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Aktuell Afrika

Malis Übergangspräsident vereidigt

Nach dem Militärputsch in Mali hat Übergangspräsident Dioncounda Traoré den Amtseid abgelegt. Der bisherige Parlamentspräsident soll das Land auf Neuwahlen vorbereiten. Die EU warnt vor einer humanitären Katastrophe.

Der 70-jährige Traoré soll nun die Amtsgeschäfte des Staatschefs für maximal 40 Tage kommissarisch führen und gemeinsam mit der von ihm zu bildenden Übergangsregierung Präsidentschafts- und Parlamentswahlen organisieren. Experten zufolge dürften Neuwahlen in der kurzen Zeit und angesichts der Unruhen im Land aber schwierig zu organisieren sein.

Lage im Norden bleibt unübersichtlich

Militäreinheiten hatten am 22. März gegen den bisherigen Präsidenten Amadou Toumani Touré geputscht. Tuareg-Rebellen und mit ihnen verbündete Islamisten nutzten das entstandene Machtvakuum, um im Norden des Landes einen eigenen Staat auszurufen.

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Mali: Putschisten geben Macht ab

Unter starkem internationalen Druck hatten sich die Putschisten um Hauptmann Amadou Sanogo mit der ECOWAS geeinigt und angekündigt, die Macht wieder in die Hände einer zivilen Regierung zu legen. Die Putschisten hatten die Entmachtung Tourés' mit dessen Unfähigkeit begründet, wirksam gegen die Tuareg-Rebellen vorzugehen.

Auch nach Wochen bleibt die Lage im Norden des Landes unübersichtlich. Dort hatten Tuareg-Rebellen die Wirren des Putsches genutzt und die Region unter ihre Kontrolle gebracht. Vergangene Woche erklärten sie deren Unabhängigkeit. Das Land soll "Azawad" heißen, was in der Sprache der Tuareg "Land der Nomaden" bedeutet. Die Putschisten hatten die Entmachtung Tourés' mit dessen Unfähigkeit begründet, wirksam gegen die Tuareg-Rebellen vorzugehen.

EU fordert freien Zugang von Helfern

In der malischen Hauptstadt Bamako demonstrierten am Mittwoch mehr als 2.000 Menschen gegen die Spaltung des Landes in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Die in der Mali-Krise vermittelnde Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft schließt inzwischen ein militärisches Eingreifen nicht aus.

Unterdessen warnte die Europäische Union (EU) vor einer humanitären Krise in der Region, falls die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten nicht bald verbessert wird. Zugleich forderte sie freien Zugang von Helfern zum besetzten Norden des Landes. Die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgiewa, sagte weitere neun Millionen Euro an Hilfsgeldern zu. Bisher hat die EU rund 280 Millionen Euro ausgegeben, um den Nahrungsmangel in Westafrika zu bekämpfen. "Wir sind entschlossen zu verhindern, dass aus der Lebensmittelkrise ein Desaster wird", sagte Georgiewa.

Tausende Menschen obdachlos

Die Caritas und die Diakonische Katastrophenhilfe zeigten sich besorgt über das Schicksal der vertriebenen Kriegsopfer. Sie fordern, dass eine humanitäre Schutzzone eingerichtet wird. "Die Menschen im Norden Malis sind Übergriffen schutzlos ausgeliefert. Sie brauchen dringend Wasser, Lebensmittel und medizinische Versorgung", sagte der Referatsleiter Afrika von Caritas international Christoph Klitsch-Ott.

Sollte sich die Sicherheitslage nicht verbessern, drohe nicht nur Mali , sondern auch einigen Nachbarstaaten eine "ernste humanitäre Notlage". Durch die Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen haben nach UN-Angaben 93.000 Menschen ihr Obdach verloren, weitere 200.000 sind ins Ausland geflohen. Viele von ihnen flohen in die Nachbarstaaten Algerien, Mauretanien, Niger und Burkina Faso.

GD/nis (afp, dpa, dapd)

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