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Musik

Malmö - Tag 4

Am Finaltag sollte eigentlich der ESC-Rausch ausbrechen. Doch außerhalb des Zentrums lässt sich kein Eurovisionschmetterling blicken. Unterwegs mit DW-Reporterin Suzanne Cords.

FSuzanne Cords vor ESC-Plakaten oto: Suzanne Cords (DW). .

Tagebuch Bilder aus Malmö

Als ich vom Frühstück komme, sitzt die Putzfrau im Ohrensessel auf meinem Flur und führt Selbstgespräche. Vielleicht habe ich sie heute im Morgengrauen mit dem bösen Blick verhext - was muss sie mich auch um 8 Uhr aus dem Tiefschlaf reißen und mich mit dem schwedischen Wort "putza“ und dem englischen Pendant "cleaning“ bombardieren. Um 8.30 Uhr war sie noch mal mit der Hausdame da, um mich aus dem Bett zu jagen. Aber ich kann dickköpfig sein, wenn es um meinen Schönheitsschlaf geht. Um 9 Uhr ruft die Rezeptionistin an, ob sie sich mal mit mir unterhalten könne - die Putzfrau würde doch so gern…Ich gebe mich geschlagen und wanke schlaftrunken zum Frühstück.

Nächtlicher Einsatz

Reporterin Suzanne Cords mit einem betagten ESC-Fan. Bild: Deutsche Welle, Suzanne Cords, Mai 2013

Ella ist wohl der älteste Eurovision-Fan

Immerhin war ich bis zum Morgengrauen im Slagtguset-Eurovisionsclub und habe zu allen Liedern abgetanzt, die der ESC-Wettbewerb je zu bieten hatte. Wenn das kein Rechercheeinsatz ist!

Dabei habe ich auch eine alte Bekannte aus Baku wieder getroffen: Oma Ella ist wohl der älteste Eurovision Song Contest-Fan der Welt. Sie ist nicht mehr ganz so rüstig wie im vergangenen Jahr, immerhin ist sie jetzt schon 103 Jahre alt. Aber zwischendurch legt sie mit Enkel Jo und zahlreichen Verehrern immer mal wieder eine flotte Sohle aufs Parkett. "Ich liebe Eurovision, ich guck das ja schon seit 1956", strahlt der betagte Fan über beide Backen. "Und wenn der Herrgott es zulässt, bin ich auch im nächsten Jahr dabei."

Elch-Barbecue und Surströmming

Vielleicht läuft mir Oma Ella ja heute beim Stadtbummel über den Weg. Ich habe mir nämlich vorgenommen, ESC-Fans an all den Plätzen aufzuspüren, die Malmö seinen Besuchern als Eurovisionstreffpunkte anpreist. Zunächst versuche ich mein Glück im Folketspark. Gähnende Leere im Euro-Café, dafür aalen sich auf den Wiesen Familien mit zahlreichen Kleinkindern in der Sonne. Nachwuchssorgen scheint man in Schweden nicht zu kennen. "Der Contest interessiere ihn eigentlich nicht so", meint ein junger Vater. Auf meine neugierige Nachfrage, warum hier kein Elch-Barbecue auf dem Holzkohlenfeuer schmort, klärt er mich auf, dass Grillen nicht erlaubt sei. Im heimischen Köln würden die heimischen Parks schon unter einer dichten Rauchwolke verschwinden.

englische Fans. Bilder aus Malmö, Tagebücher von Suzanne Cords, DW

Englische Fans setzen neuerdings auf ältere Stars

Hoffentlich packen die Schweden beim Picknick jetzt nicht den berüchtigten Surströmming aus der Dose aufs Knäckebrot - eine bestialische stinkende Fischdelikatesse. Haben sich deswegen Amnesty-Aktivisten mit Protestschildern in einer Reihe aufgestellt? Ich ergreife vorsichtshalber die Flucht. Dabei komme ich durch China, Vorder- und Hinterasien und Afrika. So bunt gemischt präsentiert sich das Völkchen auf den Straßen. Ein Eurovisionschmetterling ist allerdings nicht in Sicht.

Von Jern Housen keine Spur

Am Bahnhof hingegen flattert er wohlgemut gleich in zigfacher Ausführung herum. Überlaute ESC-Songs torpedieren an allen Ein- und Ausgängen die ahnungslosen Besucher. Im "Jern Housen“ neben der Schalterhalle soll es von 11 Uhr morgen bis 2 Uhr nachts sogar einen DJ geben. Ich stehe allerdings vor verschlossenen Türen.

Wegweiser in Malmö Bilder Deutsche Welle, Suzanne Cords, Mai 2013

Unterwegs in Malmö

Ein Schild weist darauf hin, dass man zu Gleis 5 umgezogen sei - doch selbst nach intensiver Suche finde ich dort nur einen einsamen Bahnhofsschaffner, der ratlos mit den Schultern zuckt. Also doch auf zum Eurovision Village am Gustav Adolfs Torg. Und da endlich finde ich die Fans, die schwedischen Folkloreklängen lauschen und eifrig ihre Landesfähnchen schwenken.

Auf ins Finale

Trollfigur. Bilder aus Malmö, Tagebücher von Suzanne Cords, DW

Er hätte gut in den Wettbewerb reingepasst

So ganz habe ich mich noch nicht entschieden, ob ich der traurig dreinblickenden Holländerin, in deren Lied sich suizidgefährdete Vögel vom Dach stürzen, mein Herz schenke oder doch lieber Dracula. Wer so mit seiner Stimme jonglieren kann wie dieser Rumäne namens Cezar und dabei noch ein bisschen wie Robert De Niro aussieht, hat bei mir schon halb gewonnen. Am Ende heißt der Sieger dann doch Dänemark. Damit kann ich leben. Dort ist das Öl, so nennen die Schweden ihr Bier, definitiv billiger.

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