im Fußball läuft es eben so, über Nacht. Man kann sich keine gute Möglichkeit entgehen lassen, deshalb habe ich nicht zwei Mal nachgedacht und meinen Transfer unterschrieben.

Um wie viel besser war das Angebot?

Es war ein viel höheres Angebot als das von Werder Bremen. Werder hatte mir seine Obergrenze schon genannt und wollte leider nicht weiter verhandeln. Ich weiß nicht warum. Als Fußballspieler haben wir eine sehr kurze Karriere und müssen die Gelegenheiten wahrnehmen. Ich habe eine Familie und brauche einen guten Vertrag, um für ihre Zukunft zu sorgen.

Du hast schon oft gesagt, Du möchtest gern schon in der Winterpause wechseln. Schalke lehnt das aber ab. Warum?

Mir ist es nicht bekannt, dass Schalke es nicht möchte. In der Tat ist es auch nicht einfach, weil ich noch einen Vertrag mit Werder bis 2004 habe und Schalke eine Ablösesumme bezahlen müßte. Andererseits weiß ich nicht, wie die Bremer Fans reagieren würden, wenn der Verein mich freistellen würde.

Noch Hoffnung?

Doch. Wenn Schalke entscheidet, sie brauchen mich sofort, und Werder durch mich noch Geld in der Kasse klingeln lassen möchte, ist es machbar. Ein Vorziehen des Transfers ist nicht ausgeschlossen.

Aber wenn das klappt, riskierst Du, die Gelegenheit zu verpassen, mit Werder Meister zu werden ...

Ja, auch im DFB-Pokal sind wir noch dran. Ich muss mir das alles noch richtig überlegen.

Du hast Dich für die deutsche Nationalmannschaft zur Verfügung gestellt. Hast Du die Hoffnung aufgegeben, für Brasilien zu spielen?

Ich habe mich nicht zur Verfügung gestellt. Das ist ein Missverständnis. Ein Reporter hat mich gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, für Deutschland zu spielen. Im Moment nicht. Ich arbeite mit dem Ziel, in der brasilianischen Nationalmannschaft zu spielen. Ich habe nie gesagt, dass ich für Deutschland spielen will.

Ich habe auch schon früher behauptet, dass ich mich nicht wohl fühlen würde, das Trikot eines anderen Landes anzuziehen, das nicht mein Land ist.

Natürlich, wenn es die Möglichkeit gäbe, bei der WM zu spielen, wäre es noch zu überlegen, denn jeder Spieler würde gern bei einem Weltcup spielen. Trotzdem glaube ich nicht an diese Möglichkeit. Es wäre vielleicht sehr schwer für die Deutschen, dass zu akzeptieren. Diese Geschichte ist eigentlich Mediensache.

Hoffst Du dann eher bei der WM mit der brasilianischen Nationalmannschaft zu spielen?

Es geht überhaupt nicht um die WM, weil ich dann schon 33 Jahre alt sein werde und die Konkurrenz der Jüngeren sehr groß ist. Mein Interesse ist für Brasilien jetzt bei der Qualifikation zu spielen.

Was kommt im Jahr 2006 nach dem Vertragsende mit Schalke? Mit 33 ist es schon schwer für einen Stürmer.

Nicht in Europa. Hier kann man weiter spielen, soweit man noch Leistung bringt. Ich überlege, ob ich nach meiner Spielerkarriere ein Büro in Deutschland eröffne, um neue südamerikanische Spieler für die Bundesliga zu holen und sie zu unterstützen, sich hier wohl zu fühlen.

Die Mehrheit der Spieler hat es schwer, sich in Deutschland einzuleben, wie ich selber. Am Anfang war es mir hier zu einsam. Die Spieler, auch von den unteren Ligen, müssen eine Basis haben, damit sie ihre Ruhe gewährleisten und sich für den Fußball engagieren können.

  • Datum 17.12.2003
  • Autorin/Autor Das Interview führte Marcio Weichert
  • Schlagwörter sport, fußball, ailton
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/4SCW
  • Datum 17.12.2003
  • Autorin/Autor Das Interview führte Marcio Weichert
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