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Afrika

Mali: "Eine Somalisierung hätte schlimme Auswirkungen auf die gesamte Region"

Die Situation der Medien nach dem Sturz der Regierung in Mali war Thema des fünften gemeinsamen Expertengesprächs von DW Akademie und ARD-Hauptstadtstudio in Berlin.

"Es muss viel passieren", so der Malier Lamine Doumbia gleich zu Beginn zu DW-Moderatorin Meggin Leigh, "dass ein Land wie Mali in die internationalen Medien kommt." Und tatsächlich, es ist viel passiert in Mali: Aus der einstigen Vorzeigedemokratie ist im Laufe des Jahres ein fragiler Staat geworden, die Regierung wurde kurz vor den anstehenden Wahlen im März gewaltsam abgesetzt, und seitdem kämpfen im Norden des Landes Tuareg-Rebellen und - zum großen Teil ausländische - radikale Islamisten um Macht und Einfluss. Wie bedrohlich sich die Situation aus seiner Sicht darstellt, machte Doumbia, Doktorand an Universität Bayreuth im mit 60 Gästen vollbesetzten Konferenzsaal des ARD-Hauptstadtstudios deutlich: "Im Norden Malis gab es in der Vergangenheit immer wieder Aufstände von Rebellen. Aber jetzt haben wir es mit einer anderen Dimension zu tun, und zwar mit der Frage nach dem Erhalt der staatlichen Souveränität."

Expertengespräch der Reihe Medien International zum Thema Mali

Moderatorin Meggin Leigh mit dem malischen Wissenschaftler Lamine Doumbia

Auch die Pressefreiheit sei in dem Land stark unter Druck, und zwar nicht nur im umkämpften Norden des Landes, stellte Gunnar Rechenburg dar, der Mali im Juni als Journalist bereist hatte. So habe es Berichte gegeben, wonach in den vergangenen Wochen Journalisten in der Hauptstadt Bamako und im Süden Malis von Regierungssoldaten eingeschüchtert und angegriffen worden seien. "Noch dramatischer ist die Lage aber im Norden des Landes. Die Radiosender dort dürfen seit der Einführung der Scharia keine Musik mehr spielen und müssen islamistische Parolen verlesen", so Rechenburg. Dies hätten ihm auch Gesprächspartner bei Radio Karoual in Mopti - einem Partnersender der DW Akademie an der Grenze zum Norden Malis - bestätigt.

Christine Harjes, Koordinatorin für Westafrika bei der DW Akademie, erlebte den Putsch als Trainerin in Bamako. "Wir mussten unseren Wahlberichterstattungsworkshop abbrechen", so die erfahrene Trainerin, die daran erinnerte, dass Radio in Mali immer noch das Hauptinformationsmedium sei. Angesprochen auf Möglichkeiten zur Beilegung des Konflikts sagte Harjes, eine militärische Lösung des Konflikts sei aus ihrer Sicht keine erfolgversprechende Strategie, zumal die Islamisten im Norden des Landes hoch gerüstet seien.

Dieser Einschätzung schloss sich auch Marc Dugge an, Redakteur bei HR-info und bis April 2012 ARD-Korrespondent in Rabat/Marokko. "Um eine 'Somalisierung' des Konflikts mit schlimmen Auswirkungen auf die ganze Region zu verhindern, muss die Regierung in Bamako versuchen, die Konfliktparteien an einen Tisch zu bekommen." Ansonsten, so der Radio-Journalist, würden Drogen- und Waffenschmuggel in Westafrika, bis hin nach Somalia im Osten und Libyen im Norden noch mehr florieren als ohnehin schon.

Das Expertengespräch war Teil der Reihe Medien International, welche die DW Akademie gemeinsam regelmäßig mit dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin veranstaltet.

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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