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Kultur

Malaria in Afrika gefährlicher als Aids

"Roll Back Malaria" heißt die Initiative von WHO und Unicef, um die Seuche Malaria zu bekämpfen. Sie fordert in Afrika mehr Todesopfer als Aids. Täglich sterben daran 3000 Kinder.

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Die 50 Arten der Anophelesmücke sind Überträger der Malariaerreger

Rund eine Million Menschen sterben jedes Jahr an Malaria - die meisten davon in Afrika. Das geht aus dem ersten Weltmalariabericht hervor, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen mit dem UN-Kinderhilfswerk Unicef am Dienstag (3.5.2005) in Genf veröffentlicht hat.

Es gibt jedoch bei der Bekämpfung der Infektionskrankheit Fortschritte durch Vorsorgemaßnahmen. "Viele Länder setzen zunehmend Malaria-Kontrollprogramme ein", sagte WHO-Generaldirektor Jong Wook Lee, "und sogar diejenigen mit nur begrenzten Möglichkeiten und einer hohen Malariabelastung können nun besser gegen diese Krankheit vorgehen." Problematisch ist allerdings, dass in vielen Regionen die Malariaerreger Resistenzen gegen die gängigen Medikamente bilden.

Seuche Nummer eins

2003 wurden weltweit zwischen 350 und 500 Millionen Malariafälle registriert, was eine leichte Steigerung durch bessere Erfassungsmethoden bedeutet. Nach den Millenniumszielen der Vereinten Nationen soll die Ausbreitung der Krankheit bis 2015 weitgehend gestoppt oder sogar zurückgedreht werden. Dem Bericht zufolge sind im Jahr 3,2 Milliarden Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) nötig, um in den 82 Ländern mit der größten Malarialast wirksam helfen zu können.

"Derzeit ist Malaria die Infektionskrankheit, die mehr Todesopfer unter den Kindern in Afrika fordert als jede andere - drei Mal mehr als die HIV-Infektion", betonte die neue UNICEF-Geschäftsführerin Ann Veneman.

Netze können helfen

UNICEF und WHO haben die zum Teil nur schwer zugänglichen Daten über das Auftreten der Malaria bis 2004 gesammelt und ausgewertet. Demnach hat sich unter anderem der Gebrauch von Moskitonetzen in Afrika verzehnfacht, seit diese mit Insektiziden behandelten
Hilfsmittel vor drei Jahren erstmals ausgegeben wurden. In Sambia schlafen nach einer 2003 in fünf Bezirken begonnenen Kampagne mindestens 80 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren unter solchen Netzen. Eine ähnliche Kampagne in Togo bewirkte, dass die Zahl der Haushalte, die mindestens ein behandeltes Netz besitzen, von 8 auf 62 Prozent anstieg.

Die Krankheit kostet viele betroffene Staaten 40 Prozent ihres Gesundheitsbudgets und mehr: Malaria belastet Afrika im Jahr mit über zwölf Milliarden Dollar, schätzt die WHO. Gerade der Westen unterschätze die Auswirkungen der Krankheit, kritisiert Christoph Bonsmann, Apotheker beim deutschen Medikamentenhilfswerk action medeor: "Das ist eine von den leisen Katastrophen. Also es ist keine große Sensation, die Erstaunen hervorruft in Europa, aber es ist eine tägliche Katastrophe, gerade in Afrika."

Eine leise und schwer greifbare Krankheit

Mehr als 3000 Kinder sterben in Afrika täglich an Malaria. Manchmal ist es ist nur ein einziger Mückenstich - aber in Afrika kann er tödlich sein, wenn er durch die Anophelesmücke verursacht wird. Denn die trägt die Erreger mit sich herum, die so genannten Plasmodien. Und
während einer Schwangerschaft sind Malariainfektionen besonders schwerwiegend, da die Parasiten sich massiv in der Plazenta vermehren - manche Kinder werden mit der Krankheit geboren.

In den Malaria-Brennpunkten Ostafrikas wie Burundi oder Tansania bekommen Kleinkinder nicht selten sechs Malaria-Ausbrüche im Jahr. Entweder sie sterben, oder sie tragen häufig schwere organische Schäden davon. In Tansania werden bei den 33 Millionen Einwohnern jährlich knapp 16 Millionen Malaria-Erkrankungen registriert. Doch die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Malaria ist nicht nur eine leise, sondern auch eine extrem schwer greifbare Katastrophe. Und vor allem offenbart sie die ganze Misere der chronisch mangelhaften Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern, insbesondere in Afrika: Weil es kaum Labors gibt, die eine Malaria-Infektion feststellen können, werden die Krankheitssymptome, also Fieber, Durchfall, Kopf- und Gliederschmerzen, oft auf eine schwere Grippe zurückgeführt. Doch dann ist es für viele Menschen in den
ländlichen Gebieten Afrikas meist schon zu spät. (kas)

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  • Datum 03.05.2005
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