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Wirtschaft

MAN-Chef gibt überraschend auf

Ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Korruptionsaffäre beim Lastwagenbauer MAN ist Konzernchef Hakan Samuelsson überraschend zurückgetreten. Der Manager geht auf eigenen Wunsch.

Hakan Samuelsson neben dem Logo von MAN (Foto: AP)

Hakan Samuelsson ist nicht mehr Chef von MAN

Mitten in der Wirtschaftskrise ist MAN-Chef Hakan Samuelsson völlig überraschend von Bord gegangen. Für den Lastwagen- und Maschinenbaukonzern ist das ein herber Schlag. Der 58-jährige Manager hatte MAN zunächst vor der Übernahme und Zerschlagung durch Heuschrecken gerettet und dann zu Rekordgewinnen geführt. Als der Schwede 2005 zum Chef des Konzerns aufstieg, war das eine Sensation. Das alte Traditionsunternehmen galt als konservativ, urdeutsch und unbeweglich. Mit dem Skandinavier an der Spitze kam die Wende. "Samuelsson hat die alte, verklemmte Auster MAN geöffnet und den Stil komplett gedreht", sagen Mitarbeiter.

Nach dem Rekordjahr kam der Absturz

MAN-Kühlergrill (Quelle: MAN AG)

Der Chef ist weg - MAN bleibt

Seine Karriere startete Hakan Samuelsson 1977 bei dem schwedischen Lastwagen-Hersteller Scania. 2000 kam er zum Konkurrenten MAN. Fünf Jahre später wurde er Vorstandschef. Der Maschinenbau-Ingenieur brachte die Lastwagen- und Bussparte von MAN rasch wieder auf Vordermann. Er machte das Unternehmen schlanker, verkaufte unrentable Sparten und legte den Schwerpunkt auf das Kerngeschäft. Sein größter Coup sollte im Jahre 2006 die Übernahme von Scania werden. Aber Samuelsson scheiterte am Widerstand der beiden Scania-Großaktionäre, der Familie Wallenberg und Volkswagen.

MAN-LKW auf einem Messetstand (Foto: AP)

Herausgeputzt: Ein Brummi von MAN auf der IAA

Von 2005 bis 2008 steigerte Hakan Samuelsson den MAN-Umsatz um ein Viertel auf 15 Milliarden Euro. Doch die Wirtschaftskrise ließ 2009 die Nachfrage nach Lastwagen völlig einbrechen. Zugleich begann die Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe zu ermitteln. Fortan musste sich Samuelsson die Hälfte seiner Zeit mit der Korruptionsaffäre auseinandersetzen. Der Konzern hat nach bisherigen Ermittlungen etliche Kunden in Europa, Afrika und Asien bestochen, um Großaufträge vor allem für Busse zu erhalten. Die fragwürdigen Zahlungen belaufen sich auf 50 bis 100 Millionen Euro. Im Inland soll rund eine Million Euro für Schmiergeldzahlungen ausgegeben worden sein, um Busse und LKW zu verkaufen. Weit über 100 Beschuldigte gibt es.

Keine Anhaltspunkte für eine persönliche Verwicklung

Es gibt derzeit keine Anhaltspunkte, das Samuelsson in die Affäre verwickelt ist. Bei der Aufklärung allerdings steht er in der Verantwortung und ist nun, wie er mitteilen ließ, "zu der Überzeugung gekommen, dass es zum Wohle des Unternehmens einen personellen Neuanfang auf höchster Ebene geben sollte". Allerdings wird spekuliert, dass Ferdinand Piech vom Großaktionär VW die Situation genutzt habe, um sich von Samuelsson zu trennen, hinter dem er ohnehin schon länger nicht mehr gestanden habe. Zumindest übergangsweise übernimmt der Chef der Dieselsparte, Georg Pachta-Reyhofen, den Posten des Vorstandsvorsitzenden.

Autorin: Monika Lohmüller (dpa, rtr, ap)

Redaktion: Henrik Böhme

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