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Sprachbar

Mal sehen

Ist alles im Leben Schicksal oder haben wir vielleicht doch die Fähigkeit, etwas zu verändern? Nichts Genaues weiß man nicht. Fest steht nur, dass sich in Krisenzeiten die Hilflosigkeit auch in der Sprache niederschlägt.

Drei Pünktchen am Ende oder innerhalb eines Satzes sind Auslassungszeichen. Auch wenn sich in vielen Fällen denken lässt, was an ihrer Stelle geschrieben stehen könnte – man weiß es nie so ganz genau. In der gesprochenen Sprache finden die Pünktchen ihre Entsprechung im Nicht-Gesagten, in einer Pause – oder einer Geste. Man zuckt mit Schultern, setzt ein schiefes Lächeln auf oder hebt hilflos die Hände. "Nichts Genaues weiß man nicht", so lautet eine umgangssprachliche Redensart. Im Gegensatz zu "etwas Genaues weiß man nicht" ist ihre Aussage die, dass man überhaupt nichts weiß.

Krisenvokabular

Die Sprache reagiert zuverlässig wie ein Seismograph auf Stimmungsänderungen in der Gesellschaft. In Zeiten der Krise und großer Hilflosigkeit liefert sie gleichsam ein Vokabular des Ungewissen, des Zauderns. Da gibt es das "entschlossene Vielleicht", einen Ausdruck, der mangelnde Entscheidungsfreude mit dem Wunsch verbindet, dass eigentlich etwas passieren sollte oder sogar müsste.

Ebenfalls uneindeutig bleiben oft Antworten auf die Frage nach dem persönlichen Befinden. "Es geht so" ist ganz oben in den Top Ten des "Krisenvokabulars" zu finden, ebenso "na ja, es könnte schlechter sein". Ein "ganz gut" beziehungsweise ein "ich kann nicht klagen" klingt dagegen schon ein wenig positiver. Aber eine Antwort wie etwa "Gut, danke, ausgezeichnet!" ist in schlechten Zeiten – außer von ganz jungen Leuten – kaum einmal zu hören.

Böse Welt

Viele Menschen empfinden Resignation angesichts "der bösen Welt da draußen" und ihrer anonymen Übermacht. Sie seufzen und sagen: "Was soll ich machen, ich kann ja doch nichts ändern" oder "so ist es halt". Sie bemühen sich erst gar nicht mehr um Besserung, denn erstens kommt ja doch immer alles anders und zweitens, als man denkt.

Und selbst das Denken kann man genauso gut auch bleiben lassen – zumindest, wenn man denen glaubt, die behaupten: "Der Mensch denkt, Gott lenkt." Demnach steht es nicht in unserer Macht, das Schicksal zu beeinflussen. Aber ist es nun Klugheit, Demut oder Kapitulation, alles menschliche Vermögen letzten Endes als unzureichend zu betrachten?

Tröstende Worte

Fest steht jedenfalls: "Das Leben ist eines der härtesten." Besonders dann, wenn der Ausblick auf die nächsten Jahre "in düsteren Farben gemalt" wird, von "schmerzhaften Einschnitten" die Rede ist und "Licht am Ende des Tunnels" keineswegs in Sicht ist.

Wie gut, dass es noch Menschen wie Franz Beckenbauer gibt, die es schaffen, einer solchen Untergangsstimmung mit Gelassenheit, wenn nicht sogar verhaltenem Optimismus zu begegnen. Der Franz, von Beruf Experte für alles in der Fußballwelt, schafft es immer wieder, uns mit seiner tiefen Botschaft die richtige Richtung zu weisen. Sie lautet: "Schau'n mer mal". Lassen wir uns also nicht vom allgemeinen Pessimismus anstecken. Solange wir einfach "unser Ding machen", ist alles in Ordnung. "Bloß kein Stress." Ansonsten: "Schau'n mer mal." Was sonst.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Barbara Syring

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