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Welt

Maliki macht Front gegen die Türkei

Zwischen Türkei und Irak wird der Tonfall schärfer: Iraks Premier Maliki wirft der türkischen Führung vor, sich in den Machtkampf in Bagdad einzumischen. Er warnt, dies könne einen Bürgerkrieg in der Region provozieren.

Maliki vor Mikrofonen (Foto: dpa)

Iraks Ministerpräsident Maliki klagt die Türkei an

Die Wogen schlugen hoch, beide Seiten zeigten sich beleidigt und verstiegen sich in gegenseitige Drohungen: Die Außenministerien der Türkei und des Irak bestellten die jeweiligen Botschafter der Gegenseite ein, um ihre Positionen nachdrücklich zur Kenntnis zu bringen. Dies wurde am Dienstag (17.01.2012) auch von türkischen Diplomaten bestätigt.

Dabei habe man dem irakischen Botschafter deutlich gemacht, dass der Vorwurf einer Einmischung der Türkei in den Machtkampf zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden im Irak "inakzeptabel" sei, verlautete in Ankara. Die Stabilität des Irak liege schließlich im Interesse aller Nachbarländer, was keine Einmischung bedeute. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor einer drohenden Spaltung Iraks nach dem Abzug der US-Truppen gewarnt und die Regierung in Bagdad an ihre "historische Verantwortung" erinnert.

Mit Unterstützung des Iran?

Sein Außenminister Ahmet Davutoglu war jüngst vor einem Teheran-Besuch noch deutlicher geworden: "Es gibt einige Kreise, die einen kalten Krieg zwischen Sunniten und Schiiten beginnen wollen. Die Auswirkungen wären auf Jahrzehnte hin zu spüren." Das heißt: Die Türken fürchten auch, die schiitische Mehrheit im Irak könne nach dem Rückzug der USA mit Unterstützung des Iran auf ihre alleinige Herrschaft hinarbeiten.

Der Irak seinerseits hatte am Vortag den türkischen Vertreter in Bagdad einbestellt und "Besorgnis" über entsprechende Äußerungen türkischer Politiker und zunehmende Spannungen geäußert.

Maliki: Gefährliche Rolle der Türkei

Vizepräsident al-Haschimi (Foto: Archiv)

Auch Konfliktpunkt zwischen Türkei und Irak: Anklage gegen den sunnitischen Vizepräsidenten al-Haschimi

Für besonderes Aufsehen sorgten dann Erklärungen des schiitischen irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki über die strategische Rolle der Türkei. "Das Verhalten der Türkei kann Katastrophen und Bürgerkrieg in die Region bringen. Die Türkei selbst wird darunter leiden, weil sie aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften und Volksgruppen besteht", so Maliki wörtlich.

Als Beleg für den eskalierenden Machtkampf zwischen Schiiten und Sunniten im Irak gilt insbesondere der Haftbefehl gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarik al-Haschimi, der sich in den von den Kurden kontrollierten Norden des Landes geflüchtet hat. Maliki hatte ihn für Anschläge und Attentate mitverantwortlich gemacht. Al-Haschimi beschuldigte den schiitischen Regierungschef, er mache sich die Justiz zu Diensten, um politische Rivalen wie ihn, allesamt aus dem sunnitischen Lager, mundtot zu machen. Der türkische Ministerpräsident Erdogan rügte Malikis Haltung und nahm al-Haschimi gegen die Vorwürfe in Schutz.

Autor: Siegfried Scheithauer (dpa, afp)
Redaktion: Pia Gram

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