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Fußball

"Man kann mit allen Spielern zufrieden sein."

Die deutsche Nationalmannschaft wird für ihren Traumstart bei der Fußball-WM in Südafrika gefeiert. Und auch unser WM-Experte Olaf Thon war mehr als zufrieden.

Bild des ehemaligen Nationalspielers und jetzigen DW-WM-Experten Olaf Thon.

DW-WORLD.DE: Olaf Thon, mit 4:0 hat die deutsche Nationalmannschaft ihr Auftaktspiel gegen Australien gewonnen. Gab es da überhaupt etwas auszusetzen?

Olaf Thon: Ja, das eine oder andere Tor hätte durch Mesut Özil noch fallen können. Aber ich bin begeistert vom Sturm, vor allem davon, dass Sturmführer Miroslav Klose getroffen hat, obwohl er vorher eine Hundertprozentige versiebte. Da haben wir alle schon gedacht, hoffentlich macht er den Zweiten rein. Und so war es dann auch. Bei dieser Flanke ging er mit allem, was er hatte, mit dem Mute der Verzweiflung, in den Ball hinein und machte verdient das Tor. Ich hoffe, dass bei ihm jetzt der Knoten geplatzt ist. Ich würde mir auf der anderen Seite wünschen, dass Cacau noch das eine oder andere Spiel macht.

Bleiben wir mal bei der Stürmerfrage. Klose hat für sein Tor drei Chancen gebraucht und Cacau eben nur eine. Sollte man ihn nicht von Anfang an spielen lassen?

Die Statistik kann man so missbrauchen, wie man sie braucht. Auf jeden Fall war Cacau, als er rein kam, gleich da. Er bietet sich förmlich an, in der Startformation zu stehen. Dadurch macht er Druck auf alle Offensivkräfte und das fördert natürlich die Leistung der Mannschaft, mit der man insgesamt zufrieden sein kann. Vor allem Holger Badstuber auf der linken Seite und Sami Khedira im Mittelfeld haben mir gefallen. Es war eine homogene Mannschaftsleistung, die durchaus mit einem höheren Sieg hätte belohnt werden können. Also, ich freu mich schon auf das nächste Spiel gegen Serbien am Freitag.

Jetzt muss man natürlich ganz ketzerisch sagen, bei den letzten Weltmeisterschaften hat nie eine Mannschaft den Titel geholt, die von Anfang an glänzte. Tatsächlich haben die Finalisten eigentlich immer erst in den letzten Runden ihre wahre Stärke gezeigt. Ist es daher fast ein Nachteil, dass man sich jetzt gleich am Anfang in so eine Euphorie gespielt hat?

Es gibt solche und solche Beispiele. Ich kann mich durchaus an die Italiener erinnern, die sich vor vier Jahren ebenfalls gegen Australien ins Turnier gewürgt haben und dann immer besser wurden. Und wir haben alle noch Dortmund vor Augen, als die DFB-Elf den Italienern im Halbfinale unterlegen war. Da waren die Italiener schon große Klasse in der Abwehr und im Sturm. Aber es gibt auch Beispiele wie etwa 1990, als wir zum Auftakt 4:1 gegen Jugoslawien siegten. Das war auch ein guter Auftakt und das finale Ergebnis kennen wir ja.

Damals waren sie beteiligt und wurden Weltmeister (1:0 im Endspiel gegen Argentinien). Zurück zur deutschen Gruppe mit Serbien und Ghana. Die Afrikaner haben ihre Partie mit 1:0 gewonnen. Müssen wir Angst haben vor diesen beiden Mannschaften?

Eigentlich nicht, wobei Serbien ja der eigentliche Favorit auf Platz eins oder zwei in dieser Gruppe war. Die darf man noch nicht abschreiben. Deswegen muss man auch vielleicht, je nachdem wie das Spiel abläuft, mit einem Unentschieden zufrieden sein, um dann das letzte Spiel gegen Ghana zu gewinnen. Man muss die Gruppenphase wirklich nicht mit 12:0 Toren und 9:0 Punkten durchlaufen. Ich wäre zufrieden, wenn wir gegen Serbien gut spielen und einen Punkt mitnehmen. Das lässt uns alle Möglichkeiten auf Platz ein oder zwei.

Muss man gegen Serbien mit einer anderen Aufstellung ins Spiel gehen als gegen Australien?

Diese breite Brust, die wir uns jetzt in diesem Spiel aufgebaut haben, darf man nicht mit einem Rückschritt wieder kaputt machen. Ich denke, die deutsche Nationalmannschaft hat im 4-2-3-1 ein System gefunden, in dem unterschiedliche Typen auf ihren Positionen ineinander greifen. Unterschiedliche Typen im Sturm: Klose, der Kopfballspieler; rechts der Läufer Thomas Müller; in der Mitte Özil, der Techniker, der die Traumpässe in die Spitze geben kann. Dann Lukas Podolski auf links, der mit einem Traumzuckerfuß das 1:0 gemacht hat. Podolski ist unheimlich stark in der Nationalmannschaft, wenn andere die Verantwortung übernehmen wie zum Beispiel Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger.

Wir haben jetzt einige der Favoriten schon gesehen, England zum Beispiel, Argentinien und eben die deutsche Mannschaft. Wie ist ihr Resümee nach diesen ersten Spielen, haben die Favoriten das gezeigt, was man von ihnen erwarten konnte?

Ich glaube, dass wir bis auf Deutschland noch keinen Anwärter auf die Weltmeisterschaft gesehen haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Argentinien mit Trainer Maradona und trotz ganz großer Spielern wie Messi da rankratzen könnte. Vielleicht werden die Holländer noch bestätigen, dass sie Weltmeister werden wollen. Wir werden dann noch die Brasilianer und die Italiener sehen. Auf die werden wir mehr unser Hauptaugenmerk legen müssen, um den zukünftigen Weltmeister zu sehen. Aber gerade was die Brasilianer betrifft: Das ist eine von der Altersstruktur her alte Mannschaft. Ich glaube, dass Jogi Löw die richtige Entscheidung getroffen hat, mit der Zeit zu gehen und in die Zukunft zu investieren. Das kann schon bei dieser Weltmeisterschaft Früchte tragen, mit der jüngsten Nationalmannschaft, die wir je hatten.

Die Fragen stellte Tobias Oelmaier
Redaktion: Arnulf Boettcher

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