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London 2017

Makwalas Solo-Lauf mit Wut im Bauch

Ein eigenartiger Lauf: Ganz allein rennt Isaac Makwala bei der WM in London ins Halbfinale. Der Weltklasse-Sprinter aus Botswana muss wegen eines Virus unter Quarantäne starten - und zeigte erneut eine trotzige Reaktion.

Sprinter neigen bekanntermaßen zur Theatralik. Nicht umsonst gilt Usain Bolt als König der Leichtathletik. Vor seinem letzten Rennen am Samstag ist auch in dieser Hinsicht ein Rennen um seine Nachfolge entbrannt. Schließlich sucht die Leichtathletik händeringend nach schillernden Aushängeschildern, die in die übergroßen Fußstapfen von Bolt steigen können. Einer, der das gerne täte, ist Isaac Makwala. Der Sprinter aus Botswana machte nach seinem Vorlauf über 200 Meter ein paar telegene Liegestütze, nur wenige Meter hinter der Ziellinie. Ein schönes Show-Programm für das ohnehin begeisterte Londoner Publikum - allerdings mit einem ernsten Hintergrund.

Denn Botswanas Weltklasse-Sprinter musste seinen Lauf ganz allein bestreiten. Mit einem Sololauf auf Bahn 7 zog er in 20,20 Sekunden ins 200-Meter-Halbfinale ein - und doch war diese Tatsache eher eine Nebensache. Isaac Makwala durfte nämlich zunächst gar nicht starten. Er soll an einem Magen-Darm-Virus erkrankt sein, so die offiziellen Ärzte. Und es bestehe akute Ansteckungsgefahr. Der 30-Jährige erhielt am Mittwoch dann doch noch die Starterlaubnis vom Weltverband.

"Ich glaube fast, das ist Sabotage"

Als einsamer Sprinter unterbot er am Abend im Londoner Regen die Qualifikationszeit von 20,53 Sekunden deutlich und stand danach im Halbfinale. Als die 20,20 Sekunden auf der Anzeigetafel aufleuchteten, warf sich Makwala auf den Boden, machte seine fünf Liegestütze und salutierte dann in Richtung Publikum. Eine trotzige Geste, mit der er auch gegen seine Behandlung protestieren wollte. 

UK Leichtathletik WM London 2017 - 200Meter Männer - Isaac Makwala (Reuters/J. Sibley)

Trotzig im Halbfinale: Makwala lief sich in 20,20 Sekunden seinen Frust von der Seele

Über die 400 Meter durfte er nicht antreten, musste zusehen, wie Wayde van Niekerk souveräner Weltmeister wurde. Und Makwala schäumte: "Das ist nicht fair. Ich glaube fast, das ist Sabotage", sagte Makwala dem Sender ITV. Trotz der verhängten Quarantäne war er zum Stadion gefahren, er fühlte sich gut, wollte unbedingt laufen. "Ich frage mich, was passiert wäre, wenn ich ein britischer Athlet wäre. Hätten sie mir dann auch nicht erlaubt zu laufen?", fragte Makwala, der am Montag schon die Vorläufe über 200 Meter verpasst hatte: "Es zerbricht mir das Herz." 

Das Ärzteteam der IAAF hatte ihn für 48 Stunden unter Quarantäne gestellt, um eine Verbreitung des bei der WM grassierenden Noro-Virus zu unterbinden. Selbst in den Athletenbereich durfte Makwala zuletzt nicht hinein, Ordner verweigerten ihm den Zutritt. "Es war schwer, alleine zu laufen. Ich halte die Entscheidung für falsch. Aber ich vergebe den Verantwortlichen", sagte Makwala, der am späten Abend die Qualifikation für den Endlauf klar machte. Im Halbfinale durfte er wieder neben seinen Konkurrenten starten und lief souverän als Zweiter über den Zielstrich. Seine Zeit (20,14 Sekunden) ist durchaus stark einzuschätzen, da er zwei Rennen an einem Abend bestreiten musste. Das 200-Meter-Finale findet am Donnerstag (22.50 Uhr MESZ) statt - mit Makwala, der dort 400-m-Weltmeister Wayde van Niekerk herausfordern will. Der Olympiasieger kam in 20,28 Sekunden nur über die Zeitregel ins Finale. Der Showdown um Gold über 200 Meter verspricht also Spannung. 

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