Mammutaufgabe für Nachwuchskicker | Fußball | DW | 26.11.2017
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Bundesliga

Mammutaufgabe für Nachwuchskicker

Der 1. FC Köln schlittert in der Bundesliga weiter von Niederlage zu Niederlage. Gegen Hertha BSC ist die nicht mal unglücklich. So ist der Klassenerhalt kaum noch zu stemmen.

Es lief die 65. Minute der Bundesliga-Partie zwischen dem 1. FC Köln und Hertha BSC und man hörte sie nicht mehr. Die Kölner Fans, sonst für ihren Enthusiasmus bekannt, für ihren unerschütterlichen Optimismus, sie sangen nicht, sie riefen nicht, ja sie pfiffen noch nicht einmal. Eben hatte Vedad Ibisevic seinen Strafstoß sicher zum 2:0 (1:0)-Endstand für die Berliner verwandelt. Matthias Lehmann, der Kölner Kapitän, der Davie Selke im Strafraum viel zu ungestüm umgerannt hatte, starrte mit leerem Blick in den Himmel, schüttelte den Kopf.

Es war der Moment, in dem wohl auch dem letzten der 48.000 Zuschauer im Stadion klar wurde, dass der FC nicht mehr zu retten ist in dieser Saison. Und das schon nach dem 13. Spieltag. Eigentlich viel zu früh, um ein Urteil zu fällen über den Verein, der ja immerhin noch in der Europa League vertreten ist und da am Donnerstag sogar Arsenal London eine Niederlage beibrachte. Aber in der Bundesliga stehen die Kölner eben immer noch ohne einen einzigen Sieg da, haben weiter nur zwei Punkte und vier Tore auf dem Konto -  die schlechteste Bilanz aller Zeiten. "Ich würde der Mannschaft nicht unterstellen, dass es ein lebloser Auftritt war, aber es fehlt das Selbstvertrauen", nahm Trainer Peter Stöger anschließend sein Team im TV-Interview mit Sky in Schutz.

Aus der Not eine Jugend

Dem Östereicher bleibt auch nichts anderes übrig, er kennt die Verletzungsmisere aus nächster Nähe. Zehn Profis hat es inzwischen erwischt. Nach der Partie versucht sich Torwart Timo Horn in Erklärungen: "Wir haben gerade mal noch 13 Profis in unserem Kader, der Rest ist Nachwuchs, der sich reinhaut, wo aber die Erfahrung fehlt." Damit meint er die drei Vertragsamateure, die gegen die Hertha ran mussten: Yann Aurel Bisseck kam in der Außenverteidigung mit seinen 16 Jahren zum Debüt in der Ersten Mannschaft, ist damit zweitjüngster Spieler überhaupt in der Bundesliga-Historie, später wurde auch noch Anas Ouahim, 20, eingewechselt und dann noch der 17-jährige Nikolas Nartey.

Denen, die sich da über den Platz schleppten, ist sicher kein Vorwurf zu machen. Weder Torwart Horn, der nach einem Ibisivic-Kopfstoß in der 17. Minute aus kürzester Distanz den Ball nicht festhalten und ihn dann beim Nachschuss des Berliner Torjägers nur noch aus dem Netz fischen konnte, noch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die in ihrem dritten Bundesligaspiel eine souveräne Leistung zeigte und bei der Elfmeter-Entscheidung gegen die Kölner richtig lag. Noch nicht mal beim Video-Assistenten konnten sie diesmal die Schuld suchen. Hatte der die Kölner schon etliche Punkte durch Fehlentscheidungen gekostet, so entschied der Video-Referee jetzt auf Nachfrage von Steinhaus zurecht nicht auf Strafstoß, als ein Berliner Abwehrmann den Ball aus Nahdistanz an den Ellbogen bekam.

Rücktritt ausgeschlossen

Bundesliga 1. FC Koeln v Hertha BSC Stöger (picture-alliance/dpa/Revierfoto)

"Keine Möglichkeiten, die Ausfälle zu kompensieren" - Kölns Trainer Peter Stöger

Den Schlusspfiff erlebte Kapitän Lehmann von der Bank aus. Konsterniert, frustriert, desillusioniert. Oft hatte der FC in dieser Saison unglücklich verloren, war als besseres Team dann doch geschlagen vom Platz gegangen. Aber gehobenen Hauptes. Diesmal schlichen sie vom Feld, waren klar schlechter. Es hatte schon etwas von Selbstaufgabe.

Das Publikum war dann doch noch zu hören: Spärlich pfiffen die, die noch ausgeharrt hatten. Lehmann rang derweil im Sky-Interview nach Worten, auch angesprochen auf die Fan-Reaktionen: "Irgendwann ist es dann auch verständlich, wenn es hämisch wird, wenn ein Torschuss nicht auf Tor kommt." Und doch versuchte er, den Blick nach vorne zu richten: "Was in den nächsten Tagen oder Wochen passiert, weiß ich nicht, aber wir müssen ein Spiel gewinnen. Egal, ob da ein 17-Jähriger dabei ist. Das ist eine Mammutaufgabe, eine Riesenaufgabe."

Sein Trainer scheint selbst nicht zu wissen, wie das gehen soll, spricht im Interview auch die Möglichkeit des Abstiegs an: "Momentan ist  die Mannschaft nicht vollgepumpt mit Selbstvertrauen und die spielerischen Lösungen fehlen. Und wir haben keine Möglichkeiten mehr, die Ausfälle zu kompensieren. Das ist schon schwierig." Aber er hofft noch: "Bis zum Winter ist die ganze Problematik nicht optimal zu korrigieren, vielleicht tut sich dann personell etwas." Sich selbst meinte er damit aber nicht. Einen Rücktritt schloss Stöger aus.

Hier können Sie die Höhepunkte der Sonntagspartien noch einmal chronologisch nachlesen.

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