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Wirtschaft

Malawi: Dürreopfer sehen kein Geld

Die Zahl der Naturkatastrophen steigt. In Afrika gibt es für solche Fälle eine Versicherung - angesiedelt bei der Afrikanischen Union. Eine sinnvolle Sache, wenn sie funktioniert. Malawi allerdings hat jetzt Ärger.

Sieben afrikanische Länder machen mit und haben sich gegen Dürre versichert: Niger, Senegal, Gambia, Mali, Mauretanien, Kenia und Malawi. 179 Millionen US-Dollar ist die Deckungssumme im Moment. Und zunächst sah alles nach einem wirklich sehr erfolgreichen Entwicklungshilfeprojekt aus. 50 Millionen Euro gab die deutsche KfW-Gruppe, und mit 90 Millionen Pfund ist Großbritannien dabei. 2015 wurden die ersten Gelder an dürregeplagte Länder in Afrika ausgezahlt. Doch mittlerweile kämpft die Dürreversicherung (African Risk Capacity) mit einem Problem.

Malawi ist eines der ärmsten Länder Afrikas. Die Menschen leiden unter den Folgen der schwersten Dürre seit Jahrzehnten. Im Land wird viel Mais angebaut. Es ist Grundnahrungsmittel. Doch die Maispflanzen vor allem im Süden und in zentralen Teilen des Landes haben viel zu wenig Regen gesehen - er ist total vertrocknet. Die Ernte fällt ein Drittel kleiner aus als im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Für die Region ist es die schlimmste Dürre seit 35 Jahren.

Notstand in Malawi

Bereits im April rief Malawis Präsident, Peter Mutharaki, den Notstand aus. Millionen von Menschen im Land leiden Hunger. Das Land ist gegen Dürre versichert - bei der African Risk Capacity Insurance Limited - dem Versicherungsarm der Afrikanischen Union. Dafür hat die Regierung von Malawi 4,7 Millionen Dollar an Prämie bezahlt, dafür sind Dürre-Schäden bis 30 Millionen Dollar versichert.

Die eigentliche Idee hinter der Versicherung ist, dass im Schadenfall schnell ausgezahlt wird. Denn dann ist die Hilfe am effektivsten. Damit dies geschehen kann, hat die internationale Staatengemeinschaft weder Kosten noch Mühe gescheut.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat eigens zwei Satelliten ins All geschossen. Für einzelne Regionen kann mittels dieser Satelliten festgestellt werden, ob eine kritische Trockenheit eingetreten ist. Um Zeit zu sparen und vielleicht um Korruption vorzubeugen, strömen keine Versicherungsagenten aus, um die Schäden zu ermitteln. Stattdessen kommt teure Technik zum Einsatz.

Technik (ver)rechnet sich

Allerdings: Im Fall von Malawi kommt die Software der Dürreversicherung zu einem fatalen Ergebnis: Nur 21.000 Menschen seien von der Dürre in Malawi betroffen. Die Versicherung zahlt erst, wenn 1,39 Millionen Menschen unter der Dürre leiden, so steht es in der Police. Die Regierung schätzt die Zahl der Betroffenen auf 6,5 Millionen Menschen und hat sich bei dieser Schätzung von internationalen Agenturen unterstützen lassen.

Jetzt überprüft die Dürreversicherung ihre Modelle und forscht nach, wo der fatale Fehler in den komplizierten Modellen steckt. Die Chefin der Versicherung, Dolika Banda, lehnte ein Interview mit der DW ab. Sie wolle erste Gespräche mit der malawischen Regierung abwarten.

Blessing Matorore ist freier Berater für Brot für die Welt in Malawi, dem Hilfswerk der evangelischen Landes- und Freikirchen in Deutschland. Er sagte der DW, die Regenmenge sei in Malawi in diesem Jahr nicht viel geringer gewesen als sonst. Entscheidend sei aber, "dass die Regenzeit sehr kurz war. Sie dauerte nicht wie üblich von Dezember bis März, sondern nur von Ende Februrar bis März." Ganz offensichtlich zu kurz jedenfalls für den Anbau von Mais, der in Malawi Grundnahrungsmittel ist.

Möglicherweise bekommt die Regierung ihre gezahlte Versicherungsprämie bald zurückerstattet - ein schwacher Trost angesichts der Dürre mit verheerenden Folgen im Land.